• Sonntag, 26. Februar 2012

Bus-Café in Kreuzberg

Der Doppeldecker an der Straßenkreuzung

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  • Kjosk Kreuzberg
    Kjosk: Café, Kiosk und Treffpunkt im weißen Doppeldecker Foto: Der Tagesspiegel - ©Mike Wolff
  • Kjosk Kreuzberg
    Kjosk: Café, Kiosk und Treffpunkt im weißen Doppeldecker Foto: Der Tagesspiegel - ©Mike Wolff
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    Kjosk: Café, Kiosk und Treffpunkt im weißen Doppeldecker Foto: Der Tagesspiegel - ©Mike Wolff
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    Kjosk: Café, Kiosk und Treffpunkt im weißen Doppeldecker Foto: Der Tagesspiegel - ©Mike Wolff

Was ist das nur für ein seltsames Gefährt, das da an der Ecke Skalitzer / Manteuffelstraße abgestellt ist? Irgendetwas zwischen koreanischem Imbiss und Moschee. Der fahrbare Kiosk ist selbst für Kreuzberg eine Besonderheit.

Zu Beginn sorgt der Bus häufig für Verwunderung. "Viele sind zunächst überfordert, wissen den Ort nicht genau einzuschätzen“, sagt die 30-Jährige Rosmarie Köckenberger, auch Marie genannt. Die neuen Besucher würden fragen, was das genau sei und sich dann erst mal umschauen, häufig ohne etwas zu kaufen. Doch viele kommen wieder. Köckenberger muss es wissen, sie ist die Betreiberin des "Kjosk“. Der Anblick des seltsamen, nostalgisch anmutenden Gefährts scheint genau das auszulösen, was sie beabsichtigt hat: "ins Herz treffen“.

Was ist er also, dieser alte weiße Doppeldecker-Bus, der auf dem kleinen Parkplatz zwischen der Omar Ibu Al Khattab-Moschee und dem koreanischen Imbiss Angry Chicken in Blickweite zum Görlitzer Bahnhof abgestellt ist? Ein Ki(j)osk auf jeden Fall. Man bekommt Getränke, Süßigkeiten, Brötchen, jeden Morgen frisch die wichtigsten Tageszeitungen und Zeitschriften sowie allerlei Nützliches mehr. Er ist aber auch ein Café, denn es gibt Waffeln, Croissants und Kuchen. Im Obergeschoss bietet der weiße Bus, der in den 1960er und 70er Jahren für die BVG durch Zehlendorf fuhr, Sitzmöglichkeiten. An Tischen mit rot-weiß karierten Decken kann man es sich bei Kaffee und Kuchen gemütlich machen.

Im letzten Sommer stand der Bus ein paar Meter weiter an der Oranienstraße 1. Auf dem bewachsenen, aber nicht bebauten Eckgrundstück konnten sich Marie Köckenberger und ihre Gäste ausbreiten. Bunte Balkonstühle verteilten sich über die Wiese, es war ein verspielter Ort, der zum Verweilen einlud. An der gegenüberliegenden Ecke, wo der "Kjosk“ nun abgestellt ist, findet sich dafür leider kein Platz. Bei kühlen Temperaturen ist das nicht weiter schlimm. Nur die Hollywoodschaukel hat Köckenberger auch hier vor die Tür gestellt – vielleicht, um ein wenig sommerliche Gedanken aufkommen zu lassen.

Treffpunkt Bus

Der Bus soll ohnehin mehr ein sozialer Treffpunkt als nur ein Kiosk sein. Bis vor vier Jahren betrieb Köckenberger ein Hotel in Neukölln. Das "Flamingo Beach Lotel“ (sic!) in der Lichtenrader Straße hatte auch schwierige Gäste, einen Alkoholiker beispielsweise. Nachdem das ganze Haus zwangsversteigert wurde und das Hotel schließen musste, vermisste Köckenberger ihre Gäste, auch die schwierigen. Mit dem Bus fand sie schnell ein neues Projekt und bemüht sich nun darum, neben dem Verkauf noch weitere hilfreiche Angebote zu machen – beispielsweise Hausaufgabenbetreuung. Und wer sich einfach mit Freunden entspannen will, schnappt sich eins der Brett- oder Videospiele.

Noch ist nicht klar, wo der Bus als nächstes anhält. Bis zum Frühjahr wird der "Kjosk“ voraussichtlich an seinem jetzigen Standort bleiben. Eine Idee für die Zukunft hat Marie Köckenberger bereits: Sie möchte zum Kotti, ans Kottbusser Tor, direkt auf die Verkehrsinsel, an den Ort also, der seit Jahren ein sozialer Brennpunkt ist, wo sich Drogen- und Alkoholabhängige mit Partyvolk und Anwohnern mischen. Mit der Bezirksverwaltung ist sie bereits im Gespräch, ob und wann sie ihr Vorhaben umsetzen kann, ist unklar. Doch das Ziel hat sie fest vor Augen: "Der Kotti ist das Herz von Kreuzberg und gleichzeitig ein Un-Ort. Hier möchte ich eine Oase schaffen, die eine soziale Durchmischung ermöglicht.“

Köckenberger hat sich eine schöne und anspruchsvolle Aufgabe vorgenommen. Manch ein Anwohner vom Görlitzer Bahnhof könnte indes gut damit leben, wenn der Kjosk seinen Aufenthalt dort noch ein wenig verlängert.

Kjosk

Skalitzer Straße 38
10999 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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