• Montag, 04. Juni 2012

Grenzsteg an der Spree

Bald ein schwimmender Kiez?

  • Spree
    Der Grenzsteg am Osthafen liegt zwischen der Lohmühleninsel und der Molecule-Men-Skulptur. Foto: dapd - ©Maya Hitij

Ein kaputter Betonsteig in der Spree gegenüber des Osthafens, aber auch ein Stück Geschichte. Jetzt soll dieser zu einer neuen Stadt-Attraktion umgebaut werden, wofür zahlreiche Konzepte entworfen wurden. Möglicher Weise entsteht sogar ein schwimmender Kiez oder ein 35 Meter hoher Solarturm ...

Er ist ein Überbleibsel der geteilten Stadt: der Betonsteg in der Spree zwischen Lohmühleninsel und der Molecule-Men-Skulptur. Seit dem Mauerfall fällt die Anlage, die der Grenz- und Zollabfertigung diente, mehr und mehr auseinander. Im Prinzip sollte sie schon abgerissen werden, so marode ist sie. Doch nun soll der Steg für den Wassertourismus denkmalgerecht aufbereitet werden. Der Eigentümer, das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA), bietet die 480 Meter lange Ruine zum Verkauf an. Mehrere Berliner Investoren legten bereits Konzepte vor.

Neue Eventfläche?

"Stadt im Fluss" heißt das Projekt von Bob Shahrestani von der Veranstaltungsagentur Workisplay. 1,8 Millionen Euro wollen er und seine Partner wie der benachbarte Club der Visionäre investieren und den Steg in seinen ursprünglichen Zustand zurückbringen. Um ihn herum soll aus Schiffen ein schwimmender Kiez entstehen. Da der T-förmige Steg keine Verbindung zum Ufer hat, will Shahrestani eine Zugangsbrücke errichten.

Im östlichen Teil könnten ein historisches Hotelschiff und zwei Serviceschiffe vor Anker liegen und Bootsanlegeplätze entstehen. Westlich der Zugangsbrücke sollen Charterboote und ein Ausstellungs- und Imbissschiff festmachen, am Ende der Anlage, vor der Lohmühleninsel, lädt ein Restaurantschiff die Besucher ein. Außerdem können Fahrgastschiffe den Steg ansteuern. Die Reederei Riedel überlegt, einen Spreeshuttle dafür einzurichten, der regelmäßig zwischen East-Side-Gallery und Jannowitzbrücke pendelt.

Ein Steg mit Geschichte

Wenn die brüchige Anlage mal zur Attraktion wird, dann erinnert sich der eine oder andere möglicherweise noch an den massiven Protest im Jahr 2010. Er verhinderte, dass der Mauerteil abgerissen wurde und erreichte, dass er unter Denkmalschutz gestellt wurde. 1962 wurde der Steg als Wassersperre errichtet, nachdem das Ost-Berliner Ausflugsschiff Friedrich Wolf über den hier in die Spree mündenden Landwehrkanal in den Westen entwischt war.

Sogar Wachturm und Sperrgitter gab es hier. Die wurden aber nach der Wende abgerissen. Betreten darf man den Steg heute nicht mehr: Denn er hat Risse, und viele der 258 Stützen aus Stahlbeton sind locker. "Die Standsicherheit ist nicht mehr gegeben", erklärt Gerrit Riehmer vom WSA.

Oder doch lieber eine Gedenkstätte mit Solarturm?

Doch auch die Osthafensteg UG um Geschäftsführer Michael Gödde hat ein Konzept entwickelt. Dazu gehört auch das Gedenken an die Teilung. "Die Steganlage soll vollständig erhalten werden und mit drei Aussichtspodesten öffentlich zugänglich werden", meint Gödde. So könnten die Besucher das Ausmaß des früheren Grenzstegs am besten nachvollziehen.

Markenzeichen soll aber ein 35 Meter hoher Solarturm sein, der die Verbindung in die heutige Zeit herstellt. Denn auch Nachhaltigkeit ist Bestandteil dieses Konzepts. "Die Solarpaneele folgen dem Sonnenstand", erklärt Gödde. Neben dem Turm stehen eine Solartankstelle und ein Solarbootsverleih. Für den östlichen Teil der Anlage plant er einen neuen Hafen für Sport- und Hausboote, sowie historische Salonboote. 3,5 Millionen wollen Gödde und seine Mitstreiter investieren.

Welches Konzept macht das Rennen?

Zehn Konzepte wurden beim Wasser- und Schifffahrtsamt eingereicht, das sich am Dienstag mit der Senatsverwaltung für Umwelt und den Bezirksbürgermeistern von Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick trifft, um das Beste davon auszusuchen.

Auf diesen Tag freuen sich auch die Vertreter des Historischen Hafens. Denn sie würden gern spreeaufwärts ziehen. Ihre rund 30 Schiffe ankern derzeit an der Fischerinsel in Mitte. Doch dort ist es mittlerweile zu eng, weshalb einige der Boote verlegt werden sollen. Die Hafenleute planen ein Museum zur lokalen Schifffahrtsgeschichte in einem zweistöckigen, 60 Meter langen Containerbau. Parallel zum alten Steg soll ein zweiter, 300 Meter langer Steg errichtet werden. In drei bis fünf Jahren könnte alles fertig sein.

Adresse

Vor dem Schlesischen Tor 2
10997 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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