• Freitag, 03. Mai 2013
  • von Sandra Prophet

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Musical-Star Nadja Petri: Es spukt in Kreuzberg!

  • Nadja Petri
    Die Schauspielerin und Sängerin Nadja Petri in ihrem Kreuzberger Kiez. Foto: QIEZ - ©Sandra Prophet

In Udo Lindenbergs Musical "Hinterm Horizont" spielt die Schauspielerin und Sängerin Nadja Petri die erwachsene Jessy, das Mädchen aus Ostberlin, das einem Journalisten ihre Geschichte erzählt. An einem bitterkalten Frühlingstag sitzt sie im Kreuzberger Bateau Ivre und erzählt QIEZ ihre eigene Berliner Geschichte.

"Anfangs konnte ich Berlin überhaupt nicht leiden. Bevor ich hierher zog, war ich immer nur für kurze Zeit hier, ich fand die Stadt dreckig und die Leute haben überall hingespuckt", erinnert sich Nadja Petri. Harte Worte, die die Schauspielerin über ihre heutige Heimat fand. Damals war das schicke München ihre Stadt. Doch dann kam eine Trennung, eine auswandernde Freundin und für Nadja Petri musste ein Ort her, um irgendwo neu anzufangen. "Du musst ins kalte Wasser springen", war der Rat eines befreundeten Regisseurs. Berlin – das war damals das kälteste Wasser, das sich die heute 36-Jährige vorstellen konnte. Doch die Scheu hielt nicht lang. "Als ich dann ankam, habe ich gemerkt: Das hier ist nicht das kalte Wasser sondern auch ein lauwarmer Fluss, in dem man sich ruhig treiben lassen kann."

Vor elf Jahren landete Nadja Petri also in Kreuzberg und das schon damals angesagte Bateau Ivre wurde zu ihrer ersten Anlaufstelle. "Das Tolle an Berlin ist, dass man immer noch Orte findet, die nostalgisch und unberührt sind. Orte von vor dem Krieg, die die Erinnerung an die Geschichte hochhalten," erzählt sie. Das alte Bethanien ist so ein Ort für den Musical-Star, vor allem das Restaurant 3 Schwestern. "Ich habe gehört, dass es in dem Haus spukt", verrät Petri. Die Schauspielerin mag unheimliche Plätze, doch mit dem Ort verbindet sie noch etwas anderes. "Das wäre der perfekte Ort für eine Hochzeit", findet sie. "Mit einer Küche, einer Bühne und einem Garten, mitten in der Stadt."

Hochzeit in Las Vegas

Geheiratet hat sie schon. Hals über Kopf, in Las Vegas. Ihren Freund hatte Nadja Petri im letzten März kennengelernt, im Mai haben die beiden geheiratet. "Trotzdem wollte ich es ganz spießig", erzählt Nadja Petri. "Wir hatten keine Gäste, nur wir zwei und ein französischer Standesbeamter, der die Trauung irgendwie auf Deutsch vollzogen hat." Nach der Zeremonie spazierten die beiden von Downtown Vegas runter zum Strip. Autofahrer fuhren hupend vorbei. "Die Leute auf der Straße, das waren dann unsere Gäste. Mein Kleid ist immer noch dreckig", sagt sie. "Aber ich wollte den Straßendreck aus Vegas noch nicht abwaschen."

Zurück nach Berlin: Wer mit Nadja Petri in der Stadt spazieren geht, der erlebt den einzigartigen Flair alter Orte, an denen sich Geschichten und Geschichte verweben. Es geht ins historische Berlin, ins Nikolaiviertel, zu einem Rest der alten Berliner Stadtmauer nahe der Klosterstraße. Die riesige, unüberschaubare Stadt – hier wirkt sie ganz dörflich und erinnert ein wenig an die vorkriegszeitliche Fischerinsel weiter südlich, deren alter Häuserbestand inzwischen ganz verschwunden ist. In der Letzten Instanz, der ältesten Kneipe in Berlin nahe der Klosterstraße, wird Einkehr gehalten.

Alte Kirchen ziehen sie an, sagt sie, und vor allem die dazugehörigen Pfarrhäuser. Aber auch die Gegend rund um den Urbanhafen in Kreuzberg. "Da ist es auch gruselig", verrät Nadja Petri. "Der Landwehrkanal wird dort sehr schmal und ist umsäumt von großen, alten Bäumen, so dass es hier ganz schön düster sein kann."  Manchmal machen sie dort eine Gummiboottour, erzählt Petri, ankern am Urbanhafen, essen Kartoffelsalat und trinken Bier. "Ich hab jedenfalls schon viele Paddel im Landwehrkanal verloren", lacht die Schauspielerin.

Kreuzberg im Wandel

Dass sich ihr Kreuzberg so verändert, macht ihr Sorgen. Auch Nadja Petris Haus wird jetzt saniert, die Mieter sollen raus oder später die doppelte Miete zahlen. "Die Eigentümer fahren eine Zermürbungstaktik", erzählt Petri, "die ganze Gegend hier wird irgendwie ausgeräuchert. Das ist nicht so lustig, wenn man alle zwei Wochen beim Mieterschutzbund sitzt." Wo sie Kreuzberg in zehn Jahren sieht? "Ich wünsche mir, dass es so bleibt, aber ich befürchte, dass es hier so wird wie in Prenzlauer Berg", sagt sie. "Früher war Kreuzberg voll von Leuten, die wirklich um ihre Existenz kämpfen mussten, das hat den Bezirk geprägt. Die neuen Kreuzberger, das sind vor allem junge Leute, denen die Eltern die Wohnung kaufen."

Von der Regierung fordert die Künstlerin viel mehr Engagement. Mietobergrenzen zum Beispiel, oder die Subventionierung von Wohnraum. "Dann würde das anders laufen," ist sie sich sicher. "Ich freue mich aber darüber, dass das Engagement für Wohnraum die Menschen hier zusammenschweißt, dass türkische und deutsche Familien zusammen kämpfen und demonstrieren."

Lesen Sie nächste Woche in unserer Reihe "Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez": Verena Wriedt



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Quelle: QIEZ
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