• Donnerstag, 24. Mai 2012
  • von Constanze

Neue Gema-Tarife

Clubs bangen um ihre Existenz

  • Watergate
    Kreuzberger Clubs sind beliebt: Wartende auf der Oberbaumbrücke, in der Schlange vor dem Watergate. Foto: dapd - ©Steffi Loos

Das neue Tarifsystem der Gema gefährdet die Clublandschaft Berlins. Deutlich höhere Ticketpreise drohen. Eine Initiative will sich für die Interessen der Veranstalter einsetzen.

Das Berliner Nachtleben ist weit über die Grenzen Deutschlands hinweg berühmt. Doch Preissteigerungen könnten ab 2013 zu einem deutlichen Attraktivitätsverlust führen. Ab dem nächsten Jahr gelten nämlich die neuen Tarife der Gema und diese drohen mit erhöhten Gebühren, die Existenz zahlreicher Berliner Clubs zu gefährden.

Die Betroffenen trafen sich in dieser Woche in Mitte, um über die Folgen der Preispolitik zu beraten. Neben verschiedenen Clubbetreibern und Veranstaltern gehören auch der Hotel- und Gaststättenverband und die Clubcommission zu den Kritikern. Sie haben sich in der "Initiative Gema 2013" zusammengeschlossen und beriefen nun im KitKat-Club ein Diskussionsforum ein.

Preissteigerungen um 1000 und mehr Prozent

Wie sehr die Preissteigerungen die Veranstaltungsorte in Berlin tatsächlich belasten werden, macht Olaf Möller, Chef der Clubcommission klar. Der Kreuzberger Club Matrix müsste jährliche Zahlungen in Höhe von 208.000 Euro leisten. Bisher lag der Betrag bei 28.000 Euro. Festivals wie das "Nation of Godwana" nördlich von Berlin oder rund um die Uhr geöffnete Musikkneipen sollen sogar 1500 bis 2865 prozentige Gebührenerhöhungen verkraften. Denn jede zusätzliche Stunde Musik erhöht den Tarif.

"Die Clublandschaft wird sich minimieren“, sagt Möller voraus. Wo belastete Clubs wegen laufender Mietverträge nicht sofort aufgeben könnten, würden die Gäste die Gema-Gebühren zu spüren bekommen. Eintritts- und Getränkepreise könnten deutlich steigen.

Die "Initiative Gema 2013" hofft nun auf Hilfe von Seiten der Politik und prüft darüber hinaus, ob der Rechtsweg eingeschlagen werden kann. Außerdem sucht man Unterstützung im Rest des Landes: Zahlreiche Veranstaltungsverbände aus Berlin und dem Bundesgebiet haben sich gestern zur "Live Musik Kommission" zusammengeschlossen. So schnell wie möglich will man sich im Verband mit der Preispolitik der Gema auseinandersetzen.

Clubbetreiber in Aufregung

Kritik wird auch außerhalb der Initiative laut. "Das würde die Branche in den Ruin treiben, das kann doch keiner zahlen“, so Ben de Biel, der Betreiber vom Magdalena, dem ehemaligen Maria am Ostbahnhof. Die jährlichen Gebühren könnten sich für ihn von 15.000 auf 95.000 Euro erhöhen. Da er nicht nur Clubchef, sondern auch Sprecher der Berliner Piratenfraktion ist, kritisiert er die Gema vor allem für ihre fehlende Reaktion auf die Innovationen im Netz.

Auch der Betreiber vom Watergate will klagen - obwohl Clubs von den Preissteigerungen nicht so stark betroffen seien wie Diskotheken. Hier würden keine Chart-Erfolge gespielt und auf über die Hälfte der Clubmusik seien nicht von Gebühren belastet, da die Künstler unabhängig von der Gema agieren.

Die Gema sieht sich in Erklärungsnot. Sprecherin Gaby Schlicher betont, dass die Urheber von Musikstücken bisher vergleichsweise wenig Geld von den Clubs und Diskotheken in Deutschland erhalten hätten. Da die Betreiber nicht auf Vorschläge im Sinne einer fairen Bezahlung eingegangen wären, habe man sich zu dem aktuellen Schritt entschlossen. Dabei würde es auch zu einer Vereinfachung des Systems kommen. Die bisher gültigen elf Tarife werden durch zwei ersetzt. Sie trennen die Events mit Livemusik von denen mit Musik von Tonträgern. Konzerte sind allerdings von dieser schlichten Einteilung ausgenommen.

Neue Tarifpolitik

Eine Pauschale für dauerhafte Veranstaltungsorte sind in der neuen Gebührenordnung nicht mehr vorgesehen. Relevant für die Berechnungen sind die Größe des Clubs, die Öffnungsdauer und der Eintrittspreis. Die zehn Prozent, die von den Kassengeldern an die Gema abgetreten werden müssten, würden keine zu große Belastung darstellen. "Davon muss man nicht zumachen“, betont Schilcher. Darüber hinaus würde ein Großteil aller Feiern "günstiger oder zumindest nicht teurer“. Unter die Gewinner der Preispolitik fielen etwa Vereinsfeste oder kleine Partys. Derzeit werden die Pläne der Gema vom Deutschen Patent- und Markenamt geprüft.

Im Gegensatz zu den Beteuerungen der Gema rechnet der Hotel- und Gaststättenverband mit "dramatischen Auswirkungen für das Berliner Gastgewerbe“. Die Anziehungskraft Berlins sei auch seinen musikalischen Events geschuldet. Deshalb müsse man gemeinsam mit dem Bundeskartellamt gegen die Tarife vorgehen. Die Landesregierung sei vom Verband schon zum Handeln aufgefordert worden, doch dort wolle man die Entscheidung der Schiedsstelle im Patent- und Markenamt abwarten.

Noch erhoffe man sich "ein für alle Beteiligten ausgewogenes Ergebnis“, so hieß es aus der Wirtschaftsverwaltung. Man nehme  zwar "die Sorgen vieler Clubbetreiber und Veranstalter ernst“, doch gleichzeitig wolle man einer einfacheren Preispolitik der Gema nicht im Wege stehen. Im Internet hat eine Petition gegen die neuen Tarife bereits über 84.000 Unterstützer.

Mitte

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Quelle: Der Tagesspiegel
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