Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Kino mal anders

Kino mal anders
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Südkiez - Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diese Woche ging es an einen plüschigen Ort in Friedrichshain ...
Ein neues Jahr ist für mich immer wie ein frisches, glattes, neues, weißes Blatt Papier, das vor mir liegt. Ich freue mich darauf, es zu bemalen, darauf herumzutoben, es zu falten und wieder zu entknittern, aber erstmal stehe ich beeindruckt und ehrfurchtsvoll davor und überlege, was ich eigentlich wirklich will. Ich will mehr lesen (der neue Stephen King „Mr. Mercedes“ liegt auf meinem Nachttisch.) Ich will mich intensiver und liebevoller um meine Freunde kümmern. Je älter ich werde, desto mehr begreife ich, wie wichtig es ist, eine Herde zu haben. Die einen bereichert, trägt, inspiriert, braucht und begleitet. Und ich will unbedingt mehr Dinge tun, die ich noch nie getan habe. Schließlich lebe ich in einer Stadt, die das herausfordert und unterstützt. Diesen guten Vorsatz hatte ich schon vor ein paar Wochen und setze ihn nach und nach um.
 
Vor ein paar Tagen habe ich mit einem lieben Radiokollegen das „b-ware!! Ladenkino“ im Friedrichshain besucht. Ich habe schon ein paar Mal davon gehört, da war ich noch nie. Ich gebe zu, ich bin ein Cineplex-Fan, ich liebe die großen Filmtempel und Blockbuster, Hochglanz und besten Sound. Also mal was Neues probieren. Wir entscheiden uns für einen Rache-Thriller namens „blue ruin“ in der 20 Uhr-Vorstellung. Ich schäme mich fast dafür, dass ich drei Mal fast und einmal ganz eingeschlafen bin. Die Kritiken im Netz sind durchweg positiv: toll gespielt, tolle Kameraführung, die Spannung sei kaum auszuhalten. Vielleicht falle ich aber auch generell, wenn es sehr spannend wird, automatisch in eine Art Todesstarre, wie
ein Kaninchen. Ich mag, dass auf der Hauswand steht: „Dies ist kein Kino“. Gegensätze ziehen
mich an. Innen ist es plüschig. Kronleuchter, samtener Vorhang, 70er Jahre-Deko. Eine kleine Bar, DVD-Verleih, kleine Zimmer, in denen die Filme gezeigt werden. Ein bisschen verrucht! Neben uns sitzen etwa noch sieben Leute, teilweise auf Kissen auf dem Boden vor der Leinwand. 4 Euro kostet die Entrittskarte. Toll! Wo gibt es denn heute quasi noch was geschenkt? Ich fühle mich gerne wie ein Tourist in der eigenen Stadt und will, wenn ich schon im flippigen, hippen, angesagten Friedrichshain unterwegs bin, noch ein wenig bleiben und hoffe, dass sich ein bisschen der Energie, die Zugereiste so lieben, sich mit meinem braven Zehlendorfer Vorstadtgeruch vermischt.
 
Das Rockcafé Halford. (c)Gerlinde Jänicke
Genau gegenüber dem Kino sehe ich eine Rockerkneipe. Da muss ich rein. Das Rockcafé Halford liebe ich sofort. Was für eine Zeitreise in die 90er! Ich komme mir vor, als säße ich im Backstage-Bereich eines Rockkonzertes. Und so nette Leute! Wir setzen uns zu einer Gruppe ganz böse aussehender Jungs, die sehr witzig und freundlich sind. Ich trinke ein paar Gläser Wein, obwohl ich eigentlich Bier so liebe. Wie gesagt, ich bin eine Freundin der Gegensätze. Ich kann wirklich nur empfehlen, sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen. Klar ist es schön, zu wissen, was einen erwartet. Auch ich habe meinen Lieblingsitaliener, eine Lieblingsbar, treffe regelmäßig dieselben Leute, habe gerne Rituale wie meinen Burgerfreitag oder meine wöchentlichen Serienabende mit einer Lieblingsfreundin. Aber Neues ist auch immer bereichernd. Überraschend. Vielleicht sogar wundervoll. Auch wenn ich den Film „blue ruin“ ungefähr so spannend fand, wie einem Spiegelei beim Braten zuzusehen – ich möchte den Abend nicht missen. Ich habe neue Eindrücke gewonnen, ein paar nette Rocker kennengelernt und tolle Gespräche mit meinem Kumpel geführt. Außerhalb meines Dunstkreises. Veränderungen sind immer gut.

Meine neue Show

Apropos, ich schreibe dies von meinem neuen Schreibtisch aus, in meinem neuen Arbeitszuhause, 94,3 rs2. Ich werde hier ab Montag 5 Uhr die Morgensendung moderieren. Sie trägt meinen Namen und ich ziemlich viel Verantwortung. Als das Angebot kam, hätte ich „Nein“ sagen können. Weil ich mein Leben, wie es war, ganz schön gerne mochte. Warum habe ich „Ja“ gesagt, obwohl ich jetzt jeden Morgen um halb vier aufstehen muss? Ich neue Dinge lernen muss, mich neu programmieren, plötzlich wieder einen zehn Stunden-Tag habe? Weil ich glaube, dass es eins dieser wundervollen Dinge sein kann, die passieren, wenn man sein Leben in die Hand nimmt, um eine neue Richtung einzuschlagen. Sich auf ein neues Pferd zu schwingen, erfordert Mut. Neues zuzulassen auch. Sich neu auszurichten. Ich freue mich auf dieses Abenteuer. Das Leben ist nämlich eben doch ein Ponyhof. Oben bleiben heißt das Programm. In diesem Sinne: YEEHAW! 

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Quelle: QIEZ / externe Quelle

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