• Donnerstag, 03. Dezember 2015
  • von Nikolaus Triantafillou

Soziales Wirtschaften in Kreuzberg

Bier her für den guten Zweck

  • Quartiermeister Bier Wittichenauer Brauerei
    Zum Start des neuen Bio-Pils besuchten die Quartiermeister die Brauerei Wittichenauer in der Lausitz, die ihr Bier produziert. Unter anderem dabei: die Geschäftsführer Peter Eckert (l.) und David Griedelbach (2.v.r.) sowie Brautechnologe Matheo Gundermann (3.v.l.). Foto: externe Quelle - ©Quartiermeister

SO 36 – Trinken und dabei Gutes tun, und zwar nicht im Regenwald, sondern ganz nachvollziehbar vor der eigenen Haustür – das ist die Idee der jungen Sozialunternehmer von Quartiermeister. Seit 2010 verkaufen sie Bier und unterstützen damit Kiezprojekte. Neuerdings steht auch ein Bio-Pils zur Auswahl.

Normalerweise trinken wir Bier, weil es schmeckt, fröhlich macht und gesellig ist. Diese Vorzüge des Gerstensafts waren auch ausschlaggebend bei der Gründung der Biermarke Quartiermeister im Jahr 2010. Zunächst war da die Idee, korrekt zu wirtschaften – das heißt, Geld zu verdienen und damit Gutes zu tun. Die Wahl des Produkts hatte auch etwas mit dessen sozialer Komponente zu tun, wie Matheo Gundermann, Brauereitechnologe des Unternehmens, QIEZ erzählt. "Wir sind uns aber der Kontroverse bewusst, dass wir mit Alkoholkonsum soziale Projekte fördern", so Gundermann weiter.

Dafür geht es bei Quartiermeister sehr fair und transparent zu. Die unterstützten Vereine und Initiativen müssen nicht für die Biermarke werben. Sie können sich initiativ an den vom Unternehmen unabhängigen Verein Quartiermeister e.V. wenden, der alle sechs Wochen vier Projekte auswählt, über deren Förderung dann im Internet abgestimmt wird. Zwei von ihnen werden mit jeweils 1000 Euro bedacht – für Zwecke, die in der Bewerbung dargelegt wurden. Dazu gehören etwa Unterstützung für Flüchtlinge, Kiezküchen oder Schülerhilfe. Dabei gilt ein Grundsatz: Es werden Projekte in jener Region gefördert, in der der Gewinn erwirtschaftet wurde. Vertreten ist Quartiermeister bisher in Berlin, Leipzig und Dresden sowie München. Ganz bewusst wird das Bier auch nur regional verkauft.

Berliner Brauereien waren zu groß oder klein

Das neue Bio-Pils von Quartiermeister. Das neue Bio-Pils von Quartiermeister.
"Wir versuchen es besser zu machen und geben einen Alternativvorschlag zur alten, konzerngeführten Wirtschaft", sagt Matheo Gundermann. Dazu gehört, dass auf der Webseite der Biermarke detailliert für jedes Quartal nachzulesen ist, wofür die Einnahmen verwendet werden und für was Geld ausgegeben wird. Derzeit gehen rund 5 Cent pro verkaufter Flasche an die sozialen Projekte. Denn natürlich muss zunächst mal das hergestellte Bier bezahlt werden. Das stammt aus der familiengeführten Brauerei Wittichenauer in der sächsischen Lausitz. Eine Zusammenarbeit mit Berliner Brauereien kam aus zwei Gründen nicht zustande: Zum einen gehören die größeren unter ihnen alle zur Radeberger-Gruppe und damit zum Dr. Oetker-Konzern. Zum anderen haben die kleineren schlicht nicht die Kapazitäten, die Quartiermeister benötigt.

Noch muss bei dem Sozialunternehmen knapp kalkuliert werden. Sein Hauptsitz ist eine kleine Bürofläche im Co-Working Space "Thinkfarm" in der Kreuzberger Oranienstraße. Gehälter werden erst seit Januar bezahlt. Volle Stellen haben bisher nur die beiden Geschäftsführer Peter Eckert und David Griedelbach, im nächsten Jahr kommen Matheo Gundermann und ein Vertriebler dazu. Ganz explizit wollen die Quartiermeister nicht nur nach außen, sondern auch nach innen korrekt wirtschaften – also Arbeit auch korrekt entlohnen. Die Voraussetzungen scheinen jedoch gut: Laut Gundermann haben sich die Umsätze Jahr für Jahr verdoppelt; auch für 2016 wird ein Zuwachs von 80 bis 90 Prozent erwartet.

Bio war der logische Schritt

Dabei helfen soll das neue Bio-Pils, für das Unternehmen ein logischer Schritt, um nicht nur sozial und regional, sondern auch nachhaltig zu wirtschaften. Für die Herstellung hat sich die Brauerei in der Lausitz extra bio-zertifizieren lassen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Quartiermeister-Pils, das ein umetikettiertes Bier von Wittichenauer ist, hat Matheo Gundermann das Rezept für das neue Produkt selbst entwickelt. "Wir haben dafür gesorgt, dass sich unser Pils geschmacklich abhebt. Wir benutzen drei feine Aromasorten [Hopfen, Anm. d. Red.] aus Deutschland. Das gibt dem Bier einen herben, frischen, hopfenbetonten Charakter", erklärt der Brautechnologe, der neben seinem Studium an der TU seine ersten Brauversuche zu Hause mit einem Freund unternahm. "Unser Ziel war es, einen Mittelweg zwischen einem Pils und den ganzen modernen Craft-Bieren zu finden", so Gundermann weiter. Besser könnten wir den Geschmack auch nicht beschreiben. Das Probieren lohnt sich in jedem Fall.

Bleibt noch die Frage, wer denn der Mann auf der Flasche ist. Die schwarze Silhouette ruft laut Matheo Gundermann Assoziationen von Goethe über Napoleon bis Dracula hervor. Dabei handelt es sich 'nur' um den fiktiven Quartiermeister, der sich um das Wohl im Kiez kümmert.

Mehr Informationen, auch über die Verkaufsstellen von Quartiermeister, bekommst du auf der Webseite des Unternehmens.

Quartiermeister

Oranienstraße 183
10999 Berlin

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Quelle: QIEZ
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