Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Pferdeäpfel in Tegel

Pferdeäpfel in Tegel
Gleich ganz angetan: Gerlindes Freund, der Designer Julian F.M. Stoeckel. Zur Foto-Galerie
Gerlinde Jänicke ist eine der bekanntesten Radiomoderatorinnen der Stadt. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie euch jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und noch jede Menge mehr. Diesmal hat sie zusammen mit ihrem Freund Julian F.M. Stoeckel einen Stall voller Kutsch-Pferde besucht ...

„Sehr geehrte Frau Jänicke, gerne würden wir in einer Ihrer Radiosendungen eine Kutschfahrt im Rahmen des Events ‚Festival of Lights‘ verlosen….“

Ich bekomme viele Emails mit Verlosungsangeboten. Jeder meiner Hörer spürt oder weiß: Was in meiner Sendung passiert, interessiert mich wirklich. Ich würde alle Veranstaltungen selber ausprobieren oder habe sie schon getestet. Bei dem Wort „Kutschfahrt“ muss ich überlegen. Sind das nicht Tierquäler? Böse Menschen? Ich mache auch keine Eventtipps für Zirkusse mit wilden Tieren, versuche artgerecht zu handeln.

Gerlinde und Julian. (c)Gerlinde Jänicke
Und Kutschfahrten, mitten in der Stadt … nee. Nicht artgerecht. Ich bin voller Vorurteile, aber schreibe nett zurück. Ich will mal hinter die Kulissen blicken. Wie werden die Pferde gehalten (ich war selbst zwölf Jahre Pferdemutter und schreibe mir gewisse Grundkenntnisse einer guten Haltung zu) und vor allem, wo. Ich will alles wissen und bitte um eine Führung. Die Antwort kommt schnell. Man freut sich sehr auf mich! Ich bin gespannt, lade meinen Hund Miley und meine Freundin Julian F.M. Stoeckel (Anm. d. Red.: der Designer, der auch im Dschungelcamp war) ins Auto und erkläre den Ausflug zu einem Familientrip in die Sommerfrische. Mein Navi führt mich durch den Wedding nach Tegel. Wedding? Das klingt nicht nach Natur und Land und Bauernhof. Das klingt nach dem alten Lied: „Da steht ein Pferd auf dem Flur… ein echtes Pferd auf dem Flur…“

Ein Pferdestall im Wedding

Und doch werde ich überrascht. Wir landen in der Nähe des Volksparks Humboldthain. Ich habe eine Wegbeschreibung bekommen. „An der Brücke links immer geradeaus, da ist unser Stall“.

Ich liebe den Duft der Pferde. Ein älterer, sehr freundlicher Herr empfängt uns. Herr Rittsche. Ich frage ihn, ob er der Chef sei, er antwortet: „Nee. Dit machen wa hier alle zusammen.“ Ich erfahre, dass „alle zusammen“ etwa sechs Kutscher sind, einer davon ist auch Hufschmied. Die meisten Kutscher hat Herr Rittsche aus der Arbeitslosigkeit geholt, ab „fuffzich kriegste keenen Job mehr“ sagt er.

(c)Gerlinde Jänicke
Julian rennt sofort zu den Pferden. Wie ein kleiner Junge steht er am Zaun der Koppel und streichelt und hüpft und ruft. Die Pferde sind interessiert, laufen auf ihn zu, lassen sich drücken und sind ob seiner kindlichen Freudenausrufe komplett unbeeindruckt. Klar, Lärm müssen die können. Mein Hund will spielen, die Tiere begrüßen auch ihn sehr freundlich. Die Pferde machen einen ausnahmslos guten Eindruck. Die Koppel ist angemessen groß, der Platz ist sauber. Die Hufe der Tiere sind gesund, das Fell glänzt, keins der Pferde ist zu dünn, alle wirken zufrieden. Ein sehr witziges cremefarbenes Pony rennt auf mich zu, ich nehme seinen Kopf in meine Hände und drücke ihm einen dicken Kuss auf. Keins der Pferde ist kopfscheu. Gutes Zeichen. Ich möchte mir die Ställe anschauen und verliebe mich umgehend in eine Schimmeldame namens „Lara“. Sie war mal Theaterschauspielerin. Süß. Diva. Theaterpferd! Leider reicht mein Taschengeld nicht ganz, um sie abzukaufen. Mein Bauchgefühl sagt, das sind glückliche Tiere. Ich erfahre, wo die Pferde herkommen, (aus Polen – kein Pferdemarkt!) dass das Veterinäramt regelmäßig vorbeischaut, dass die Presse oft negativ schreibt, ohne nachzufragen… und ich freue mich, dass ich nachgefragt habe.

Eine Kutschfahrt, die ist lustig

Ich habe einige Tage später eine Kutschfahrt gemacht, (Treffpunkt Pariser Platz) mit Hund und den Kindern einer Freundin. Alle waren begeistert. Die Pferde müssen nicht stundenlang ohne Pause arbeiten. Frisches Wasser wird ständig bereitgestellt. Die Pferdeäpfel werden direkt in einem Sack aufgefangen, also auch kein Dreck mehr auf den Straßen.

Ich habe ein paar wirklich liebe Menschen kennengelernt, mich davon überzeugt, dass die Pferde liebevoll gehalten werden, sogar eine große Koppel haben, auf der sie sich austoben können. Keines der Tiere ist trotz einer gesunden Wachsamkeit nervös oder muss ausgetrickst werden, wie zum Beispiel mit lärmdämmenden Schwämmen in den Ohren, wie ich es schon auf Rennbahnen erlebt habe. Und ich habe schon Hunde kennengelernt, die weniger Auslauf haben, als meine neuen Fellfreunde.

So. Und nun gucke ich nochmal nach meinem Taschengeld. Ich glaube, ich habe mich wahnsinnig in diese weiße Feenstute Lara verliebt …

Foto Galerie


Quelle: QIEZ / externe Quelle

Pferdeäpfel in Tegel, Berliner Str. 41, 13507 Berlin
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