• Freitag, 17. Juli 2015
  • von Fabian Lamster

Berliner Persönlichkeiten zeigen ihren Kiez

C. Heiland: Der Hundefreund von Kreuzberg

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    Der Musiker ist seit Jahren Stammkunde im Hundesalon Exquisit. Sein Terrierduo Oscar und Gypsy freut's. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    An warmen Sommertagen sollte man auf jeden Fall die Eiskaffees im "Goûter" probieren, findet der gebürtige Castrop-Rauxeler. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Vor einigen Jahren konnte er noch problemlos mit seinen Hunden über den Türkenmarkt spazieren. "Das ist heute undenkbar. Darum fahre ich lieber mit ihnen ans Tempelhofer Feld", so C. Heiland. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    "Auf der Terrasse der Ankerklause habe ich mit Freunden unzählige Abende verbracht", sagt C. Heiland. Heute findet er die Zeit hierfür nur noch selten. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Zur Erfrischung an heißen Tagen kann der Kabarettist den hausgemachten Ayran im Restaurant Corbaci jedem ans Herz legen. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster
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    Auch das Café "Cutie Pie" mit seinem Kaffee- und Suppenangebot findet der Omnichord-Virtuose super. Foto: QIEZ - © Fabian Lamster

Reichenberger Kiez – Seit 2000 hat es sich Musiker und Kabarettist C. Heiland in Berlin bequem gemacht, nachdem er im Ruhrgebiet als Psychologe arbeitete. Erst in Neukölln zu Haus, fühlt sich der Künstler seit Jahren in Kreuzberg wohl. Warum das so ist, hat er uns bei einem Spaziergang verraten. Und erzählt von Kutterfahrten auf dem Landwehrkanal, einer Flohmarktliebe und einem Hundefriseur.

"Wie ich selbst sind viele Texte von mir mit Berlin verwachsen. Allerdings greife ich nur wenige berlintypische Dinge auf, damit Ortsfremde nicht lange grübeln", sagt C. Heiland. Der gebürtige Castrop-Rauxeler tritt aktuell entweder als Solo-Künstler mit "Ich bin in der Brigitte" oder mit Band und dem Programm "Jetzt mit richtiger Musik" auf. "Mein erster Plan war, auf der Bühne zu stehen und damit durch’s Leben zu kommen. Doch man merkt schnell, dass das kein Selbstläufer ist und so kam ich zur Psychologie."

Etwa zehn Jahre arbeitete er hauptberuflich als Psychologe und therapierte psychisch kranke Straftäter. Erst im Ruhrgebiet, dann auch einige Jahre in Berlin. Bis ein Flohmarktbesuch das Leben des 38-Jährigen auf den Kopf stellte. Hier verliebt er sich in ein Omnichord, das dem Kabarettisten schon Jahre vorher aufgefallen ist. Das elektronische Instrument sollte in den 80ern zur musikalischen Früherziehung von japanischen Kindern beitragen – und entwickelt sich zum optimalen Begleiter von C. Heiland und seinen Texten.

Gewohnheitsmensch im Familienglück

Als eine Agentur ihn entdeckt und seine Auftritte immer besser ankommen, beschließt C. Heiland, die Arbeit als Psychologe aufzugeben: "Irgendwann war das zu krass: Erst acht Stunden Therapie und abends auf der Bühne Späße machen. Da habe ich mich für die Bühne entschieden und den Schritt einfach mal riskiert." Ein für den Kabarettisten ungewöhnlicher Schritt. Denn als Gewohnheitsmensch besucht der Musiker häufig genau die Orte in seinem Kreuzberger Kiez, die sein Vertrauen schon vor Jahren gewonnen haben.

Sein Frühstück genehmigt sich der Singer-Songwriter gerne im französischen Café Goûter in der Reichenberger Straße, an heißen Tagen auch einen Eiskaffee. "Zuletzt schaffe ich es nicht mehr so oft zum Frühstück hierher. Ich bin Vater geworden. Da bin ich meist längst vor neun oder zehn Uhr auf, aber dadurch gerne auch nachmittags hier." Neben dem Vaterglück erfreut ihn jeden Tag sein Terrierpaar Oscar und Gipsy. Beide halten C. Heiland zusätzlich auf Trab und sind quasi seine Kinder, die ihn schon seit Jahren begleiten. "Oscar kennen mehr Fans als mich. Er hat sich damals einfach auf mein Plattencover von 'Hands on Heiland' gemogelt", so der Omnichord-Virtuose.

"Kreuzberg ist wie Urlaub"

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Mit seinen Hunden spaziert C. Heiland manchmal am idyllischen Landwehrkanal entlang: "Hier gönne ich mir an sonnigen Tagen auch mal eine Fahrt auf dem Wasser und esse Currywurst mit Omis auf’m Kutter". Am Maybachufer flaniert der Musiker regelmäßig über den Türkenmarkt, der für ihn einfach zur Straßenkultur des Kiezes gehört: "Wenn ich hier entlanglaufe, ist das wie Urlaub. Gerade durch die Toleranz und das Multikulturelle will ich hier gar nicht weg." Oft landet er zum Mittag im türkischen Restaurant Corbaci, wo er das vielfältige Buffet mit Vor- und Nachspeise für fünf Euro und den hausgemachten Ayran empfiehlt.

Da C. Heiland eine Vorliebe für die orientalische Küche hegt, zieht es ihn ebenso in andere Teile der Stadt: "In Sachen indische Küche ist hier im Kiez das Aapka ganz in Ordnung. Wenn dann fahre ich dafür aber nach Charlottenburg ins Kabir in der Carmerstraße. Ein indisches Restaurant, das die Anfahrt wirklich wert ist." Das gilt genauso für das Cutie Pie in der Lausitzer Straße, das mit Quiche, Kuchen und Suppen bei ihm punktet. Stichwort glänzen: Oscar und Gypsy bringt C. Heiland seit einigen Jahren schon zum Hundesalon Exquisit von Christel Balfanz: "Das ist eine echte Urberlinerin mit entsprechendem Mundwerk. Sie kann gut austeilen, aber wenn man sie kennenlernt, merkt man, was für ein liebenswerter Mensch sie ist."

Ein Kiez im Wandel

Bei all seinen Touren durch Kreuzberg sind dem ausgebildeten Psychologen auch einige Veränderungen aufgefallen: "Früher kam gefühlt kein einziger Touri freiwillig hierher. Heute lebt der Kiez von ihnen. Das merke ich auch daran, dass ich an Wochenenden mit geöffnetem Fenster teilweise nicht in Ruhe üben kann, weil auf offener Straße eine Party abgeht. Das gehört hier heute irgendwie dazu." Außerdem habe sich das Wohnungsangebot seit seinem Umzug sehr verändert: "Damals hat man eine Wohnung am Kiehlufer hinterher geschmissen bekommen. Heute muss man bereits viel Geld auf den Tisch legen, um überhaupt eine zu finden."

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Auch in Sachen Kneipenkultur ist einiges passiert: "Einige Kneipen von früher gibt es nicht mehr, viele Neue kommen. Wenigstens die Ankerklause gibt es nach wie vor." Hier hat er schon unzählige Abende auf der Uferterrasse verbracht. Das ist nun nicht mehr so einfach. "Jetzt mit Frau und meinen 'drei' Kindern muss ich mir die Zeit anders einteilen."

Als sich der Kiez-Spaziergang dem Ende neigt, freut sich C. Heiland schon auf einen weiteren Spaziergang im Anschluss: "Die Hunde wollen auch noch an die Sonne. Diesen Wunsch erfülle ich ihnen gerne, gerade bei so fantastischem Wetter." Am liebsten fährt der Hundefreund mit ihnen zum Tempelhofer Feld, "weil sie sich hier frei entfalten können. Aber sobald sie sich ausgetobt haben, geht’s zurück. Dann bin ich jedes Mal wieder froh, wenn ich nach Hause komme, wieder in meinem Kreuzberg bin."

C. Heiland ist seit 2013 hauptberuflich Kabarettist. Ende 2014 hat er mit seiner Band eine Maxi-Platte mit dem Auftaktsong "Irgendwann kommt der Sommer" auf seinem YouTube-Channel herausgebracht. Mit seiner Band tritt er am 22. Oktober im BKA-Theater auf. Am 23. November gastiert er bei den Wühlmäusen, ist aber vom 20. bis 22. August und 12. bis 15. November auch im Quatsch Comedy Club. Alle weiteren aktuellen Termine findet ihr hier.

Goûter

Reichenberger Straße 143
10999 Berlin

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Quelle: QIEZ
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