TV-Comeback

Zum Fürchten gut: Kurt Krömer so krass wie nie

Zum Fürchten gut: Kurt Krömer so krass wie nie
Kurt Krömer will nicht von Leuten gemocht werden, auf die er keinen Bock hat.
Mit „Die Kurt Krömer Show“ wurde er zum Kult. Nun hat der bissige Entertainer keine Lust mehr auf eine „Comedy-Bumsbude“, wie er sagt, und das bekommen seine Gäste im TV zu spüren…

Als Zuschauer vor dem Bildschirm sind wir auf der sicheren Seite, der Gast im Studio bei Kurt Krömer ist es nicht. Das neue Format Chez Krömer klingt anheimelnd, ist aber das genaue Gegenteil. Wer hier im Verhörraum – ja, ganz richtig: harte Stühle statt Kuschelcouch – Platz nimmt, muss auf alles gefasst sein. Denn Krömer ist nicht nur in Bestform mit bösem Witz und Impro-Sicherheit, er ist auch umfassend vorbereitet. Seine Fragen haben Sprengkraft und sind von seinem Redaktionsteam ordentlich recherchiert und fundiert. Hinter dem neuen Konzept steht als Produzent kein geringerer als Friedrich Küppersbusch. Wer zu jung ist, um die ZAK-Ikone zu kennen, kann sich trotzdem freuen, dass Kurt Krömer mit dem Idol seiner eignen Jugend – neben dem scharfzüngigen Polit-Satiriker verehrte Krömer damals nur noch Fury und Colt Siever – jetzt gemeinsame Sache macht. „Wenn ick det Streichholz bin, is Küppersbusch der Brandbeschleuniger“, erklärt Krömer das neue Dreamteam des RBB.

Internet vor TV

Zunächst sind vier Sendungen geplant, dann schaut man mal, wie es weitergeht: ob das Publikum die Sendung annimmt und ob man überhaupt noch Gäste findet, die sich Krömer stellen wollen. Die Quote sei auf jeden Fall egal, betont RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus. Krömer genieße eine Freundschaft Plus mit dem Sender, der sich ja immer gern experimentierfreudig zeige. Mit Chez Krömer geht man ein überschaubares Risiko ein. Der ehemalige Wahl-Neuköllner erfreut sich über die Grenzen Berlins hinaus großer Beliebtheit und seine Fernsehabstinenz war selbst gewählt. Nun kehrt er auf den Bildschirm zurück, um sein „geliebtes Medium Fernsehen“ zu retten und ins 21. Jahrhundert zu begleiten: „Internet first“ heißt seine Devise: User können die aktuelle Sendung schon am Vortag online sehen und dort bleibt sie auch ein Jahr in der Mediathek – als Service für überregionale Fans und eine Generation, für die starre TV-Programmzeiten überholt sind.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Kurt Krömer (@kurt_kroemer_berlin) am Jul 24, 2019 um 7:56 PDT

Krömers neue Masche

Dreißig Minuten lang sind die Gäste Krömers Verhör ausgeliefert in einem Raum, den die Stasi nicht hübscher hätte dekorieren können. In den ersten Sendungen trifft Krömer bekannte Persönlichkeiten, Politiker und eine Showgröße.  „Die Gäste finde ich schon jetzt fürchterlich, aber genau darin liegt ja der Reiz“, meint Krömer dazu. Der Erste, der das zu spüren bekommt, ist Motivationstrainer Jürgen Höller. Ein Mann, der weiß, wie das Vermarktungsgeschäft läuft und wie man Fehler aus der Vergangenheit schönredet. Wie stark Krömer ihn mit seinen illegalen Machenschaften und dekadentem Lifestyle konfrontieren und unter Druck setzen würde, hat der erfahren Talkshow-Gänger Höller ganz sicher nicht geahnt… Am Ende verließ er das Studio grußlos. Krömer, der weder ein Moralapostel noch political correct sein will, legt ein journalistisches Format vor, das garantiert kein Abklatsch alter Erfolge wird. Man wolle nicht die Asche verehren, sondern die Fackel weiterreichen… Krömer scheint auf jeden Fall bereit, einen Flächenbrand zu riskieren.

„Chez Krömer“ läuft ab 3. September 2019 immer dienstags um 22 Uhr im RBB, online ist die aktuelle Sendung einen Tag vorher verfügbar.

Weitere Artikel zum Thema

Wohnen + Leben
… und die Kantstraße kann doch was!
Die grundehrliche Kantstraße wird oft als hässliche Stiefschwester des strahlenden Kudamms verkannt. Das ist unfair, […]