• Donnerstag, 13. April 2017
  • von Yuki Schubert

Fotos von Straßenkids

Verloren in Berlin und Bukarest

  • Ein auf der Straße lebender Junge balanciert auf einem Gerüst.
    Nico ist 19 Jahre alt. Er war Chrystal Meth abhängig. Nach 14 Monaten auf den Straßen von Berlin konnte er mithilfe seines Betreuers seine erste eigene Wohnung bekommen. Foto: externe Quelle - ©Fara Phoebe Zetzsche, Berlin, 2014

Bahnhof Zoo, die U-Bahn oder ein Hausflur: Kein richtiges Zuhause haben circa 2000 Jugendliche in Berlin. Eine ins Mark gehende Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus zeigt noch bis 21. Mai seltene Einblicke in den Alltag von Straßenkids in Berlin und Bukarest.

"Nico, Paula, Kevin und Ole haben mir ihr Berlin gezeigt, mich in ihre Welt genommen und ich lernte, dass sich ihre Wünsche und Sehnsüchte gar nicht sehr von meinen unterscheiden." Mit diesem Zitat von der Bildredakteurin Fara Phoebe Zetzsche beginnt die Fotoreise in eine Großstadt, die ohne Dach über dem Kopf oft nur kühl und bedrückend wirkt. Doch das ist die Realität von so vielen jungen Menschen, die vor Problemen mit ihren Eltern weglaufen und die Anonymität von Berlin suchen, um ihr vermeintliches Glück zu finden.

Paula: "Ich habe Freiheit und ein besseres Leben gesucht". ©Fara Phoebe Zetzsche, Berlin, 2014 Paula: "Ich habe Freiheit und ein besseres Leben gesucht". ©Fara Phoebe Zetzsche, Berlin, 2014

Die Fotografin Zetzsche hält zwiespältige Momente fest: Denn auf den ersten Blick wirkt Nico (19) vergnügt, als er in sein Spiegelbild schaut. Er malt sich auf einen Verband über seinem Auge ein Weiteres auf. Wer die Bildunterschrift liest, weiß aber, dass er zuvor geschlagen wurde. Auch sehen Paula (18) und Kevin (19) beinahe friedlich aus, als sie auf einer Bank einnicken, um sie herum der Trubel des Berliner Hauptbahnhofs. Dazu erhält man als Zuschauer folgendes Zitat von Paula: "Die Gesellschaft sieht uns meistens eher als 'Abschaum', die meisten halten nicht viel von uns, denken, wir haben nur keinen Bock zu arbeiten und verstehen nicht, warum man auf der Straße ist und warum man sich für so einen Weg entscheidet." Dadurch pocht ihre Einsamkeit und Ausgeschlossenheit aus der Gesellschaft noch mal nach, nur durch ein Foto.

Die Regeln der Straße

Zetzsches Bilder sind in Schwarz-Weiß gehalten. Unaufgeregt und wie eine kaum sichtbare Begleiterin hält sie die Tage der vier Jugendlichen fest. Die sind geprägt von Hunger, der Suche nach einem Schlafplatz, dem Bedürfnis sich auch mal waschen zu können sowie Alkohol- und Drogenabhängigkeit, Kriminalität und Begegnungen mit der Polizei. Immer wieder wird aber ein Lichtblick deutlich: die Gemeinschaft. "Eine Regel auf der Straße. Einer für alle, alle für einen", wird Ole zitiert (21).

Genau dieses Bedürfnis zeigen auch die Bilder vom jungen Fotografen Massimo Branca und seinem Freund Igor Marchesan. Sie besuchten immer wieder Heizungstunnel unter dem Hauptbahnhof von Bukarest, wo viele Obdachlose bis 2015 eine Bleibe fanden. Dabei portraitierte er die junge Catalina, die nur 18 Jahre alt wurde. Die Lebenserwartung ist durch Drogenabhängigkeit und Krankheiten wie HIV sehr niedrig, wie man lesen kann, bevor die Bilderserie beginnt.

Bitte kein Mitleid

 "Ich möchte es dem Publikum ermöglichen, sich vorzustellen, wie das unterirdische Leben ist, ohne dass ihre Augen durch Mitleid, Urteil oder Angst getrübt werden", so Branca. Tatsächlich wirken viele Szenen sehr familiär. Es wird zusammen gekocht, kleine Sträucher werden zur Verschönerung gepflanzt oder im Park gespielt und Catalina schreibt in einem Buch ihre Gedanken auf.

Catalina mochte es zu schreiben. © Massimo Branca, Catalina starb mit 18, Bukarest, 2014 Catalina mochte es zu schreiben. © Massimo Branca, Catalina starb mit 18, Bukarest, 2014

Das brauchen wir alle – einen Ort an dem wir einfach sein können und genau deshalb ist die Fotoausstellung Verloren in Berlin und Bukarest nichts, wo man schnell mal durchstöbert. Das, was man sieht, hält einen fest.

Du möchtest die beeindruckenden Bilder auch noch sehen, dann hast du noch bis zum 21. Mai Zeit. Die Ausstellung ist kostenlos, du brauchst lediglich deinen Ausweis. Über die Feiertage kannst du inklusive Ostermontag von 12 bis 18 Uhr vorbeischauen. Achtung: Karfreitag ist geschlossen. Mehr Infos findest du hier auf der Website des Willy-Brandt-Hauses.

Willy-Brandt-Haus

Wilhelmstr. 140
10963 Berlin

Zum Eintrag

Entdecke deinen Kiez mit unserer Karte! aufklappen

 
Quelle: QIEZ
Möchten Sie einen Beitrag schreiben oder eine Bewertung vornehmen?
Weitere Artikel zum Thema "Kultur & Events"

Ausstellungen

Juergen Teller: Der Wald, Mama und Kim Kardashian

Juergen Teller: Der Wald, Mama und Kim Kardashian

Kanye West, Kim Kardashian, Vivian Westwood und Kurt Cobain: Die Liste … mehr Kreuzberg

TOP-LISTEN

10 heiße Tipps für einen tollen 1. Mai

10 heiße Tipps für einen tollen 1. Mai

Alle Jahre wieder… geht es in Kreuzberg rund. Aber wer keine Lust hat auf … mehr Berlin

Gewinnspiele

2 x 2 Tickets für Alice Francis

2 x 2 Tickets für Alice Francis

Mit einer Mischung aus Swing, Pop, Hip Hop und Jazz geht das Trio rund um … mehr Kreuzberg

Gewinnspiele

2 x 2 Tickets für Good Bye Lenin Live-Kino-Event

2 x 2 Tickets für Good Bye Lenin Live-Kino-Event

Für ein paar Tage im Mai lebt an einem noch geheimen Ort die DDR weiter … mehr Friedrichshain

Kultur & Events

Bei diesem Reiseabenteuer zählt jeder Schritt

Bei diesem Reiseabenteuer zählt jeder Schritt

Am 25. Mai startet der Reisewettbewerb Breakout. Die Teilnehmer haben 36 … mehr Charlottenburg

TOP-LISTEN

Top 10: Festivals in Berlin und Brandenburg

Top 10: Festivals in Berlin und Brandenburg

Für ein Wochenende nur deine liebste Musik live, gute Laune und tolle … mehr Brandenburg, Berlin

Artikel versenden

Geben Sie hier die E-Mail-Adresse des Empfängers ein (z.B. name@xyz.de).
Mehrere Empfänger werden durch Kommata getrennt.

* Pflichtfelder

Hast Du bereits ein QIEZ-Benutzerkonto? Melde Dich hier an.

ODER
Falls Sie sich mit Ihrem Facebook-Konto auf Qiez.de registriert haben, klicken Sie auf den nebenstehenden Button, um sich mit Ihrem Facebook-Konto anzumelden.

Passwort zurücksetzen