Video und Kampagne für Völkerverständigung

Wir sind doch alle Weltbürger

Für die Kampagne "World Citizen": Baran Keskin, Telefónica-Chef René Schuster und Hans „Eytsch“ Storck (von links nacht rechts).
Für die Kampagne "World Citizen": Baran Keskin, Telefónica-Chef René Schuster und Hans „Eytsch“ Storck (von links nacht rechts).
Ein kleines Kiez-Projekt kommt ganz groß raus. Drei Jungs aus Kreuzberg wollten Vorurteile abbauen. Jetzt wird ihre Kampagne sogar vom populären Musiker Shaggy besungen. Wie haben sie das bloß geschafft?

Wie bekommt man heutzutage am besten eine Idee an den Mann? Ein Musikvideo könnte da hilfreich sein. Hans „Eytsch“ Storck und Baran Keskin kommen aus Kreuzberg. Die 21-jährigen haben ein Projekt, nein, ein persönliches Anliegen: Sie wollen zeigen, dass Menschen nicht nur Unterschiede haben, sondern auch vieles, was sie verbindet. Sie sind Weltbürger. Das findet Ausdruck in einem Musikvideo, das jüngst erschienen ist. Dominik Haas, seines Zeichens Reggae-Musiker und bekannt als Jahcoustix, schrieb den Song „World Citizen“. Für das Video hat er mit Reggae-Star Shaggy kollaboriert. Die beiden fahren vor der Kamera mit dem Bus durch Kreuzberg und immer wieder greifen sie zu einem Symbol: Zeigefinger und Daumen bilden einen Kreis, der mit dem der anderen Hand ineinander greift. Das steht für das Projekt der Kreuzberger, die zusammen mit Kumpan Salah Said für Toleranz und Austausch zwischen den Kulturen arbeiten.

Helfen hilft dem Image

Ganz allein konnten die jungen Leute ihr Projekt natürlich nicht überall verbreiten. Das Think Big Programm der Telefónica Germany arbeitet europaweit als sozial-gesellschaftlicher Förderer. Zusammen mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung verbreiteten sie das Kiez-Projekt über die Medien, Konzerte und im Netz. Dort wo O2 angeboten wird, können sich junge Leute zwischen 14 und 25 für Think Big anmelden. Laut dem Geschäftsführer René Schuster ginge es nicht darum, Handys an die junge Kundschaft zu bringen, sondern um Engagement, die neu populäre „Corporate Social Responsibility“ (CSR). Davon profitiert das Image von Telefónica, aber auch die Jugendlichen, wie man mit dem Video zu „World Citizen“ sieht. Think Big hilft jungen Leuten dabei, mediale Projekte umzusetzen. Allein in Deutschland gab es letztes Jahr etwa 250.000 Euro, die 530 Vorhaben unterstützten. 10.000 junge Menschen wurden durch 570 Helfer gefördert. Es ist für Hans, Salah und Baran schon zwei Jahre her, dass sie sich dafür beworben hatten. Damals ging das Programm in die erste Runde und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) war die Schirmherrin.

 „Wir waren genervt davon, immer gefragt zu werden, woher wir kommen“, erklärt Baran. Er ist Berliner. Seine Eltern sind in der Türkei geboren, „und es stört mich, als Mensch immer zuallererst auf die Herkunft meiner Eltern reduziert zu werden“. Er sieht sich als Bürger dieser Welt und findet die Persönlichkeit viel wichtiger als die Geburtsstätte der Eltern. Das war die Grundidee der World Citizen Initiative. Es sollte eine Kampagne geführt durch Information und Bildung werden. 400 Euro bekamen sie, wie so viele andere Bewerber, von Think Big, welches auch einen Partner vor Ort sponserte. „Wir haben Medientraining bekommen, sind beraten worden, wie man sich vernetzt, es wurde eine Website für uns eingerichtet, ein Video gedreht, eine Plakatkampagne gestartet“, berichtet „Eytsch“. Der angehende Politikstudent  schreibt für seine Kirchenzeitung und steckt wöchentlich 20 Stunden in World Citizen. Für ihn ist es eine Berufung, nicht nur ehrenamtliche Arbeit, erklärte er. Seine Gruppe geht in Schulen, macht Projekttage. Ihre Zielgruppe sind die 14- bis 20-Jährigen. Durch persönliche Vorlieben und Hobbys kommen die Schüler dann erst einmal auf Gemeinsames und sprechen über ihre Identität, was sie ausmacht. Wenn es dann um vermeintliche Unterschiede geht, zeigen die Projektleiter die Gemeinsamkeiten darin auf: „Der eine interessiert sich fürs Christentum, der andere für den Islam, beiden ist Religion wichtig“, gibt Storck als Beispiel.

Ein Hoch auf unsern Busfahrer

Als der in München ansässige Jahcoustix von den „Weltbürgern“ aus Berlin hörte, war der Diplomatensohn begeistert. „Ich hatte die spontane Idee, einen Song dazu zu schreiben, ich wolle die Jungs unterstützen und Jugendliche im Glauben an sich selbst stärken“, sagt der Musiker. Den Jamaikaner Shaggy konnten sie über das Ministry of Sound Label gewinnen. „Auch im Musikgeschäft gibt es noch Diskriminierung und Benachteiligungen wegen der Hautfarbe“, erzählte Shaggy einem Reporter des Tagesspiegels, während er sich zwischen den Drehpausen in seinem Van aufwärmte. Er war extra für einen Tag im Februar aus Kingston nach Kreuzberg gekommen, um im Tonstudio auf einem Parkplatz der O2-Arena zu drehen. Vom Profit des Songs soll ein Viertel an Think Big gehen, um das Projekt zu unterstützen.

Eine ganze Schar Jugendlicher hatte sich beworben, um bibbernd im Februar vor der Kamera zu stehen und zu tanzen. An der U-Bahn um das Kottbusser Tor entlang fuhr ein DDR-Bus der Marke Ikarus und sammelte fröhliche Jugendliche ein. Die vielen Menschen sind alle Bürger dieser Welt, heißt es von „Eytsch“, der sich mächtig über den Ansturm freut: „Manchmal kann ich gar nicht glauben, wie groß das geworden ist, für mich ist das wie ein Geschenk.“

Nur Salah Said wird nicht ganz froh sein. Er musste am Drehtag eine Klausur schreiben – und das im fernen Mainz. Er war also nicht mit von der Partie. Aber World Citizen ist er trotzdem.

Mehr Infos zum Projekt World Citizen gibt es hier.


Quelle: Der Tagesspiegel

Telefónica O2 Germany GmbH & Co. OHG, Pariser Platz, 10117 Berlin

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