Kunstinstallation auf offenem Gelände

Jeder kann Sieger sein. Vielleicht ...

Einmal als strahlender Sieger fühlen? Im Monbijoupark beleuchtet - beschallt! - eine schnittige Kunstinstallation die Schattenseiten des Aufstiegs.
Einmal als strahlender Sieger fühlen? Im Monbijoupark beleuchtet - beschallt! - eine schnittige Kunstinstallation die Schattenseiten des Aufstiegs.
Monbijoupark - Ab nächsten Samstag können sich Passanten der Grünfläche an der Oranienburger Straße kurz als Sieger fühlen. Die Künstlergruppe BEWEGUNG NURR hat im Monbijoupark Boxen und Siegertreppchen aufgestellt, um mit einer simplen Kunstinstallation ausdrucks- und audiostarke Gesellschaftskritik zu üben.

Sich als Sieger fühlen, es aber vielleicht doch nicht sein – das muss sehr deprimieren. Sinnbildlich steht dafür das Siegertreppchen, auf das man sich ab Samstag im Monbijoupark stellen kann. Steigt man auf Platz 1 des Treppchens, wird man in unregelmäßigen Abständen von Boxen beschallt, die in einiger Entfernung auf einer Art Jägerhochsitz angebracht sind. Von hier aus schießen die Boxen die Wörter „Vielleicht“ und „Wahrscheinlich“ auf den selbsternannten Sieger.

Feierlich eröffnet wird die Installation mit einer Vernissage am Samstag um 17 Uhr. Den Abend musikalisch abrunden wird ein Violoncello-Solo von Yorick Alexander Abel, der mit Bach und eigenen Stücken den Park belebt. Außerdem steht eine Performance von Fabian Joest Passamonte und Jens Meinrenken an, garantiert wird es auch ein Glas Sekt oder Wein geben.

Wer Sieger sein will, bekommt auch mehr auf die Ohren

„JEDER KANN ES SCHAFFEN“ heißt die gefeierte Kunstinstallationn im Park und bis zum 12. Oktober kann eben auch jeder das Siegerpodest erklimmen. Dass oben „vielleicht“ und „wahrscheinlich“ nicht alles gold ist, was glänzt, wird schnell deutlich. Die Künstlergruppe BEWEGUNG NURR hat für das Audio- und Kunstprojekt auf offenem Gelände mit dem ABEL-Büro für Neue Kunst kooperiert und wird vom Bezirksamt Mitte gefördert. Der Performer Meinrenken ist es auch, der mit anderen hinter ABEL steckt. Für ihn symbolisiert das beschallte Siegerpodest ganz besonders die Volkskrankheit Burn-Out und den Druck zur Leistungssteigerung. Der Vergleich drängt sich auf.

Mit dieser Interpretationshilfe erübrigt sich so manches – die Installation wird dadurch ernüchternd eindeutig in ihrer künstlerischen Geste und gleichzeitig erleuchtend gesellschaftskritisch durch ihre ernüchternden Worte: „Wahrscheinlich“, „Vielleicht“, es nivelliert das ganze Treppchen. „Die Installation der BEWEGUNG NURR versinnbildlicht, dass die Trenderkrankung Burn-Out nicht nur eine Krise des arbeitenden Individuums ist, sondern zuerst als Symptom unseres Systems zu kritisieren ist.“, schreibt Meinrenken und legt nahe, wie aus dem „wahrscheinlichen“ Siegertreppchen die soziale und Karriereleiter wird. Sozio-ökonomisch aufzusteigen geht auch gleichzeitig mit Einschränkungen einher, mit Unsicherheiten. Wie sicher ist denn noch der Aufstieg, wenn er mit einem „Vielleicht“ infrage gestellt wird? Wer auf dem Treppchen höher hinaus will, bekommt auch mehr auf die Ohren.

Einweihung am Samstag, 21. September um 17:00 Uhr. Ausstellung im Monbijoupark bis zum 12. Oktober.

Monbijoupark, Monbijouplatz, 10178 Berlin

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