• Dienstag, 10. Januar 2012

Restaurant in Berlin-Kreuzberg

Klassische Küche, neuer Ehrgeiz

  • E.T.A Hoffmann
    Foto: Zitty - ©Britney Anne Majure

In diesem Kreuzberger Restaurant passiert wieder etwas. Ein junges Team um den erfahrenen Küchenchef Thomas Kurt sorgt für frischen Wind.

Ich war schon ewig nicht mehr im E.T.A.Hoffmann. Beim letzten Mal war mein Eindruck durchwachsen, alles wirkte ein wenig ausgereizt und zum Stillstand gekommen. Es kam in meine Schublade der Restaurants, die angesichts fehlender Weiterentwicklung einen Besuch wirklich nicht mehr erfordern. Doch in dem Restaurant in Kreuzberg hat sich frischer Ehrgeiz breitgemacht: bei den "Berliner Meisterköchen“ 2011 wurde der junge E.T.A.-Sommelier Robert Wiese ausgezeichnet.

Grund genug für einen erneuten Versuch. Ich war nicht der Einzige, der so dachte - das recht große Restaurant war voll bis zum letzten Tisch. So viele Gäste gab es auch zu Zeiten von Tim Raue nicht, dessen Karriere hier in Fahrt gekommen war. Die Begrüßung durch den Service war aufmerksam und freundlich, im Unterschied zu manch früherem Besuch. Für die Küche ist nach wie vor Patron Thomas Kurt verantwortlich. Auf dessen Kärtchen steht "Cuisine classique“ – modischen oder experimentellen Ehrgeiz braucht man von dem Badener nicht zu erwarten. Sein kulinarischer Horizont erstreckt sich von Süddeutschland über Frankreich nach Italien, seine Mission ist der Geschmack. Kreativität oder gar der Griff nach den Sternen treiben Kurt nicht an. Geschmeckt hat es und die Preise sind dafür mehr als angemessen.

Sie haben in der Küche wirklich rotiert an diesem Abend. Der Chef hatte außer Haus zu tun, dennoch lief alles in geordneten Bahnen und mit passendem Timing, ein gutes Zeichen. Zu Beginn kommt ein Stück Räucheraal im Schwarzbrot mit Kräuterrührei, das macht Appetit und leichte Sorgen, es könnte so mächtig weitergehen. Doch die sind unbegründet.

Harmonisch komponiert

Das "Terzetto“ von der Ente ist eher ein Quartetto plus, gebratene Leber, ein Stück Terrine, geräucherte Brustscheiben mit Selleriesalat, ein Stück gebratene Brust mit knuspriger Haut, dazu ein paar (etwas harte) Schwarzwurzelscheiben mit Aprikosen – eine gute Komposition, die den stilistischen Rahmen verdeutlicht. Steckrübencreme mit gebackener Blutwurst, sehr gut, Piccata vom Seeteufel mit Basilikumrisotto und Paprikaschaum, ein passender Zwischengang, die Würzung bleibt stets vorsichtig, die Salzmenge an der unteren Grenze. Kabeljau auf Rahmgrünkohl, Zander auf Rahmsauerkraut mit Kartoffel-Schnittlauchpüree. Kleine Zwischengerichte, die schmecken, aber nicht überraschen.

Etwas kreativer kommen die Hauptgänge daher. Geschmorte Kalbsschulter mit Estragon- Kohlrabi und Selleriepüree, bodenständig, aber geschmacklich sehr gelungen, nur dem kleinen Stück Kalbsbriesstrudel fehlt es an Würze. Zum Lammrücken gehören verschiedene gemischte Bohnen, die gebackene Lammzunge setzt eine gelungene Pointe (Menüs 39-55 Euro, vegetarisch 29/36 Euro, auch à la carte). Die Desserts können das Niveau halten, etwa eine gut gelungene Feigentarte mit Schokomousse und das leider bittermandlig getunete Pistazieneis. Diese Sorte gibt es bei "Vanille & Marille“ gleich um die Ecke authentischer und besser.

Der ausgezeichnete Sommelier Wiese findet zu diesen harmonisch abgestimmten Gängen problemlos die passenden Weine. Sein Fundus umfasst vor allem deutsche und französische Abfüllungen, ergänzt um Italien, Österreich, Spanien – im Weinkeller spiegelt sich also die Küche wider. Preislich ist man schon ab 20 Euro dabei, da gibt es nichts auszusetzen.

Zu empfehlen? Auf jeden Fall. Wer den kulinarischen Rahmen kennt und mit dem leicht gewöhnungsbedürftigen, hohen Raum nicht fremdelt, wird sich hier wohlfühlen. Am Ende bleibt der Eindruck, freundlich, professionell und fair bewirtet worden zu sein.

Kreuzberg

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Quelle: Der Tagesspiegel
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