• Dienstag, 17. Juli 2012

Gesundes Essen in der Schule

Die Küchenfee von Kreuzberg

  • Beiköchin
    Kerstin Schwelm kocht gerne für Grundschüler. Foto: Der Tagesspiegel - ©Kitty Kleist-Heinrich

Kerstin Schwelm ist Beiköchin in der Grundschule am Brandenburger Tor. So sieht ihr Alltag aus.

Die Temperaturen können in den Sommermonaten auf bis zu 50 Grad steigen, wenn man am Herd steht. Ein Ventilator, der direkt bei den Suppenkellen platziert wird, ist dann Teil des Inventars der Großküche. Kerstin Schwelm weiß, die Hitze tut dem Hunger ihrer Gäste keinen Abbruch. "Kinder haben immer Kohldampf", erzählt die Beiköchin und lacht. Seit 2009 hilft sie bei der Herstellung von 550 Mittagsmahlzeiten pro Tag. Das Küchenteam der Grundschule am Brandenburger Tor besteht aus fünf Mitarbeitern. Die Schulspeisung unterstützt der Träger "tjfbg gGmbH für die Grundschüler".

In den Sommerferien ist weniger los. Dann muss nur der 30-Liter-Topf aus dem Schrank geholt werden. Die Chinapfanne für die rund 60 Kinder passt da locker rein. Auch im Sommer steht sie um 7 Uhr auf der Matte, während der Küchenchef bereits um 6 Uhr anfängt.

Kinder sind ehrliche Esser

Schwelm meint, dass es in der Ferienzeit besonders angenehm sei. Dann kann man sich mit den Kindern mehr austauschen. Einige berichten von ihrem wunderbaren Urlaub. An manchen Tagen wird der Grill auf den Schulhof gestellt.

Vor ihrer Zeit in der Schulküche habe sie erst den Beruf der Köchin erlernt und wäre später in einer Firmenkantine tätig gewesen. Erwachsene seien viel schwieriger zufriedenzustellen als Kinder, erzählt sie, zum Beispiel wenn einer meint, er hätte nicht genauso viel von der Wurst abbekommen wie die Person vor ihm. Die Kinder seien dankbar und würden sich nicht verstellen. Wenn sie etwas mögen, sagen sie es genauso, wie bei einem Gericht, das ihnen mal nicht schmeckt. Die großen Fragen ranken sich darum, ob unbekanntes Gemüse tatsächlich auf dem Teller landen soll. "Uschi", Kerstin Schwelms Kosename in der Kantine, vergibt dann Kostproben und animiert die Kinder, das gesunde Grünzeug zu probieren. Der erhöhte Rotkohlverbrauch sei wohl auch ihr zu verdanken. Anfänglich konsumierten die Kinder zehn Kilo, inzwischen sind es fünfzig. Bei Hülsenfrüchten hilft es, wenn der Mixstab angesetzt wird.

Kinder können beim Kochen miteinbezogen werden.

Die Küche gehört direkt zum Schulhaus. So können die Kinder den Mitarbeitern beim Zubereiten der Speisen über die Schulter schauen und auch mal mitschnibbeln. Der Essensplan wird hauptsächlich von Schwelm gestaltet, wobei sie sich auch davon inspirieren lässt, wenn ein Kind vom Essen der Oma erzählt. Während der Projektwochen kommen dann auch mal die Familienrezepte auf die Teller, die gemeinsam gekocht werden, zuletzt etwas Borschtsch. Milchreis und Grießbrei jedoch müssen stark reglementiert werden. Mit einem ausgeklügelten System, bei dem Enten-Stempel eine Rolle spielen, kontrolliert Kerstin Schwelm den Süßspeisenkonsum der Kinder: "Den essen die sonst, bis sie Bauchschmerzen haben."

Sie selbst ist manchmal von Kopfweh geplagt – der Lärmpegel bei der Schulspeisung ist schuld – und auch die Töpfe sind sehr schwer, wenn man sie den ganzen Tag hin- und herträgt. Sogar im Schlaf rüge sie manchmal Kinder, dass sie sich anstellen sollten, weiß ihr Ehemann zu berichten. Trotzdem ist ihr Job für die 49-Jährige "vom Abwasch bis zur Ausgabe" eine Freude, wie sie meint. In den kommenden drei Wochen hat sie Zeit, sich um das eigene Grün in ihrem Garten zu kümmern. Sie erwartet die Obsternte schon mit Freude und auch, dass sie mit ihrem Enkel Möhren schälen wird.

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Quelle: Der Tagesspiegel
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