Alles eine Frage der Zeit

Wie ich Weißensee lieben lernte

Wie ich Weißensee lieben lernte
Das ist einer der schönen Sonnenaufgänge.
Unsere Mitarbeiterin Laura Balthasar wohnt seit wenigen Monaten in dem Berliner Stadtteil und sagt: "Weißensee ist echt cooler als ich erwartet hatte. Auch wenn ich das nur ungern zugebe, aber da hat mein erster Eindruck getäuscht." Warum, das verrät sie hier.

Anfangs dachte ich ja noch „Wo bin ich denn hier gelandet?“. Weißensee, das Unterföhring Berlins. Der langweiligste Stadtteil unter den langweiligsten Vierteln der Welt. Ohne (Kneipen-)Kultur, ohne Leben, ohne junge Menschen. Aber als ich mein Zimmer sah, war ich schon ziemlich begeistert. Als ich dann auch noch feststellte, dass in meinem Haus noch ein paar andere junge Menschen wohnten, steigerte sich meine Freude darüber weiter, dass ich wohl doch nicht im uncoolsten und langweiligsten Viertel der Welt gelandet war. Und als sich dann noch herausstellte, dass mir drei Trambahnlinien in unmittelbarer Nähe zur Verfügung standen, mit denen ich schnell am Alexanderplatz, am Hackeschen Markt und an der Osloer Straße sein konnte, fand ich Weißensee plötzlich wirklich ok.

Beim Erkunden der Gegend bin ich darauf gestoßen, dass es auch noch drei Supermärkte, einen Getränkemarkt und sogar einen dm in fußläufiger Entfernung gab, bei denen man wirklich alles bekommen kann, was man so zum Leben braucht. Von da an war Weißensee plötzlich sogar in gewisser Weise cool, weil sich gezeigt hatte, dass es tatsächlich so etwas wie Zivilisation gab (und immerhin hatte ich ja auch die ganze Zeit Handyempfang).

Frische Luft und trotzdem Hauptstadtcharme

Wer mich jetzt fragt, wo denn mein Lieblingscafé ist, dem muss ich sagen: „Zugegebenermaßen, es ist nicht in Weißensee.“ Aber mein Lieblingsrestaurant, das ist das Restaurant Mirbach in Weißensee. Und der beste Ort zum Entspannen, der ist auch in Weißensee: Der große Sessel im Wohnzimmer. An der frischen Luft entspannen kann man in Weißensee sowieso gut. Im Großen und Ganzen ist dort relativ wenig Verkehr, also ideal zum Fahrrad fahren, auch wenn das Kopfsteinpflaster manchmal etwas nervt.

Und eigentlich ist es ja egal, wo man in Berlin lebt. Man kommt jederzeit in die anderen Stadtviertel und kriegt viel vom pulsierenden Leben Berlins mit. Man isst in den coolen Bars und Restaurants in Kreuzberg, trinkt Kaffee in Prenzlauer Berg oder Mitte und genießt einfach den Charme der Hauptstadt. Ich bin sogar ganz froh, wenn ich abends nach Hause komme und weiß, dass mich allerhöchstens die zu laute Musik der Nachbarn nerven kann. Aber nicht die Geräusche der U-Bahn oder der Besoffene, der vor meinem Fenster laut Lieder grölt.

Und die Sonnenauf- und untergänge, die ich von meinem Fenster aus sehen konnte, waren absolut spektakulär. Da kann ich mich wirklich nicht beklagen. Unverbaute Sicht, das nächste höhere Haus mindestens 200 Meter entfernt. Wo hat man das sonst noch in Berlin?

Wie ich Weißensee lieben lernte, Berliner Allee, 13086 Berlin
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