Eröffnung im Martin-Gropius-Bau

Große Retrospektive für eine Berlinerin

Viele von Meret Oppenheims Objekten sind nicht ganz alltagstauglich.
Viele von Meret Oppenheims Objekten sind nicht ganz alltagstauglich.
Friedrichstadt – Meret Oppenheim wäre im Oktober 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmet der Martin-Gropius-Bau der 1985 verstorbenen Künstlerin eine ausführliche Retrospektive – von den Anfängen im Pariser Surrealismus bis zu ihrem poetischen Spätwerk. Die Ausstellung ist bis zum 1. Dezember zu sehen.

„Es sind die Künstler, die träumen für die Gesellschaft.“ – Dieses Zitat aus einem Artikel der National-Zeitung Basel steht exemplarisch für Meret Oppenheims Herangehensweise an die Kunst. Traumhaftigkeit und Experimentierfreude ziehen sich durch das gesamte Werk der gebürtigen Berlinerin, die ihre ersten Schritte in die Szene bei den Surrealisten der 1930er Jahre in Paris machte. Bekannt wurde ihre dortige Model-Tätigkeit für Man Ray und ihre Beziehung zu Max Ernst, doch auch die viel beachtete eigene Arbeit „Die Pelztasse“ stammt aus jener Zeit. Aufgewachsen ist Oppenheim in Süddeutschland und der Schweiz – ins Land der Eidgenossen kehrte sie 1937 nach ihrer Pariser Zeit auch zurück.

Teil der dortigen Kunstszene wurde sie jedoch erst ab 1954 nach einer schöpferischen Krise. Besonders bezeichnend für ihre Arbeiten ist ihr spielerisch-humorvoller Umgang mit Alltagsgegenständen, die sie aus ihrem gewohnten Kontext in neue Zusammenhänge verpflanzt. Dementsprechend ist die Rezeption von Oppenheims Werken nicht immer leicht. Ihre Experimente entziehen sich einfachen Deutungen und der klaren Zuordnung zu Stilen und Gattungen. Auch ihr Verhältnis zur Gesellschaft war von einer nonkonformistischen Haltung gegenüber Festschreibungen geprägt. Mit den traditionellen Geschlechterrollen mochte sich Meret Oppenheim nicht identifizieren: „Die Sexualität war nicht mein Problem, ich habe mich selbst befreit. (…) Das Problem der Frauen liegt in ihrer Situation innerhalb der Gesellschaft“, sagte sie in einem Interview.

Erotische Objekte und Design jenseits von Nutzwert

Bei der Zusammenstellung der Retrospektive arbeitete Kuratorin Heike Eipeldauer eng mit der Familie von Meret Oppenheim und dem Kunstmuseum Bern zusammen. Letzteres beherbergt ein Archiv zur Künstlerin. Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau, die vom 16. August bis 1. Dezember zu sehen ist, spannt den großen Bogen über Oppenheims Werk.

Da die Künstlerin bestimmte Themen im Laufe ihres Schaffens immer wieder aufgriff, ziehen auch die Veranstalter thematische Schwerpunkte einer rein chronologisch geordneten Schau vor. Dazu gehören verschlüsselte Selbstdarstellungen, erotische Objekte, Traumszenen und Mythen, Metamorphosen und Fabelwesen oder die Darstellungen des Unsichtbaren. Zu sehen sind Zeichnungen, Gemälde, Objekte und Collagen, aber auch Dichtung und Notizen zu Träumen. Für den modernen Großstädter dürften Oppenheims mit Humor und Fantasie gestaltete Designobjekte, Kleider und Schmuckstücke besonders interessant sein.

Die Meret Oppenheim-Retrospektive ist bis zum 1. Dezember außer dienstags täglich von 10 bis 19 Uhr im Martin-Gropius-Bau zu sehen. Der Eintritt kostet 10, ermäßigt 7 Euro. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürfen umsonst rein.

Martin-Gropius-Bau Berlin, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin

Telefon 030 254860
Fax 030 25486107

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Mittwoch bis Montag von 10:00 bis 19:00 Uhr
Dienstag geschlossen

Der Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg: Ab Juni 2012 werdne iher die Werke der Fotografin Diane Arbus gezeigt.

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