Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Einmal Prinzessin auf der Pfaueninsel sein

Einmal Prinzessin auf der Pfaueninsel sein
Wenn das kein märchenhafter Anblick ist ... Zur Foto-Galerie
Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal: Die Suche nach dem weißen Kaninchen auf der Pfaueninsel.

Der Schrei eines Pfaus klingt in etwa so wundervoll wie das Geräusch, das ein paarungsbereiter Kater von sich gibt. Nur doppelt so laut. Trotzdem hat der Pfau etwas Magisches. Um ihn ranken sich Mythen und Legenden, er gilt als das Symbol der Schönheit, des Reichtums und der Liebe. Und natürlich ist er Sinnbild der Eitelkeit.

Auf der Pfaueninsel war ich sicherlich das letzte Mal mit acht oder neun Jahren. Da seit kurzem wieder Wasserbüffel als Rasenmäher hier eingesetzt werden, und das in Zeitungen und im Internet die Runde machte, wollte ich hin. Das ist so typisch Berlin. So viel Schönes in einer Stadt, und irgendwie kommste zu nüscht.

Wie ein Kind freue ich mich auf die Fahrt mit der Fähre. Die dauert zwar nur einige Sekunden, aber es fühlt sich trotzdem so aufregend an wie eine kleine Reise. Schon vom Parkplatz aus höre ich den ersten Pfauenruf. Surreal und mystisch.

Wohnen auf der Insel

Blütenpracht auf der Pfaueninsel (c) Jänicke
Wir setzen über und betreten die Insel, von der es in alten Zeiten hieß, der Kurfürst hätte hier mit einem Glasmacher schwarze Magie betrieben. Was eben so in Gerüchteküchen gekocht wird. Der Wald, die Wege, das Schloss – alles ist wie gemalt. Dass hier sogar Menschen, wenn auch wenige, wirklich wohnen, kann ich mir kaum vorstellen, diese Idee ist zu wunderbar. Ich würde hier sofort leben – und mich natürlich an die knallharten Parkregeln der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten halten. Ich würde kein Fahrrad mitbringen, kein Skateboard fahren, nicht baden, nicht rauchen, nicht die Wege verlassen, kein Feuer machen, nicht angeln, keinen Handel treiben und keine Demonstration anzetteln. Leider dürfte ich auch keinen Hund haben, deshalb ist das auch alles nur eine kurze Fantasie.

Ich genieße den Inselrundgang – die Natur ist hier geschützt und das Leben in ihr zu spüren. Mein Freund kennt sich aus, er ist früher mit einem Kumpel oft hier gewesen. Während wir laufen, liest er mir den Wikipedia-Eintrag über die Insel aus seinem Handy vor. Ich bin ein großer Freund der modernen Technik. Früher hätte ich ja auch einen Plan in der Hand gehalten oder mir über einen Kopfhörer die Geschichte der Insel angehört.

Ein Pfau ohne Sinn für Spaß

Um ein unglaublich sorgfältig und hübsch angepflanztes Beet stolziert ein blauer Pfau. Familien und Pärchen fotografieren ihn, er lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen und zupft an ein paar Blumen herum. Was er nicht mag, ist, dass ein kleines Mädchen ihm abrupt zu nahe kommt. Er schlägt das berühmte, wunderschöne Rad und jagt dann das Kind ein halbes Mal ums Beet, bis es sich in die Arme seines Vaters rettet. Spaßen kann man also nicht gut mit diesem Vogel. 

Wir spazieren um das weiße Schloss, und ich stelle mir vor, wie es wäre, eine Prinzessin zu sein. Oder ob ich vielleicht heute ja das weiße Kaninchen finde, das ich schon seit Jahren suche. Es würde sich hier zumindest sehr wohlfühlen. Es gibt so viele tolle Verstecke für die Tiere. Im Wald, in Baumhöhlen, an den Uferzonen – und in den alten Gebäuden überwintern die Fledermäuse. Zudem wurde auf der Insel im 17. Jahrhundert eine Kaninchenzucht angelegt, weshalb die Insel früher Kaninchenwerder genannt wurde. Es wäre also gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, das Kaninchen aus Alice im Wunderland tatsächlich hier anzutreffen. Immer, wenn ich es irgendwo vermute, scheint die Zeit stehenzubleiben und mir einen tiefen, friedlichen Moment des Durchatmens zu schenken. Dabei ist es doch selbst immer so in Eile!

Nach etwa einer Stunde kehren wir zurück zur Fähre und lassen uns wieder übersetzen. Um uns herum junge Pärchen, Senioren, die Händchen halten und Familien mit Kindern, die sich mit ihren frisch ergatterten Pfauenfedern duellieren.

Vielleicht muss ich ja auch keine richtige Prinzessin sein. Manchmal reicht es schon, Berlinerin zu sein. Ist ja auch fast dasselbe. Manchmal!

Foto Galerie


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Pfaueninsel, Pfaueninselchaussee 100, 14109 Berlin

Telefon -

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April bis Oktober:
Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:30 Uhr
Besichtigung nur mit Führung

Pfaueninsel

Mit einer Fähre geht es auf die paradiesische Insel.

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