• Montag, 20. August 2012

Ausgrenzung an Lenau-Grundschule?

Deutsche Eltern gegen neue Klassenmischung

  • Lenau-Schule Kreuzberg
    Schüler der Lenau-Schule in Berlin-Kreuzberg Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Viele Eltern der Erstklässler an der Lenau-Schule in Kreuzberg protestieren. Die einen werfen der Schulleitung Diskriminierung vor und verlangen, dass die Klassen neu gemischt werden. Die anderen drohen, ihre Kinder von der Schule zu nehmen, wenn genau das passiere.

An der Lenau-Grundschule in Kreuzberg gibt es Elternproteste gegen die Mischung der ersten Klassen nach Herkunft: In der vergangenen Woche kamen Proteste von türkischstämmigen Eltern auf; sie warfen der Schule Diskriminierung vor. Der Grund: Von den sechs Schulanfängerklassen ist eine Klasse zum größten Teil aus Kids mit deutschem Hintergrund zusammengesetzt, während eine andere ausschließlich aus Schülern mit nichtdeutscher Primärsprache besteht. Inzwischen äußerten jedoch auch Eltern der betreffenden deutschen Schülergruppe Protest und drohten, ihre Kinder von der Schule zu nehmen, wenn eine Neumischung der Klassen durchgesetzt werde.

Eltern nahmen Kontakt zu Schulrätin auf

"Ich habe meine Tochter extra an der Lenau-Schule angemeldet, weil es mir wichtig ist, dass in der Klasse Deutsch gesprochen wird", so eine türkischstämmige Mutter. Nachdem ihr Kind eingeschult worden war, erfuhr sie, dass das Mädchen in eine Klasse gekommen war, in der ausschließlich arabische und türkische Kinder sitzen, während der Anteil deutscher Schüler in der Parallelklasse bei etwa 85 Prozent liege. Daraufhin trug die Mutter eine Beschwerde bei der Leitung der Schule vor. Diese habe ihr jedoch mitgeteilt, dass sie die Zusammensetzung der Klasse mit dem hohen Anteil an deutschen Kindern nicht ändern werde. Als die Mutter feststellte, dass andere Mütter und Väter die Aufteilung der Klassen ebenfalls als problematisch betrachteten, nahm sie Kontakt zur zuständigen Schulrätin auf.

Die Zusammensetzung der umstrittenen Klasse war entstanden, weil die Lenau-Schule. Das Angebot hatten insbesondere Eltern deutschsprachigen Hintergrunds wahrgenommen. Die Leitung der Schule sicherte ihnen zu, dass ihre Söhne und Töchter, die sich zum Teil bereits aus der Kita kannten, in dieselbe Klasse eingeschult würden. Die Anmeldung in der Gruppe wurde als eine Variante betrachtet, eine bessere Durchmischung zu erreichen und die Attraktivität der Lenau-Schule auch für Familien mit deutschem Hintergrund zu steigern. Der Anteil von Kids, deren Herkunftssprache nicht Deutsch ist, beläuft sich Schule zurzeit auf etwa 75 Prozent.

Schulleiterin räumt Fehler ein – Klassen werden neu gemischt

Nachdem die Bildungsverwaltung des Senats angeordnet hatte, dass die Klassen neu gemischt werden, kommen die Proteste mittlerweile aus der anderen Richtung: Jetzt gibt es auch Beschwerden deutscher Eltern, genau genommen der Eltern jener Kinder, die die umstrittene erste Klasse mit dem auffällig hohen Deutschen-Anteil besuchen sollten. Laut Tagesspiegel-Informationen äußerten diese Eltern am Freitag gegenüber der Schulleitung, die Entscheidung zur Neumischung der Klassen nicht mittragen zu wollen. Sie möchten sich jetzt ihrerseits an die Schulrätin wenden. "Ich habe das so verstanden, dass sie ihre Kinder gegebenenfalls auch von der Schule abmelden wollen", so die Schuldirektorin Karola Klawuhn.

Klawuhn räumte mittlerweile ein, beim Mischen der Klasse Fehler begangen zu haben. "Ich bin den Wünschen der Eltern zu weit entgegengekommen", so ihr Kommentar gegenüber dem Tagesspiegel. Die Eltern hätten sich im letzten September beim Tag der offenen Tür nur unter der Voraussetzung für die Grundschule entschieden, dass ihre Söhne und Töchter in eine bestimmte Klasse und zu einem bestimmten Team von Lehrkräften kommen. "Das hätte ich wohl nicht zusagen sollen", so Klawuhn am gestrigen Sonntag. Mittlerweile hat die Schuldirektorin alle betroffenen Mütter und Väter angeschrieben und über die Neumischung in Kenntnis gesetzt. Am heutigen Montagnachmittag ist außerdem eine Gesprächsrunde mit den Eltern zu der Problematik geplant.

Lenau-Grundschule

Nostitzstr. 60
10961 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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