• Samstag, 24. Oktober 2015
  • von Maria Kufeld

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

Mit Bernd Maier hinter den Kulissen der Markthalle Neun

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  • Bernd Maier Markthalle Neun
    Verstehen sich blendend: Bäcker Alfredo Sironi und Markthalle-Neun-Gründer Bernd Maier. Für mehr Bilder unserer Tour klick dich durch die Galerie. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Tochter Bernd Maier Markthalle Neun
    Ein schöner Ort für die ganze Familie. Bevor wir unsere Hallentour starten, gibt es für Bernd noch eine feste Umarmung von seiner Tochter. Die Jacke kann man leider nicht kaufen. Sie war ein Geschenk. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Japaner Markthalle Neun Food
    Neu in der Halle und super spannend findet Bernd den japanischen Stand mit asiatischem Gebäck. Uns gefällt vor allem ihre Brille. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Sironi Markthalle Neun Bernd Maier
    Schon länger dabei und stadtbekannt ist die Bäckerei Sironi. Heute gibt es Bernd's Lieblingssnack: "Focaccia di Recco", eine dünne Teig-Spezialität mit jeder Menge Frischkäse. Molto bene! Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Käsestand Markthalle Neun
    (Fast) alles Käse am spanischen Stand. Sämtliche Laiber kommen aus dem Süden. Bei der Wurst verzichten die Produzenten auf Nitrat. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Tortenmanufaktur Markthalle Neun Frau Zeller
    Und immer noch können wir uns nicht satt sehen. Hier zeigt mir Bernd die Auslage der Tortenmanufaktur von Frau Zeller. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Briefkasten Markthalle Neun
    Bis jetzt stehen Kumpel und Keule nur am Briefkasten. Aber schon im November öffnet die erste Metzgerei von Fleischer Jörg Förstera und dem "Wurstsack" Hendrik Haase. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Büro Markthalle Neun
    Im Büro erzählt uns Bernd etwas über die Geschichte der 120 Jahre alten Halle. Im Grundriss kann man die kleinteilige Struktur von damals für rund 200 Stände noch gut erkennen. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Tür zum Dach
    Die Hausmeister müssen der Halle mehrmals die Woche aufs Dach steigen, um Regenrinnen vom Laub zu befreien und die Schornsteine zu checken. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Dach Markthalle Neun
    Kurze Verschnaufpause auf dem Dach, von dem man einen einmaligen Blick runter in die Halle hat… Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Markthalle Neun Dach Decke
    Eine ganz neue Perspektive erschließt sich durch die alten Fenster. Von oben ist die Konstruktion aus Glas, Säulen und Metall nicht minder imposant. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Kik
    Der Textildiscounter Kik nimmt rund ein Viertel der Hallenfläche ein, die die Betreiber dringend brauchen könnten. Der Mietvertrag läuft aber noch bis 2020. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Dach Markthalle Neun
    Als Bernd noch die Meierei gehörte, ein alpenländisches Feinkostgeschäft im Prenzlauer Berg, hat er von der Markthalle nur geträumt. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Markthalle Neun Keller
    "Hey Ho Let's go" steht an der Tür, deren Zahlen früher angezeigt haben, zu welchem Stand der Keller gehört hat. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Markthalle Neun Keller
    In den Katakomben befinden sich außer den Lagern der Händler, Kühlhäuser, ein Müllraum und die Brauererei des Heidepeters. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno
  • Bernd Maier Markthalle Neun
    Trotz fünf Anrufen während unseres Interviews bleibt Bernd bis zum Schluss gut gelaunt. "Ich bin ein freundlicher Mensch", sagt der Bayer über sich. Ist er wirklich! Danke für den tollen Termin. Foto: QIEZ - ©Ralph Penno

Wrangelkiez - Vier Jahre jung ist sie jetzt, die Markthalle Neun. Drei Männer küssten die heruntergekommene Halle für 1,15 Millionen Euro wach und etablieren sie seitdem als angesagten Treffpunkt im Kiez. Wir haben mit Gründer Bernd Maier hinter die Kulissen geschaut. Eine Tour de Food der ganz besonderen Art.

Liebe und Leidenschaft für Lebensmittel haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist: Chef der Markthalle Neun. Seit vier Jahren bespielen Bernd Maier und seine zwei Partner die 3000 Quadratmeter große Halle. Drei Tage Wochenmarkt und regelmäßige Special Events haben das kulinarische Konzept bekannt und bei den Berlinern beliebt gemacht. "Wir wollen der Lebensmittelpunkt in Berlin werden", nennt er das ambitionierte Ziel, dem sie Stück für Stück näher kommen.

Einige kleine Läden sind in der Halle fest installiert, das Café und die Kantine betreibt das Team selbst. Ansonsten macht es die Mischung der Marktstände, die Anwohner wie Touristen magisch anziehen. Also schwimmen sie nach vier erfolgreichen Jahren bereits im Geld? Weit gefehlt räumt Bernd ein. "Die Leute denken an den Street Food Thursday und glauben, das läuft hier jeden Tag so ab." Dabei sei der Donnerstagabend, an dem 40 kleine bis mittelgroße Stände um die Wette kochen und damit Massen anziehen, noch die Ausnahme.

Über den Tellerrand kochen

Tatsächlich geht es am Freitagmittag, als wir ihn besuchen, deutlich ruhiger zu. Und genau das sei problematisch für die Händler. "Das muss noch mehr wie auf einem klassischen Markt ablaufen. Hohe Frequenz mit entsprechendem Abverkauf", erzählt uns der 47-Jährige beim Mittagessen. Aktuell bespielen Flüchtlinge vom Projekt Über den Tellerrand kochen die Kantine und bereiten Gerichte aus ihrer syrischen und ägyptischen Heimat zu. Wir nehmen das Zitronenhuhn mit Kirschschorle. Wobei Bernd beim vielen Erzählen kaum zum Essen kommt. Lieber spricht er von seinem "Herzprojekt", sagt Sätze wie: "Wir wollen jeden mit dem Nachhaltigkeitsgedanken zusammenbringen" oder "Den Vorwurf, das wir im Bezirk der soziale Gentrifizierungsmotor wären, finde ich schlimm."

 

Viel mehr ginge es ihnen um Integration. Leute mit verschiedenem Budget sollen hier fündig werden. Oder warum sind Kik und Aldi noch unter demselben Dach? "Ich freue mich, wenn ich sehe, dass eine ältere Dame nach ihrem Einkauf im Discounter noch bei Frau Zeller ein Stück Wolkentorte mit nach Hause nimmt." Dass sie da neben dem Foodhipster in der Schlange steht, kann doch nicht verkehrt sein. Dachte sich auch der Bezirk, als er Maier und seinen Freunden am Ende den Zuschlag gab.

Dabei sah es vor vier Jahren anfangs noch gar nicht gut aus für das Dreiergespann. Bei einem Bestpreis-Wettbewerb hatte eine große Supermarktkette schon den Zuschlag erhalten, als die Anwohner erfolgreich dagegen protestieren – und Maier seine zweite Chance bekam. Als nicht mehr nur die Höhe des Gebotes ausschlaggebend war, sondern auch ein überzeugendes Konzept gefragt, gingen sie bei 24! Banken Klinken putzen, bis sie den Kredit bekamen und für die Halle mitbieten konnten.

Neues Wunschprojekt "Werkhof Neun"

Heute besteht ihr Team aus 200 Mitarbeitern, zu denen auch vier Hausmeister und eine Auszubildende gehören. Mit der Markthalle Arbeitsplätze schaffen, auch das ist nachhaltig. Da sie allerdings räumlich langsam an ihre Kapazitäten stoßen, schwebt den Gründern eine zweite Location vor. Ein alter Getreidespeicher an der Spree wäre ihr Lieblingsobjekt. "Der Bedarf an innerstädtischem Produktionsraum ist groß", sagt er und würde sich über die Mischung aus Gewerbe und Wohnen mitten in Kreuzberg freuen.

Wie groß die Nachfrage an Regionalem ist, wie zum Beispiel dem Brot des italienischen Bäckers Sironi, testet die Markthalle schon Ende 2015. Noch bevor der Werkhof Neun Wirklichkeit wird, wollen sie sämtliche Waren der Händler berlinweit via Onlineshop vertreiben. "Gute Produkte, kurze Wege und Transparenz sind unsere Vorteile gegenüber anonymen Lebensmittelbuden", sagt Maier. Und hat ihre Philosophie einmal mehr auf den Punkt gebracht. Bleibt uns eigentlich nur, dafür viel Glück zu wünschen und sich auf die nächsten vier Jahre zu freuen.

Hungrig geworden? Dann kannst du entweder Montag bis Samstag die Kantine und das Café besuchen. Oder Dienstag den kleinen Markt, und Freitag und Samstag den großen besuchen. Special Events wie der Naschmarkt, Bier & Wurst oder Cheese Berlin werden auf der Markthalle Neun-Website und Facebook angekündigt.

Markthalle Neun

Eisenbahnstr. 42
10997 Berlin

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Quelle: QIEZ
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