• Samstag, 02. Juli 2016
  • von Gerlinde Jänicke

Kolumne Gerlindes Geheimtipps

Hier siehst du hübsche Menschen

  • Fräulein Brösel Ausstellung Tata Christiane
    Bei Fräulein Brösel sind schöne Models in bemerkenswerten Kostümen von Tata Christiane zu sehen - gedruckt auf Seide. Foto: QIEZ / externe Quelle - ©Gerlinde Jänicke

SO 36 - Gerlinde Jänicke ist Morgenmoderatorin bei 94,3 rs2. In ihrer Kolumne auf QIEZ.de verrät sie jede Woche exklusiv ihre liebsten Orte, besondere Events und mehr. Diesmal landet sie ganz untypisch bei einer Vernissage in Kreuzberg.

Die Fashion Week ist vorbei, die Mode bleibt. Ich selbst habe nicht eine der Shows besucht, was auch wirklich Verschwendung gewesen wäre, Perlen vor die Sau werfen, im Grunde. Ich habe keinen eigenen Stil, kaufe nicht wirklich gerne Klamotten ein, nur hin und wieder kriege ich einen Rappel und sortiere meine alten Sachen aus, hänge ein paar neue dazu.

Ich bin nicht nur nicht stylish, ich habe auch keinen Kunstverstand. Nicht für einen Cent. Ich sehe Kunst wie ein Kind. Entweder ich finde etwas schön oder eben nicht. Was ich aber sehr schätze: Gute Freunde, einen guten Wein und  eine gemütliche Location mitten in der Stadt. Deshalb nehme ich auch gerne die Einladung zu einer Vernissage zu einer Ausstellung an, in der es um Mode und Accessoires geht. Denn diese findet statt in Fräulein Brösels Schnapserwachen in der Manteuffelstraße in Kreuzberg.

Schöne Fotos, "absinthischer Schwindel"

Ich bin etwas nervös, denn ich fühle mich zu blöd um zu verstehen, was auf der Einladung steht: "Die Bilder zeugen von optischen Effekten und wurden mit langen Belichtungszeiten erstellt. Sie ergreifen den Betrachter visuell und versetzen ihn in einen absinthischen Schwindel. Tata Christianes Kreationen auf menschlicher Haut, an düsteren und gleichzeitig mystischen Schauplätzen, erinnern an einen rituellen Akt". Kann da nicht einfach stehen: "Voll schöne Bilder…"?

Das sind sie tatsächlich. Voll schön. Fotos sehr hübscher Menschen in wunderbaren Kostümen, das Ganze auf Seide gedruckt. Fräulein Brösel kennt die Designerin Tata, deren Kreationen auch Teil der diesjährigen Fashion Week waren, aus ihrem Kiez im Friedrichshain. Sie wurde von ihr angesprochen, ob sie nicht vielleicht Lust hätte, für sie zu modeln ("Fräulein" Stefanie Brösel sieht aus wie eine kleine dunkle Zuckerfee aus einem Tim Burton-Film). Nö, hatte sie nicht. Jahre später trafen sie sich auf einer Modemesse wieder. Und weil das Schnapserwachen gleichzeitig auch eine Galerie ist, die Fräulein Brösel zusammen mit dem Künstler Zascho Petkow betreibt, wurde die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung geboren.

Tata Christiane arbeitet eng mit dem Fotografen Valquire Christopher Veljkovic zusammen. Ihn treffe ich bei einem sensationellen Grünen Veltliner aus Fräulein Brösels Weinsammlung. Chris, so möchte er genannt werden, erzählt ruhig und dennoch mit brennender Leidenschaft von seinen Bildern, von Tata, mit der er seit fünf Jahren zusammenarbeitet. In der Fotoserie, die wir uns jetzt gemeinsam anschauen, hat er nicht mit Blitzanlagen gearbeitet, sondern mit Festlicht. Das ist wohl ungewöhnlich für Modefotografie, lerne ich. Weil Modefotografie vor allem aus der Bewegung entsteht – hier ist alles statisch.

Die Venus ist am schönsten

Die Bilder sehen in ihrer Perfektion teilweise nach Photoshop aus, sind aber komplett unbearbeitet. Besonders liebt er die Serie, die an 13 griechische Gottheiten angelehnt ist. Die Planeten, die eingearbeitet sind in die Werke, sind Originalaufnahmen der NASA. Das Schönste ist natürlich das Bild von der Venus. Ich möchte mir das gerne an die Wand hängen! Ich gehe davon aus, dass ich recht tief in die Tasche greifen müsste dafür. 

Schmuck von Atrops bei Fräulein Brösel (c) Jänicke Schmuck von Atrops bei Fräulein Brösel (c) Jänicke
Die Ausstellung ist sehr klein, aber sehr fein. Einige Einzelstücke aus der Modekollektion von Tata Christiane hängen an der Wand. Viel zu schön, um sie anzuziehen! Es gibt beeindruckenden Aluminiumschmuck von Brigitte und Volker Atrops und Zascho Petkow präsentiert Kommoden; Möbelstücke mit textilen Oberflächen, deren Format durch den jeweiligen Stoff bestimmt wird. Am Feinsten finde ich die "Relics" des Pariser Designers Olivier Panama, der kleine weiß-goldene Keramikkunstwerke ausstellt. Definitiv eine Freude fürs detailverliebte Auge und dabei durchaus bezahlbar.

Aber wenn ich ganz ehrlich bin, gibt es eine Sache, die mir wirklich am besten gefallen hat. Ein Gläschen von Frau Brösels neuester Schnapskreation, Mandelgeist. Definitiv auch ein kleines Kunstwerk. Und auch wenn ich nie ein großer Mode- und Kunstkenner sein werde, es ist schön, einen Hauch der Coolness der Berliner Szene zu atmen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. Juli.

Fräulein Brösels Schnapserwachen

Friedelstraße 28
12047 Berlin

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Quelle: QIEZ / externe Quelle
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