• Mittwoch, 30. Mai 2012

Protestcamp

Tausche Wohnung gegen Bretterbude

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  • Protestcamp am Kotti
    Protest gegen steigende Mieten: Die Holzhütte am Kotti ist rund um die Uhr besetzt. Foto: dapd - ©Paul Zinken
  • Protestcamp am Kotti
    Insbesondere sozial Schwache sind von den steigenden Mietpreisen am Kotti betroffen. Ihnen droht eine Verdrängung aus dem Kiez. Foto: dapd - ©Paul Zinken
  • Protestcamp am Kotti
    Auch mit Transparenten machen die Demonstranten am Kotti auf das Problem aufmerksam. Foto: dapd - ©Paul Zinken

Gegen die steigenden Mieten am Kottbusser Tor protestieren die Anwohner bereits seit einem Jahr. Erst mit einer Unterschriftenaktion. Ohne Erfolg. Jetzt kampieren sie auf der Straße.

Inmitten der Mietshausblöcke am Kottbusser Tor steht eine Hütte aus Holz. "Das ist ein Gecekondu", auf Türkisch bedeute dies "nachts hingebaut", erklärt Serhat Karakayali, der im Kiez wohnt. "Und nach altem osmanischen Recht gilt: Ein Haus, das über Nacht errichtet wird, darf stehenbleiben."

Gebaut wurde das Häuschen von Anwohnern. Seit vergangenem Sonnabend wohnen sie in Schichten in der hölzernen Behausung. Mit dieser Aktion wollen sie gegen die hohen Mieten in ihren Wohnungen protestieren. Ein Jahr lang hätten sie Unterschriften gesammelt, doch sich kein Gehör verschaffen können, sagen sie. Nun campieren sie eben auf dem Bürgersteig. "Wir bleiben so lange, bis unsere Mieten runtergehen", so Mit-Organisatorin Ulrike H. Aus Angst, man könnte ihr die Wohnung kündigen, möchte sie ihren Nachnamen nicht nennen.

Die Kreuzberger Mietergemeinschaft "Kotti & Co" vertritt die Anwohner, die in etwa 1000 Wohnungen südlich des Kottbusser Tors leben. Im vergangenen Jahr seien die Mieten dort durchschnittlich um 80 Euro monatlich gestiegen. "Das ist für die Bewohner eine oft existenzbedrohende Situation. Wir haben hier viele Rentner und Migranten", sagt Alexander K.

Dialogbereitschaft gleich Null

Besonders problematisch ist laut Initiative die fehlende Mietdeckelung. Während im Norden des Kottbusser Tores der Quadratmeter 5 Euro kalt koste, sei die Kaltmiete bei ihnen schon auf 6 Euro gestiegen. Das vertreibe sozial Schwache, die seit Jahrzehnten hier ansässig sind. Anwohnerin Fatma Z. berichtet, dass die Mietpreise im sozialen Wohnungsbau selbst den Sozialbehörden zu hoch seien. Das Jobcenter fordere, die "Kosten der Unterkunft" herabzusetzen: Nehmt Euch einen Untermieter, zahlt den Rest drauf oder zieht an den Stadtrand.

Eigentümer der Wohnungen sind die 2004 privatisierte GSW und die Admiral-Grundstücks GmbH/Hermes-Hausverwaltung. Beide kommentieren das Ganze nicht. "Wir äußern uns zu dem Thema momentan gar nicht", sagte ein GSW-Sprecher. "Kotti & Co" bemängelt, dass es mit beiden Gesellschaften keinen Dialog gebe. Nun sucht die Initiative das Gespräch mit dem Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller. Sie verlangt eine soziale Richtsatzmiete von 4 Euro Netto kalt und auf lange Sicht die Rekommunalisierung des sozialen Wohnungsbaus.

Adresse

Kottbusser Tor
10999 Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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