Kunst und Boxkämpfe

Ein Kampf für Geschichte

"Box-Musicals" gibt es schon ein paar. Auf der "Fight Night" bleibt die Zweiteilung aber ein wenig akkurater: Echte Boxkämpfe wird es ebenso geben wie das Theaterstück um den 1944 ermordeten "Zigeunerboxer".
"Box-Musicals" gibt es schon ein paar. Auf der "Fight Night" bleibt die Zweiteilung aber ein wenig akkurater: Echte Boxkämpfe wird es ebenso geben wie das Theaterstück um den 1944 ermordeten "Zigeunerboxer".
Pankstraßenkiez - Kunst und Kampf gehen oftmals Hand in Hand, das zeigen allein schon die Jahrhunderte alten Traditionen ostasiatischer Kampfsportarten. Die Veranstaltungsreihe "Fight Night Events" versucht dafür immer wieder zu sensibilisieren, die Abende aus Theater und Boxkampf weisen oft über den Sport hinaus auf historische Ereignisse. So auch das Theaterstück "Zigeunerboxer" am 21. Dezember.

Adil Cifci, der Betreiber des Weddinger Sportveranstaltungsraumes „Fight Night“ hat sich der kunstfertigen Aufarbeitung seiner Zunft verschworen. Der Boxmanager und -veranstalter erscheint nicht gerade als erste Anlaufstelle für hochkulturelle Events, doch tatsächlich eignet sich die Boxplattform im Wedding hervorragend, um Sport und gesellschaftlichen Anspruch miteinander zu verknüpfen.

Seit 2004 organisiert der Club regelmäßige Boxkämpfe, trägt unbekannte Underdogs des Weddings und Berliner Boxgrößen in fairen Kämpfen unter dem Serienlabel „Fight Night“ zusammen. Wieso nicht zusammenbringen, was sinnvoll zusammenpasst – das trifft nicht nur auf den Partner im Sparring und den Gegner beim Turnier zu. Also ist die „Fight Night“ zunächst erweitert worden um andere, zunehmend exotische Kampfsportarten, letztlich auch um das K-1-Regelwerk, bei dem Kämpfer verschiedener Disziplinen wie Karate und eben Boxen in einen ausgewogenen Zweikampf treten können.

Und selbst da hält der „Boxclub“, der er nun schon gar nicht mehr ist, an. Die „Fight Nights“ beginnen langsam, ganz langsam, sich aus dem schwitzigen Ring zu kämpfen, hin zur Übertragbarkeit eines einzelnen Events auf die Umtriebe moderner Gesellschaft. Was sagt ein Boxkampf über Fairness aus? In welchem Verhältnis stehen Kampf und Gesellschaft? Wo hört der Kampf auf, wo fängt die Performance an? Was kann die Verbindung von Boxkampf- und Theaterinszenierung kritisch offenbaren?

Zwischen Theaterstück und Boxkampf

Zu metaphysisch? Die „Fight Night Events“ bleiben auf dem Boden und zeigen mit dem „Zigeunerboxer“ am 21. Dezember ein Stück nationalsozialistische Geschichte Berlins auf. Andreas Kunz wird in dem Theaterstück von Rike Reiniger den namesgebenden sinto-deutschen Boxer Johann Trollmann spielen und dessen tragische Geschichte nachkämpfen. Trollmann war in einem KZ im Zweiten Weltkrieg umgekommen.

Johann „Rukeli“ Trollmanns Boxkarriere endete nach einer K.O.-Niederlage gegen den Deutschen Gustav Eder, bei dem ihm verboten wurde, in seinem typischen Stil zu kämpfen – sogar, Distanzschläge zu gebrauchen. Ein abgekartertes Spiel, um die arische Überlegenheit Eders zu demonstrieren. Ein Jahr nach der Niederlage kämpfte Trollmann an der Ostfront. Kaum zurückgekehrt, wurde er deportiert. Im KZ hat die SS ihn zu Boxkämpfen herausgefordert. Nach einem Sieg seinerseits im Jahr 1944 wurde er im Lager totgeprügelt.

Was über den Abend hinausstrahlen wird, sind Fragen über modere Rassismen. Im Ring und darüber hinaus. In den Räumen der „Fight Night“ fehlt für die Beantwortung solcher Fragen eigentlich nur noch ein Boxring mit schräger Kampffläche, so einen, wie ihn das Künstlerkollektiv „Bewegung Nurr“ vor ein paar Jahren mal baute, um auf Trollmanns Kampf hinzuweisen.

„Zigeunerboxer“, 21. Dezember im Studio 14 der uferstudios. Tickets kosten 15 Euro, ermäßigt 10 Euro.

Uferstudios, Uferstraße 8, 13357 Berlin

Telefon 030 46060887

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