Zwangsräumung

Kulturclub Yaam vor dem Aus

Viele hatten sich für die Rettung des Kulturclubs eingesetzt.
Viele hatten sich für die Rettung des Kulturclubs eingesetzt.
Innerhalb der nächsten 60 Tage müssen die Betreiber des Kulturzentrums Yaam das Gelände am Stralauer Platz 35 in Friedrichshain räumen. Diese Frist wurde dem Club vom Grundstückseigentümer Urnova gesetzt. Um das Yaam dennoch zu retten, fand am Freitagnachmittag eine Demonstration vor dem Rathaus Kreuzberg statt.

Das Yaam ist für viele junge Menschen im Friedrichshain Anlaufpunkt für Freizeit- und Abendgestaltung, quasi eine Institution. Nach vierjähriger Zusammenarbeit hat der Pächter des Grundstücks, die spanische Immobilienfirma Urnova, nun Interesse daran, das etwa 9000 Quadratmeter große Gelände weiter zu vermieten bzw. zu verkaufen. Diese Entwicklung hatte sich bereits im September diesen Jahres angedeutet, als über einen möglichen Verkauf des Geländes an die Baufirma HOCHTIEF spekuliert wurde. Das wurde allerdings nie bestätigt. Trotz der Gerüchte um mögliche Kaufinteressenten wurde eine Baugenehmigung von der Bauaufsichtsbehörde erteilt. Drei Bürogebäude können auf dem Areal gebaut werden – dabei standen 2011 laut Angaben des Immobilien-Dienstleisters Colliers International 2011 knapp 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche in Berlin leer.

Demonstration und Petition

Rund 120 Menschen versammelten sich am heutigen Freitag gegen 13.30 Uhr in der Yorckstraße 4, um den Bezirksbürgermeister von Kreuzberg-Friedrichshain Franz Schulz vom Fortbestehen ihres Lieblingsclubs zu überzeugen. Begleitet von Trommelmusik und Reggae-Klängen, wie dem Lied „Get up, stand up for your rights“ von Bob Marley, wurde von den Veranstaltern der Demonstration auf die drohende Schließung aufmerksam gemacht. Plakate und Demonstrationsschilder mit den Slogans „Stoppt den Kulturtod“ und „Multikult must stay“ sorgten proaktiv für eine Fokussierung des Problems.

„Wir sind enttäuscht und wütend. Doch was sollen wir als gemeinnütziges Kulturangebot gegen millionenschwere Projekte wie Mediaspree tun? Letzter Rettungsanker ist die Politik und die Hoffnung, dass die Behörden kulturelle Einrichtungen wie das Yaam retten“ sagte Ortwin Rau, Betreiber des Yaam. Die Demonstration und eine Unterschriftensammlung bis 07. Dezember sollen das Unmögliche möglich machen. Bereits 8.546 Unterschriften (Stand: 12.10.2012) konnten unter www.yaam.de gesammelt werden.

Nach drei Umzügen sollte das Gelände gegenüber des Ostbahnhofs endgültige Heimat werden. Doch nach vier Jahren kam Anfang Oktober die Kündigung von Urnova. Im Zuge der Mediaspree-Planungen und dem Verkauf von Grundstücken entlang des Spreeufers wurden in den letzten Jahren immer wieder kulturelle Angebote geschlossen, darunter auch die legendäre Bar 25.

Kulturclub für Jung und Alt

Das Yaam ist eine Strandbar, wobei umliegend Plätze für Fußball, Basketball und Beachvolleyball sowie Tischtennisplatten und Fahrmöglichkeiten vorhanden sind. Das Gelände am Stralauer Platz 35 ist multinationaler Treffpunkt verschiedener Kulturen und lädt zur aktiven Freizeitgestaltung ein. Der Club wirbt als Veranstaltungsort mit den Worten „hier ist es so, als würde täglich eine New Yorker U-Bahn am Spreeufer ankommen“. Neben Workshop in den Bereichen Kunst und Sport werden mehrmals in der Woche Konzerte und Clubabende organisiert. So legte zum Beispiel der jamaikanische Sprintstar Usian Bolt während der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin eine Nacht lang als DJ in der clubeigenen Eventhalle auf.

YAAM Kulturclub, Stralauer Platz 35, 10243 Berlin, http://www.yaam.de/

 

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Quelle: QIEZ / Der Tagesspiegel

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