Kreuzberg
Diskussion über Berliner Plätze

Kottbusser Tor: Das alte Lied vom Geld

Kottbusser Tor: Das alte Lied vom Geld
Bei der Diskussion um eine Neugestaltung des Kottbusser Tors: Dagmar Gast, Horst Wohlfarth von der Alm, Hans Panhoff.
Kreisverkehr oder Abflachung? Die Verkehrsführung am Kottbusser Tor war das Hauptthema der vom Tagesspiegel veranstalteten Leser- und Podiumsdiskussion im Festsaal Kreuzberg. Eine weniger kurvige Lösung halten die meisten für erstrebenswert. Doch eine trapezförmige Abflachung des Kreisverkehrs sei nicht bezahlbar, sagt die Senatsverwaltung.

Es war reichlich provokant, was die Landschaftsarchitekten vom Büro Gast.Leyser in ihrem Entwurf zum Kottbusser Tor vorschlugen. Der Kreisverkehr solle aufgelöst und die Skalitzer Straße in einem flachen Trapez vorbeigeführt werden. Den Nordteil der Reichenberger Straße und ein Stück der Adalbertstraße würde Gast.Leyser für Autos sperren – und dadurch einen großen Platz auf der Nordseite des ‚Kotti‘ schaffen. „Das ist ein sehr radikaler Ansatz für eine Planung“, sagte Gerd Nowakowski, Leitender Redakteur des Tagesspiegels beim Forum im Festsaal Kreuzberg an der Skalitzer Straße, wo er vor Anwohnern, Politikern und Stadtplanern die Diskussion über den Entwurf der Architekten moderierte.

Doch es wurde bei der Diskussion schnell deutlich, dass der Plan keine Provokation, sondern vielmehr ein Dilemma darstellte. „Die Idee, die Kreisgeometrie aufzuheben, wäre die optimale Lösung für die Unfallproblematik dort. Ich bin ein Fan der Trapezform“, sagte etwa Horst Wohlfarth von Alm von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Bereits 2007 hätten vom Senat beauftragte Experten diese Idee präsentiert. Man habe sie jedoch nicht umgesetzt – wegen der Kosten. Für die nötigen Umbauten an der Entwässerung und das Versetzen der Bordsteine sei schlicht kein Geld vorhanden. Außerdem sei eine Sperrung der Adalbert- und der Reichenberger Straße nicht denkbar, weil dort wichtige Buslinien verkehrten, sagte Wohlfarth von Alm: „Wohin sollen die 10.000 Kraftfahrzeuge, die täglich die Adalbertstraße nutzen?“ Zwar soll noch im Mai die Umgestaltung beginnen – doch dabei geht es ausschließlich um den Unfallschwerpunkt: „Dafür haben wir ein kleines Budget. Alles andere müsste der Bezirk zahlen.“

Kein Geld für die beste Lösung

„Es will mir nicht recht in den Kopf, dass man sich hier für die zweitbeste Lösung entschieden hat, obwohl eine bessere schon 2007 auf der Hand lag“, sagt Gerd Nowakowski. Baustadtrat Hans Panhoff kann dem Entwurf von Gast.Leyser viel abgewinnen: „Seitens des Bezirks besteht Bereitschaft, sich noch einmal an die Planung zu setzen. Mir würde es aber reichen, die Nordkurve abzuflachen. Man müsste dann auf der Südseite mit den Bauarbeiten beginnen.“ Aber: „Der Bezirk hat keinen Euro übrig.“ Ein Anwohner der Adalbertstraße kritisiert, dass man in Berlin bei der Planung von Straßen nur an die Autofahrer denke. Der Gegenentwurf von Gast.Leyser ist in seinem Sinn. Landschaftsarchitektin Dagmar Gast sagt: „Wir wollen die öffentliche Fläche für alle nutzbar machen.“

Adalbert Kurkowski arbeitet in der Filiale der Berliner Bank am Kottbusser Tor. Er schlägt vor, dass Berliner, die sich für das Gemeinwohl engagieren möchten, an den Baukosten beteiligt werden. Und ein Anwohner meint: „Man könnte die Sozialverwaltung miteinbeziehen, weil es auch darum geht, einen sozialen Brennpunkt zu entschärfen.“ Er findet, Wohlfarth von der Alm und Panhoff sollten „nicht vor dem Plan zurückschrecken“.

Festsaal Kreuzberg, Am Flutgraben 2, 12435 Berlin

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