Kommentar zur Kooperation von Alba und BVB

Wahre Liebe mal zwei?

Wahre Liebe mal zwei?
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Alba-Aufsichtsrat Axel Schweitzer, gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Alba Group, posieren über den Dächern von Berlin.
Die Basketballer von Alba Berlin kooperieren künftig mit dem Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Es geht um Fitness, Marketing, Internationalisierung und noch einiges mehr. Schriftlich fixiert ist die Zusammenarbeit allerdings nicht – es darf experimentiert werden. Ein sinnvoller Austausch mit Mehrwert für beide oder Marketing-Gag ohne Substanz?

Bei der soeben bekanntgegebenen Kooperation zwischen Alba und dem BVB lief wohl vieles über die persönliche Ebene – jedenfalls wenn man der Verlautbarung von Borussias Geschäftsführer glaubt. „Wir haben uns während unserer zahlreichen Berlin-Besuche in der Vergangenheit kennen und schätzen gelernt. BVB-Spieler und -Mitarbeiter haben Partien von ALBA erleben dürfen, zu Gegenbesuchen ist es bereits gekommen. Wir empfinden große Sympathien füreinander und wünschen uns eine noch engere, nachhaltige und vor allem emotionale Bindung zu Berlin und Brandenburg, wo es schon heute viele BVB-Fans gibt“, erklärt Hans-Joachim Watzke. Alba-Aufsichtsrat Dr. Axel Schweitzer spricht von gemeinsamen sportlichen und moralischen Werten wie Ehrlichkeit, Leidenschaft und Fairplay. Oder ist es einfach ‚wahre Liebe‘ wie beim Marketing-Slogan der Dortmunder?

Tatsache ist: Beide Vereine haben den höchsten Zuschauerschnitt in ihren jeweiligen Ligen. Beide haben auch denselben übermächtigen Gegner: Bayern München. Selbst wenn die Klub-Verantwortlichen betonen, dass die Zusammenarbeit keine Anti-Bayern-Allianz sein soll, steht dahinter doch eine „Gemeinsam sind wir stärker“-Attitüde. Dass diese Kooperation noch nicht bis ins Detail durchdacht ist, macht ihre emotionale Komponente – siehe oben – glaubwürdiger.

Offen für gegenseitige Impulse

Gemeinsames Interesse besteht etwa am asiatischen Markt – hier hat Alba schon länger in China einen Fuß in der Tür. Die Basketballer könnten dafür vom Fußball-Giganten bei Themen wie Merchandising oder Nachwuchsarbeit lernen. Wie genau muss sich allerdings erst zeigen. Doch in einer Hinsicht macht die Kooperation zwischen Albatrossen und Schwarz-Gelben, Basketballern und Fußballern wirklich Sinn: Da die Vereine in unterschiedlichen Sportarten engagiert sind, gibt es keinen Konkurrenzgedanken – dafür sind die Marktmechanismen im Wesentlichen gleich.

Greifbare Resultate der Vereinbarung könnten ein gemeinsamer Fanshop, auf jeden Fall aber gemeinsame Trainingseinheiten sein. Laut BVB-Marketingdirektor Carsten Cramer war Trainer Thomas Tuchel gleich angetan von der Idee.

Wächst jetzt zusammen, was zusammengehört? Oder hätte sich Alba nicht eher mit Hertha BSC oder dem 1. FC Union zusammentun sollen? Abgesehen davon, dass es ja bereits einen gemeinsamen Merchandising-Laden der Berliner Topklubs aus verschiedenen Sportarten gibt, ist die jeweilige Stellung von Alba und BVB deutlich besser vergleichbar. Die Hertha hat bis dahin noch ein Stück Weg vor sich. Ob die Verbindung von Fußball und Basketball öffentlich Früchte trägt, eher im Stillen verläuft oder gar irgendwann heimlich, still und leise wieder begraben wird, muss sich allerdings erst erweisen.

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