• Montag, 23. Juli 2012

Englische Küche in Berlin

God save Brit Food

  • Fish ’n’ Chips
    Fish ’n’ Chips: Eine Köstlichkeit der britischen Küche, aber nicht die einzige ... Foto: istockphoto.com - ©Greg Nicholas

Die englische Küche hat mehr zu bieten als Fish ’n’ Chips, Haferschleim und Lamm mit Minzsauce. Fans britischer Spezialitäten können in Berlin inzwischen ohne Probleme ihrer Leidenschaft frönen. Durch die erhöhte Aufmerksamkeit für Großbritannien wegen der Olympischen Spiele in London könnten es dieser Tage noch einige Anhänger mehr werden.

Es duftet ganz wunderbar, nach einer Mischung aus Schokolade, Tee und Seife. Unter den Füßen knarren die Dielen des urigen Geschäfts Broken English in der Leonhardtstraße. Die aus Sheffield kommende Inhaberin Dale Carr führt drei Läden dieser Art in Berlin. "Ich wollte eigentlich nur einen Geschenkeladen machen", erzählt sie, "aber kaum hatte ich den eröffnet, fragten die Leute nach Senfpulver, Baked Beans - und sogar nach Marmite!“ Dank Broken English müssen die über 14.000 von der Insel Stammenden in ihrer deutschen Wahlheimat nichts missen.

Für den britisch geneigten Feinschmecker gibt es in der Stadt diverse kulinarische Anlaufpunkte. Und es werden immer mehr. Im Broken English türmen sich etwa Teetassen jeglicher Form und Farbe, englisches Bier, klassische Krawatten und bunte Postkarten. Auch im Sortiment: eine gigantische Chipstüte, die 26 kleinere Päckchen beinhaltet und 10,50 Euro kostet.

1979 kam Carr an die Spree und war für die britische Armee tätig. 17 Jahre später ging sie dann mit Broken English in die Selbständigkeit. Ihre Heimat vermisst die 59-Jährige fast gar nicht mehr - höchstens wenn es ums Essen geht. Carr schmunzelt. Eisbein und Sauerkraut - so etwas könne sie einfach nicht nachvollziehen. Ihr würde eine ordentliche Portion Fish’n’Chips schon reichen. "Aber bitte mit Essig!"

Kuchenparadies Hudson‘s

Essig, Minzsauce, fettiges Frühstück - das assoziiert man mit der englischen Küche. Der Londoner Jim Hudson nimmt die Essgewohnheiten seiner Landsmänner jedoch in Schutz: "Viele Vorurteile sind einfach nicht mehr zeitgemäß", in den vergangenen Jahren habe in England eine "food explosion" rund um den Starkoch Jamie Oliver eine vorzügliche Antwort auf globalisierte Esskultur gegeben. Hudson selbst will die Schokoladenseite der britischen Küche zeigen: Zusammen mit seiner Frau ist der gelernte Bauingenieur Inhaber der Backstube Hudson’s. An der Kreuzberger Boppstraße winken Scones zur Teatime am Nachmittag, Kekse und Kuchen als süße Verlockung.

Als die Hudsons 2009 mit dem Wohnmobil nach Berlin kamen, wollten sie eigentlich nur Ferien machen. Aber die Hudsons blieben, ihnen gefiel das im Vergleich zu London zwanglosere Leben in Berlin. Für eine Party steuerten sie dann die Torten bei - und bekamen von den begeisterten Gästen gleich neue Aufträge. "Irgendwann mussten wir dann das Hobby zum Beruf machen", blickt Hudson auf die Anfänge zurück. Inzwischen gibt es auch englisches Frühstück und Sandwiches, im Hudson´s arbeiten mehrere Angestellte und wer hier Sonntagmorgen frühstücken möchte, sollte lieber einen Tisch reservieren.

Eine Herausforderung im modernen Gewand: East London

Dieser Erfolg legt nahe: Englisches Essen in Berlin kommt zunehmend in Mode. Ein weiterer Hinweis dafür ist das Restaurant East London am Mehringdamm, welches die Deutsche Nadine Sauerzapfe 2011 eröffnet hat. Die 31-Jährige ist in der Welt herumgereist und hat einige Zeit in England gelebt. "Dann fiel mir auf, dass man in Berlin einfach alles bekommt - außer britisches Essen." Sie habe Freude an der Herausforderung gehabt, so Sauerzapfe. Ein Restaurant, das die mit Vorurteilen behaftete britische Küche präsentiere, errege nun mal Aufmerksamkeit. Das Interior ist im Vergleich zum Retro-Charme bei Hudson’s und Broken English modern und puristisch. An langen Community-Tables lässt sich die zu gleichen Teilen deutsch-englisch gemischte Kundschaft Fish’n’Chips, englisches Frühstück und Beefburger munden. Die Besitzerin ist mit ihrem Restaurant erfolgreich und blickt optimistisch für die Zukunft. Die Olympischen Spiele können beginnen!

Weitere Artikel zum Thema:

East London liegt in Kreuzberg

Adresse

Mehringdamm 33
10961 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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