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Top 10: Ausstellungen im November

Nur eine unserer Tipps für diesen Monat: Zeitgenössische Kunst von Brendan Howell namens "Free WiFi/Gratis WLAN".
Nur eine unserer Tipps für diesen Monat: Zeitgenössische Kunst von Brendan Howell namens "Free WiFi/Gratis WLAN". Zur Foto-Galerie
Ist das Kunst oder kann das weg? ARTatBerlin.com weiß genau, welche Künstler sehenswert sind. Sie sind immerhin die Hauptstadtexperten für zeitgenössische Kunst. Auf QIEZ verraten sie jeden Monat, welche Ausstellungen du nicht verpassen solltest ...

Free WiFi/Gratis WLAN (Mitte)

Wenn man „Internet-Künstler“ dazu einlädt an einer Ausstellung mitzuwirken, kann man sie in „Likes“ bezahlen? Als Bourdieu seine berühmte Theorie zum kulturellen Kapital vorstellte, bezog er sich darauf wie viele Follower er auf Instagram hatte? Haben es die Menschen lieber, wenn ihnen gesagt wird was sie mit „gefällt mir“ markieren sollen? Ist ein endlos durchscrollbarer Bildschirm wie eine Malerei eines endlosen Abendmahls?

Am 27. Oktober eröffnet das EIGEN + ART Lab in Berlin Mitte die Ausstellung Free WiFi/Gratis WLAN, konzipiert und zusammengestellt durch Brendan Howell, einem Berliner Künstler und zurückhaltenden Ingenieur. Die Räumlichkeiten des Labs wurden für diese Ausstellung von internetbasierter Kunst so gestaltet, dass sie einem typischen Café ähneln – mit dem erwarteten freien WLAN. Teilnehmende Künstler sind Renee Carmichael, Kathrin Günter, Katya Isaeva, Silvio Lorusso, Johannes P. Osterhoff, Antonio Roberts, TeYosh und the Scandinavian Institute of Computational Vandalism – wobei die Künstler den konventionellen Verkauf ihrer Arbeiten hinterfragen und für sie eine spezifische Anzahl von Likes, Links, Klicks, Follower oder Aufrufe bei Facebook, Instagram, Youtube und anderen sozialen Netzwerken eine Option ist.

Bis: 17.12.2016
Wo: Eigen + Art Lab, Torstraße 220, 10115 Berlin‘
Wann: Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 18 Uhr

Ryszard Wasko – Who’s afraid of Color? (Positive vs. Negative) (Kreuzberg)

Noch in den 1970er Jahren versucht Wasko in analytischen Fotografien herauszufinden, wieso „ein Negativ, das doch Ausgangspunkt und Vorlage für das Positivbild ist, unwichtig zu sein scheint; so als wäre es die Schwäche der Fotografie, weil erst der Abzug (das Positiv) zur ‚richtigen‘ Fotografie wird.“ Mit seinen Experimenten untersucht er dieses Phänomen und versucht die Bedeutung der Quelle zu revidieren: „Es ging mir um eine Gleichberechtigung beider Realitäten„, sagt er. Jahrzehnte später, in den jüngsten Serien wie Timeline (2014) versucht er sogar, nicht existente Negative digitaler Fotografien zu erstellen.

Bis: 14.1.2017
Wo: Zak | Branicka, Lindenstraße 35, 10969 Berlin
Wann: Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr

Armin Göhringer – Stammbaum (Mitte)

In archaischer Anmutung kämpfen die Holzskulpturen Armin Göhringers um ihre innere Balance: Der Baum wird in schwere Blöcke gegliedert, verbunden durch Stege, die sie zentrieren und halten. Es ist ein Ausloten und Ausprobieren physikalischer Möglichkeiten und ein Heranführen an das Machbare. Am 12. November 2016 um 16 Uhr entlockt der Klangkünstler Wilfried Kirner einer Skulptur von Armin Göhringer Klänge und rhythmische Zyklen, die von der Tänzerin Katharina Resch in Bewegungen umgesetzt werden.

Bis: 1.12.2016
Wo: Galerie Gerken, Linienstraße 217, 10119 Berlin
Wann: Dienstag bis Samstag von 12 bis 18 Uhr

Corridor I – Onkalo (Tiergarten)

„What does it say about our civilisation, when we build something that will last to a time when all we know is gone and forgotten?“ (Michael Madsen in Into Eternity (2010), documentary about Onkalo) Insitu stellt Zyklus IV vor. Der Zyklus besteht insgesamt aus drei ehrgeizigen Ausstellungsprojekten, die die Besucher in unterschiedliche Welten führen. Als Ausgangspunkt des Experiments dienen außergewöhnliche Momente – in Bezug auf wissenschaftliche Entdeckungen oder auch bekannte Ereignisse, die das gesellschaftliche Bewusstsein geprägt haben. Corridor I: Onkalo ist die erste Ausstellung der Reihe mit einem ortsspezifischen Werk von Armin Keplinger und HeHe, Egor Kraft und Klaus Lutz. Im Jahr 2020 wird in Finnland unter dem Namen Onkalo das erste, auf langfristige Zeit geplante Endlager der Welt für radioaktive Abfälle fertiggestellt sein. Onkalo ist ein in geologischen Tiefen gelegener Bau, der über einen Zeitraum von 25 Jahren gebaut wird und dazu dient, radioaktiven Atommüll sicher bis zu dessen Zersetzung in 100.000 Jahren zu lagern.

Bis: 21.1.2016
Wo: Insitu, Kurfürstenstraße 21-22, 10785 Berlin
Wann: Donnerstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr

via insitu – Corridor I: Onkalo ©insitu/Corridor I

Konstantin Grcic – Playtime (Charlottenburg)

Bekannt als einer der wichtigsten Industriedesigner der Gegenwart, schafft Konstantin Grcic Entwürfe, die geprägt sind durch Einfachheit und Verständlichkeit in Form und Materialität und gleichzeitig auf humorvolle Weise provozieren. Eine der jüngsten Arbeiten der Ausstellung ist die Licht- und Soundinstallation EPOCSODIELAK (rückwärts: Kaleidoscope), die 2016 als Unikat in Zusammenarbeit mit dem Grafikdesigner Mirko Borsche entstanden ist und in der Galerie Max Hetzler zum zweiten Mal gezeigt wird. Bestehend aus einem Laser, einem Stroboskop, Bühnen- und farbigen LED-Spots, Lautsprechern, einem Mischpult und einer Nebelmaschine bildet Epocsodielak eine gewaltige, mobile Diskomaschine. Ihr reduziertes Design lässt die beeindruckende Schlagkraft kaum erahnen, die mit der einfachen Bedienung durch ein Smartphone ausgelöst werden kann und jede Umgebung in einen Club verwandelt.

Von/Bis: 5.11.2016-23.12.2016
Wo: Galerie Max Hetzler, Goethestraße 2-3, 10623 Berlin
Wann: Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr

Julian Röder – Recht und Raum (Zehlendorf)

Seit fünfzehn Jahren baut der in Ostberlin aufgewachsene Fotokünstler Julian Röder (Jg. 1981) ein beeindruckendes Werk zum Thema Macht und Ökonomie auf, das bereits internationale Beachtung fand und nun zum ersten Mal in einer größeren Überblicksausstellung in Berlin zu sehen ist. Im Rahmen des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste hat Julian Röder die neue Serie Licht und Angst verwirklichen können, die in der Ausstellung vorgestellt wird. Dabei führt der Künstler seine Recherche zum Thema Macht und Ökonomie bis in die Bereiche Gedankenfotografie und Verschwörungstheorien fort. Er begibt sich zudem in ein Umfeld irrationaler mystisch überhöhter Gesellschaften, denen Intuition mehr gilt als rationales Denken. Dabei richtet er sein Augenmerk auf Gruppen, für die altgermanische Mythen und magische Orte größere Bedeutung haben als wissenschaftliche Argumente.

Von/Bis: 18.11.2016-12.2.2017
Wo: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, 14163 Berlin
Wann: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr

Chan Sook Choi – Re Move (Kreuzberg)

Für ihre Arbeiten in der Ausstellung Re move hat die koreanische Künstlerin Chan Sook Choi mit Zwangsprostituierten zusammengearbeitet, die während des Zweiten Weltkriegs in japanischen Bordellen tätig waren. Außerdem geht es um ältere Japanerinnen, die in der postkolonialen Phase Japans koreanische Arbeiter heirateten und ihnen nach Korea folgten. Chois Werke beschäftigen sich mit der Identität der Künstlerin als Frau ebenso wie mit der Geschichte ihrer Großmutter, der einzigen Migrantin der Familie.

Bis: 22.11.2016
Wo: Grimmuseum, Fichtestraße 2, 10967 Berlin
Wann: Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr

Abbildung: Grimmmuseum. ©Chan Sook Choi

Levalet – Little Boxes (Mitte)

Open Walls Gallery präsentiert Little Boxes, die erste Solo-Ausstellung in Deutschland von Charles Level, besser bekannt als Levalet. Obwohl als Künstler noch relativ jung, hat er sich bereits mit seinen spielerisch-witzigen Collagen und Bildern einen Namen in den Straßen von Paris gemacht. Seine Herangehensweise konzentriert sich auf eine Wechselwirkung zwischen dem Gegenstand der Kunstwerke und die Dimensionen und Eigenschaften des Raumes, in dem sie sich befinden. Levalet schafft nicht nur Street Art, er entwickelt sie in seinem persönlichen Stil.

Bis: 17.12.2016
Wo: Open Walls Gallery, Schröderstraße 11, 10115 Berlin
Wann: Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr, Samstag von 14 bis 18 Uhr

Angela Dwyer – er-hebung (Tiergarten)

Der Begriff „Erhebung“: Etwas erhebt sich, wird auf etwas aufgebaut. „Erhebungen“ sind Aufschichtungen, künstliche Hügel. Und natürlich auch politische Umschichtungen, Volksaufstände. Seit 1172 sind in Berlin 78 künstliche Erhebungen aufgeschichtet worden, in der Höhe zwischen 20 und 87 Metern, die letzte im Jahr 1997. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste Berlin 15 Prozent des Trümmerschutts von ganz Deutschland beseitigen. Was als Baumaterial nutzbar war, fand im Wiederaufbau der Stadt Verwendung; der Rest wurde auf die Trümmerberge verteilt, die sich im flachen Berliner Land erheben. Diese Haufen und Erhebungen aus Schotter und Beton bergen die Geschichte Berlins. Erhebung ist als Blick unter die Oberfläche dieser Trümmerberge angelegt, unter die Bäume und das Gras, und die darüber gelegten trügerischen Parklandschaften.

Bis: 23.12.2016
Wo: Galerie Born Berlin, Potsdamer Straße 58, 10785 Berlin
Wann: Dienstag bis Samstag von 11 bis 18 Uhr

Galerie Born Berlin. ©Angela Dwyer

Doggyssage (Mitte)

Zum Abschluss ausnahmsweise mal ein Tagestermin in der Top-Liste: Denn die Klassenfeind Gallery braucht genau Dich. Egal ob Du groß, klein, dick, dünn, frisch gestylt oder ein harter Brocken bist. Am 26.11. übernimmst du die Leine und weist Deinem Herrchen den Weg zur Oranienburger Straße 22. Dein Herrchen spurt nicht? Dann beiß‘ ihm in den Arsch und zerre ihn zur Klassenfeind Gallery, denn hier ist der Hund los. Heute wird nicht auf der Couch gefaulenzt. Es werden nun Veränderungen durchgesetzt, die Du schon eine Ewigkeit vor Dir herschiebst. Schluss mit den falschen Versprechungen, von wegen, gleich gehen wir spazieren! NEIN! Jetzt wird Tacheles geredet! Also komm zu unserem kostenlosen Fotoshooting, bei dem Dich der bekannte Tacheles-Künstler Tim Roeloffs höchstpersönlich von Deiner besten Seite ablichten wird. Denn Du hast die Chance ein echtes Model zu werden. Dein Portrait wird daraufhin für eine von Tims coolen Collagen verwendet, für welche seine Hunde Pivo und Jack schon so oft Modell gestanden haben.

Wo: Klassenfeind Gallery, Oranienburger Straße 22, 10178 Berlin
Wann: 26.11.2016, 13 Uhr

Foto Galerie

Eigen + Art Lab, Torstr. 220, 10115 Berlin

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