Fotoausstellung

Fotobeweise: Die Tacheles-Legende lebt

Fotobeweise: Die Tacheles-Legende lebt
Stefan Schilling war dabei, als das Tacheles noch die Kultstätte in Mitte war. Seine Fotos zeigt die Ausstellung Tacheles 27.
Auch nach über vier Jahren Leerstand ist das Tacheles ein Ort, der die Gemüter von Nostalgikern, Visionären, (Normal)Berlinern und Touristen bewegt. Zum Geburtstag der einstigen Kultstätte schenkt uns die Klassenfeind Gallery eine Insider-Fotoausstellung.

Bevor in Zukunft im und um das Tacheles neue Zeiten anbrechen, lässt Stefan Schilling vor unseren Augen noch einmal den Mythos aufleben. Und Stefan Schilling ist nicht irgendwer: Er war dabei, als sich das Tacheles zum Publikumsmagneten für Szenegänger und Touristen gleichermaßen entwickelte. Als Maler, Grafiker, Kurator und Fotograf gestaltet er nicht nur das Underground-Kulturleben mit, sondern hielt es auch professionell und kunstvoll für die Nachwelt fest. Die Klassenfeind Gallery, die sich seit anderthalb Jahren als Ausstellungsort ehemaliger Tacheles-Künstler annimmt, präsentiert Tacheles 27 – wie der Name schon verrät – rechtzeitig zum 27. Geburtstag des ehemaligen Kunstbetriebs.

Am 13. Februar 1990 besetzte nämlich die Künstlerinitiative Tacheles die Gebäudereste der Friedrichstraßenpassage, die vor über 100 Jahren zunächst als zweitgrößte Shoppingarkade Berlins beeindruckte, dann zweckentfremdet von der AEG, den Nazis und dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (natürlich nacheinander) Raum bot. Auch eine Artistenschule, eine Hundeschuranstalt und ein Kino fanden hier Platz, bis in den 1980er Jahren der Abriss der vielseitig genutzten Ruine beschlossen wurde.

Als die kreativen Hausbesetzer einschritten, waren schon einige Gebäudeteile in Schutt und Asche gesprengt worden, doch wie durch ein bürokratisches Wunder gelang es der Initiative tatsächlich, die Gebäudereste unter (vorläufigen) Denkmalschutz stellen zu lassen. Das war der Auftakt zur Umgestaltung des historischen Einkaufszentrums in ein weltberühmtes Kunstareal, das schon bald den Namen der Initiative übernehmen sollte und fortan als Tacheles in jedem Reiseführer zu finden war.

Trotz des großen Erfolgs, der sich leider nur anhand der Besucherzahlen und nicht  durch finanzielle Einnahmen bemessen ließ, endete das moderne Kunstmärchen mit der Räumung Ende 2012. Die meisten Tacheles-Künstler sind nun in der Alten Börse Marzahn anzutreffen, während auf dem Gelände an der Oranienburger Straße Bagger hinter hohen Zäunen die Neuauflage der kommerziellen Nutzung vorbereiten. Schicke Büros, schicke Wohnungen, ein schickes Hotel und schicke Geschäfte sind geplant. Tacheles 27 gibt uns neue und altbekannte Einblicke in die abgefahrene Welt des selbstbestimmten Kunsthauses.

Zu sehen sind die Fotografien von Stefan Schilling vom 11. Februar bis 11. März 2017. Zum tatsächlichen Geburtstag am 13. Februar 2017 kündigt die Galerie ab 11 Uhr eine Geburtstagsfeier mit Überraschung an. Geöffnet von Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr. Mehr Infos zur Ausstellung auf Facebook.

Klassenfeind Gallery, Oranienburger Straße 22, 10178 Berlin

Telefon 030 98344504

Webseite öffnen
E-Mail schreiben


Montag, Mittwoch bis Freitag von 09:00 bis 19:00 Uhr
Dienstag von 11:00 bis 19:00 Uhr
Samstag von 10:00 bis 18:00 Uhr

XMAS Newsletter

Weitere Artikel zum Thema Ausstellungen

Ausstellungen | Kultur + Events

DDR-Opposition im Faschingskeller

Es ist eine kleine Sensation: Erstmals öffnet die Akademie der Künste am Pariser Platz ihren […]
Ausstellungen | Freizeit + Wellness | Kultur + Events

Westeros kommt nach Reinickendorf

Die Fantasy-Serie Game of Thrones hat Millionen Fans weltweit. In einer Ausstellung im Januar 2019 […]
Ausstellungen | Kultur + Events | Neueröffnungen

Sei kein Muggel!

Beeil dich, der Zug nach Hogwarts rollt ein! Nach vier Jahren Wartezeit kommt die ultimative […]
Ausstellungen | Essen + Trinken | Kultur + Events | Museen

Kunst wird populär im Prinzessinnenpalais

Wo früher preußische Prinzessinnen wohnten, ist jetzt die Kunst zu Hause. Das neugestaltete PalaisPopulaire besticht […]