• Dienstag, 10. Januar 2012

Britisches Essen

East London liegt in Kreuzberg

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  • East London
    Foto: QIEZ - ©QIEZ
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Seit 2011 gibt es ein kulinarisches Refugium für Britannien-Fans, dessen Betreiber traditionelle englische Rezepte mit modernen Anleihen verbinden.

Von außen sieht "East London“ wie ein typisch-traditioneller britischer Kaufmannsladen aus, in dem man auch eine Kleinigkeit essen kann. Erst im Innenraum fällt einem nach einer Weile auf, mit wie viel Liebe zum Detail das Restaurant gestaltet ist. Die Ladentheke glänzt weiß und ist fein gearbeitet. In einer Vitrine in Fensternähe stehen lauter Mitbringsel für Anglophile: Marmeladen, Chips und natürlich Cadbury-Schokolade. Im hinteren Raum stößt man auf eine kleine Bibliothek mit gebrauchten englischen Büchern, die man in zwei gemütlichen Sitzecken lesen kann. Dazwischen die offene Küche, in der die gut gelaunte Köchin werkelt, und eine hohe Tafel mit Barstühlen.

Auf den kleinen Esstischen stehen Würzmittel wie Ketchup, Marmite, Malt Vinegar, also eigentlich alles, was man aus englischen Pubs kennt. Die Luft riecht ebenfalls leicht nach Ketchup und Fritten-Fett. "God save Brit Food“ steht als Motto an der Theke, hinter der der junge Chef persönlich steht. Die Weine kommen aus den früheren Kolonien. Die Frage nach der genauen Herkunft überrascht den Gastgeber. Naja, es wird schon auf der Flasche stehen. In der Tat, der "Saam Mountain Sauvignon Blanc 2010“, der als Hauswein offeriert wird, kommt aus Südafrika. Das Glas kostet 4,90 Euro. Die Flasche würde er uns für 19 Euro überlassen, raunt er verschwörerisch. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann, da die "Bellende Eule“ und andere Flaschenweine zwischen 25 und 31 Euro kosten. Als Alternativen kommen unter anderem Pimm’s oder Newcastle Brown Ale in Frage (0,455l = 4,50 Euro).

Beinahe wie im Pub

Die vegetarische Blue Cheese Tarte mit Blätterteig, Spinat und karamelisierten Zwiebeln überzeugt als Vorspeise (3,50 Euro). In der kleinen Schüssel Salat ist reichlich Rucola enthalten, der seinen Siegeszug auch in Großbritannien angetreten hat, dazu kommen Stilton-Käse, Birnen, Walnüsse und Cherrytomaten sowie frisches, mit Schnittlauchbutter bestrichenes Brot (4 Euro). Die hausgemachten Burger flößten uns aus der Ferne mit dicken Pommes und Rote-Bete-Chutney zu viel Respekt ein. Wir entschieden uns für klassische Pub-Kost. Steak & Ale Pie mit Cheddar-Käse war auch nicht ohne. In der Blätterteigpastete befand sich reichlich Fleisch in dicker Sauce, nicht so zart, um alle Vorurteile gegenüber der britischen Küche zu beseitigen, aber trotzdem mindestens okay. Dazu gab es eine ordentliche Portion Senfpüree (9 Euro).

Ein bisschen neidisch blickten wir zum Nachbartisch, als dort Fish & Chips serviert wurden, die wir als zu naheliegend verworfen hatten. Eine gute Portion Seelachs im Bierteig, die appetitlich aussah (9,50 Euro). Wenn wir schon britisch speisen, dann bitte auch Bangers & Mash, vorsichtshalber in der halben Portion. Also gab es anstelle der zwei süßlichen Cumberland-Würstchen nur eins, und auf Wunsch ergänzte der Patron unsere Würzgarnitur noch um eine neue Packung Senf. Obwohl im Püree schon reichlich Senf enthalten war. Den modernen Einfluss übernahmen die grünen Raukeblätter (4,50 Euro).

Beim Gedanken an "Sticky Toffee Pudding“ meldeten unsere vollen Mägen leider Bedenken an. Der nette Chef empfahl uns mehrmals die Karottentorte aus der Vitrine, die noch zu drei Vierteln vollständig war. Möglicherweise war es ein Fehler, sich für den saisonalen Früchtestreusel zu entscheiden – der wirkte eher vorgefertigt. Er kam in einer kleinen Form mit Apfelstücken und Weintrauben, heiß mit knusprigen Streuseln obendrauf, dazu Vanillesauce (4 Euro).

Manchmal wartet man mit seinem Urteil am besten bis zum nächsten Morgen. Uns zwickte etwas der Magen. Vielleicht lag es auch nur am fehlenden Training mit britischem Essen.

East London (GESCHLOSSEN)

Mehringdamm 33
10961 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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