Charlottenburg, Wilmersdorf
Kurfürstendamm

Alle Welt trifft sich am Ku'damm

Alle Welt trifft sich am Ku'damm
Rund um den Ku'damm tut sich derzeit eine Menge.
Vor vielen Jahren bot der Ku’damm Nachtlokale und aufregenden Zeitvertreib für junge Leute. Nun steht der Besucher zwischen Modeketten und Snacktempeln auf der Baustelle. Trotzdem scheint die Einkaufsstraße bei Facebook-Nutzern sehr beliebt zu sein.

Wer jung ist, ist auf Facebook. Und was finden die jungen Leute an Berlin besonders spannend? Sicherlich ist es eine der vielen coolen Ab-vom-Touristenweg-Locations wie der Mauerpark am Grenzstreifen, das Berghain oder selbst die Kreuzberger Admiralbrücke. Nein, nach diesen Orten schreit kein Hahn, wenn man der vom Social Network-Riesen Facebook veröffentlichten Liste glauben darf. Ganz oben auf der Rangliste unter den Berliner Sehenswürdigkeiten steht der Ku’damm.

Wie ist das passiert? Die Methode war denkbar einfach: Facebook untersuchte 25 Großstädte auf der ganzen Welt auf die Orte, bei denen sich User am häufigsten verorten ließen. So wissen mit ihnen verbundene Benutzer, wo sie im Augenblick zu finden sind.

Reizende Baustellen

In der deutschen Hauptstadt liegt gerade der Ku’damm auf Platz eins. Die Einkaufsmeile des Berliner Westens weckt die Reiselust der Generation Facebook und das nachdem Christiane F.s „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, eine mögliche Komponente für Interessensteigerung, vor über 30 Jahren veröffentlicht wurde. Was könnte so anziehend auf Berlinbesucher wirken? Schaut man sich auf der Straße um, fragt  man sich, wie ein paar H&Ms, ein Starbucks und ellenlange Baustellen so eine magische Wirkung haben können. Nicht mal mehr der Buchladen ist dort zu finden, das Buch über die Jugend des nahegelegenen Bahnhofs ist also auch nicht zu bekommen. Unglaublich, dass ein Mensch so ein unspannendes Leben führt, dass er seine Freunden über das Netzwerk wissen lässt: „Ich bin am Ku’damm, ist echt super hier.“

Als gäbe es in Berlin – besonders dem heutigen Berlin – sonst nichts zu tun. Wo sind die Massen, die durch das Watergate hüpfen, am Kotti die Bars unsicher machen oder im Kater Holzig bis in die Puppen tanzen? Wahrscheinlich sind sie genau da und nicht auf Facebook, wo manche ihr Leben vor den desinteressierten Augen der über 200 Freunde ausbreiten. Die folgenden Orte dieses Touristen-Best-ofs sind ähnlich einschläfernd: Kein geringerer als das Touristenmekka Brandenburger Tor belegt Platz zwei. Das Monument verweist die O2-World, das KaDeWe und den Potsdamer Platz auf die Plätze.

Die „Generation Facebook“ wird bald vierzig

Kann man diese Platzierungen als taktisches Manöver durchtriebener Teenies werten, bei dem sich die Brut dem sorgenden Blick der Eltern entzieht? Sind es vielleicht die Partystudenten, die durch konservative Ortswahl Mutti und Papi signalisieren wollen, dass sich der Scheck für nächsten Monat noch lohnt? Man glaubt es womöglich, wenn man es sich oft genug sagt. Doch dann merkt man den Fehler im System: Die „Generation Facebook“ besteht mit wachsender Zahl aus Leuten um die 40. Die User in diesem Alter sind durchaus gewillt, gemütlich über den verstaubten Ku’damm zu spazieren, Fotos vor dem Brandenburger Tor zu machen oder die O2 World für ein Konzert aufzusuchen.

Nach dieser Erkenntnis stellt sich heraus, dass diese Liste viel weniger Berlin als Facebook charakterisiert. Dessen User scheinen älter und gesetzter zu sein, als das Netzwerk-Image signalisiert. Berliner brauchen keine Liste um zu wissen, wo der Geist der Stadt aktiv ist: Die Clubs, Kaffeehäuser, Parkanlagen und Ufer bringen Leute zusammen. Facebook ist dagegen nur eine müde Attrappe.

Alle Welt trifft sich am Ku'damm, Kurfürstendamm, 10115 Berlin

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