Neue Rostlaube in Berlin

Sanierung der Neuen Nationalgalerie nur verzögert?

Die neue Nationalgalerie ist das Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts der Nationalgalerie Berlin.
Die neue Nationalgalerie ist das Museum für die Kunst des 20. Jahrhunderts der Nationalgalerie Berlin.
Neue Nationalgalerie? Von wegen! Eines der wichtigsten Baudenkmale der Moderne muss dringend saniert werden. Doch Geld dafür gibt es vorerst nicht. Denkmalpfleger und Experten sind empört.

Bröckelnde Farbschichten an den Stahlträgern, rostverdächtige Stellen am Tragwerk, abgesackte Stufen und Bodenplatten im Terrassen- und Eingangsbereich sowie Schäden an den abgehängten Decken im Inneren – so präsentiert sich die Neue Nationalgalerie von Mies van der Rohe. Schwere Bauschäden gefährden eines der weltweit bedeutendsten Baudenkmäler der Moderne. Namhafte Denkmalpfleger und Architekturexperten sind empört über den fortschreitenden Verfall des Solitärs auf dem Kulturforum. Pläne für eine Sanierung des Baudenkmals gibt es zwar – aber bisher kein Geld für das Vorhaben.

Vier Jahre würde die Sanierung der Neuen Nationalgalerie dauern

Wie gewaltig die Bauschäden an der Neuen Nationalgalerie sind, ist Expertengutachten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu entnehmen. Bis zu vier Jahre würde die Sanierung dauern, so lange müsste die Galerie auf dem Kulturforum schließen. Dies teilte die Stiftung auf Tagesspiegel-Anfrage mit. Einen Architekten für die Aufgabe gibt es, David Chipperfield, der für Sanierung und Erweiterung der Museumsinsel gefeiert wurde. Doch die Sanierung der Neuen Nationalgalerie liegt vorerst auf Eis. „Die Mittel dafür sind noch nicht genehmigt“, schreibt die Stiftung.

Wegen des Sanierungsstaus kann die Kultureinrichtung die Höhe der Kosten nicht einmal beziffern. Unklar ist deshalb auch, ob der Zeitplan für die Sanierung zu halten ist: Eigentlich sollte die Neue Nationalgalerie laut Stiftung „mit Jahreswechsel 2014/15“ schließen, damit die Arbeiten „in der zweiten Jahreshälfte 2015“ beginnen können.

Kulturforum rückt jetzt in den Fokus

Fassungslosigkeit über den lässlichen Umgang mit diesem Klassiker der modernen Baukunst herrscht bei der Akademie der Künste. „Die Bauschäden müssen unverzüglich und behutsam saniert werden“, forderte Wilfried Wang, stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst. Die Neue Nationalgalerie sei „eines der wichtigsten Gebäude des 20. Jahrhunderts – weltweit“. Die Akademie der Künste will nun selbst für die Bereitstellung von Sanierungsmitteln zur Erhaltung der Neuen Nationalgalerie mobilisieren und sich in die Debatte über das Kulturforum einschalten.

Beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung war keine Auskunft zu erhalten. Deren früherer Präsident Florian Mausbach sagte: „Wir haben jahrelang auf den Sanierungsbedarf bei der Neuen Nationalgalerie hingewiesen.“ Nach dem Mauerfall habe jedoch erst die Museumsinsel im Vordergrund gestanden. Es sei gut, dass Neue Nationalgalerie und Kulturforum jetzt endlich in den Fokus rückten.

Der Bau von Mies van der Rohe begeistert Architekturfans

„Einen Skandal“ nennt es Gabi Dolff-Bonekämper, namhafte Professorin für Denkmalpflege von der Technischen Universität, dass vorerst kein Geld für die Sanierung da ist. „Seit 1968 sind keine nennenswerten Investitionen in die Unterhaltung des Gebäudes geflossen“, sagt sie. Vieles an dem Gebäude sei dringend instandsetzungsbedürftig. Die für das Erscheinungsbild besonders wichtigen großflächigen Fensterscheiben in der oberen Zone der Stahl-Glas-Halle seien seit Jahren durch zweiteilige anders getönte Gläser ersetzt worden.

Schockiert ist auch die internationale Fachwelt, zumal Mies van der Rohes Bau längst zu einer Pilgerstätte von Architekturfans geworden ist. „Wir alle sind erschüttert, in welch schlechtem Zustand sich das Gebäude befindet“, sagt etwa Dietrich Neumann, Architekturhistoriker aus den USA, und zurzeit Fellow an der American Academy. Zusammen mit Barry Bergdoll, der beim Museum of Modern Art (Moma) die Bereiche Design und Architektur verantwortet, sowie mit der Direktorin des Kanadischen Architektur-Zentrums, Phyllis Lambert, hatte er die Neue Nationalgalerie besucht. Beide zeigten sich empört über den Zustand des Gebäudes und vor allem des Skulpturengartens. Phyllis Lambert hatte zusammen mit Mies van der Rohe das Seagram-Gebäude in New York City errichtet.

Der Bedeutung der Neuen Nationalgalerie ist sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz bewusst. Gefragt nach den zu erwartenden Eingriffen hieß es: „Zentral bei der Sanierung der Neuen Nationalgalerie ist die Behandlung des Hauses als eines der bedeutendsten Baudenkmale der Moderne.“ Deshalb gebe es eine „kontinuierliche und enge Abstimmung“ mit dem Landesdenkmalamt.


Quelle: Der Tagesspiegel

Neue Nationalgalerie, Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin

Telefon 030 266424242

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