Ausflugstipp

Wochenende in Kyritz: Seenplatte und Plattenladen inklusive

Wochenende in Kyritz: Seenplatte und Plattenladen inklusive
Eines der schönsten Fachwerkhäuser von Kyritz steht auf der Westseite des Marktplatzes in der Johann-Sebastian-Bach-Straße. Zur Foto-Galerie
Eine Hansestadt in der Ostprignitz, ein Fluss, der eigentlich anders heißt, ein versteckter Klostergarten und der wahrscheinlich letzte Techno-Plattenhändler Brandenburgs – unser Ausflug nach Kyritz war voller Entdeckungen.

„Kyritz an der Knatter“ – so ist das 9000-Seelen-Städtchen im Landkreis Ostprignitz-Ruppin dem einen oder anderen geläufig. Was ein bisschen irreführend ist. Denn obwohl Hinweisschilder im Ort zum „Knatter-Shopping“ einladen und der vermeintliche Fluss sogar Inspiration für den Namen des Comic-Detektivs Nick Knatterton war, liegt Kyritz an der Jäglitz. Der Legende nach soll der Beiname Knatter einst aufgrund knatternder Mühlräder entstanden sein, wie die Webseite der Stadt zu berichten weiß. Nach Letzterer ist wiederum die Seenplatte benannt, die sich östlich von Kyritz in Nord-Süd-Richtung erstreckt – und eine der Hauptattraktionen der Gegend ist. Geschichtsbewusste Besucher dürfte interessieren, dass die Stadt als früheres Handelszentrum im 14. Jahrhundert sogar Mitglied der Hanse wurde.

Was du dir anschauen solltest

Als brodelndes Zentrum kann man Kyritz heute nun wirklich nicht bezeichnen. Aber deswegen sind wir auch nicht hergekommen. Das Städtchen hat vielmehr die entschleunigende Wirkung vieler Orte in Brandenburg. Die Altstadt ist zum großen Teil schön hergerichtet, aber es geht ruhig zu. Außer bei der jährlichen Kneipennacht – dann wird auch in Cafés und Restaurants getanzt. Einen Bummel bei Tageslicht ist der Ortskern auf alle Fälle wert.

Einige schöne Bauten stehen am Marktplatz: das burgähnlich aussehende Klinker-Rathaus von 1879, das Haus der Volksbank direkt gegenüber oder in Richtung Bahnhof das Fachwerkhaus Johann-Sebastian-Bach-Straße 42. Weithin sichtbares Wahrzeichen von Kyritz ist wenige Schritte entfernt die St. Marienkirche. Ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert, wurde sie im 15. und 18. Jahrhundert umgebaut und 1850 von August Stüler mit zwei Doppeltürmen im neugotischen Stil versehen.

Marktplatz von Kyritz mit Bassewitz-Brunnen und Rathaus (im Hintergrund) ©Triantafillou

Am nördlichen Ende der Weberstraße gibt es ein erfolgreiches Regenerationsprojekt zu besichtigen. Die dortigen Kleinsthäuser waren am Verfallen, werden nun jedoch denkmalgerecht saniert und als Ferienwohnungen angeboten. So macht das Sinn – findet auch unser Partner-Blog Liebling Brandenburg, der sich dem Projekt ausführlich widmet. Wer sich von der Baustelle nicht abschrecken lässt und dem Sträßchen noch ein paar Meter folgt, steht plötzlich vor der Mauer des Klostergartens. Das dazugehörige ehemalige Franziskanerkloster ist stark sanierungsbedürftig. Der Klostergarten wird jedoch gepflegt und für gelegentliche Veranstaltungen genutzt. Ein Blick hinein lohnt sich.

Teile der Stadtmauer von Kyritz sind erhalten. ©Triantafillou

Ebenfalls erhalten sind Teile der Stadtmauer, die genauso einen Abstecher wert ist wie der schön gestaltete Rosengarten in Bahnhofsnähe. Wenn das Wetter mitmacht, solltest du aber unbedingt zu den Seen knapp drei Kilometer östlich des Zentrums aufbrechen und einen Spaziergang an den bewaldeten Ufern des Untersees machen. Während der Saison (bis etwa Ende September) fährt außerdem eine Fähre zur Insel im See. Baden kannst du im Sommer auch – etwa im Strandbad Kyritz am Ende der Seestraße.

Endlich Sonne über dem Untersee bei Kyritz ©Triantafillou

Was du nicht erwartet hättest

Eine echte Überraschung für Nichteingeweihte: An der Ecke Pritzwalker/Perleberger Straße stehen wir plötzlich vor Kontor Records, einem leibhaftigen Plattenladen. Einmal drinnen wird die Verwunderung noch größer. Nicht nur, dass es hier jede Menge Vinyl gibt. Beim Scannen der Regale entdecken wir Namen wie 20:20 Vision, Relief, Underground Resistanceein Eldorado für House- und Techno-Fans scheint sich aufzutun.

Inhaber Ulf Karge betreibt den kleinen Laden seit 1994 und legt als DJ Housewart auch selbst Platten auf. Früher seien die Kunden aus dem ganzen Nordosten nach Kyritz gekommen, erzählt er. Heute ist die Situation vergleichsweise ernüchternd: Die Techno-Szene in Brandenburg sei faktisch tot, meint Karge. Verbliebene Fans gingen zum Feiern nach Berlin und natürlich mache die Digitalisierung einem Plattenladen zu schaffen. Der Pionier hat sein Sortiment ausgeweitet, verkauft inzwischen auch LPs und CDs aus den Bereichen Pop, Rock oder Soul. Über die Miete muss er sich immerhin keine Gedanken machen: Karge hat das schöne Haus, in dem Kontor Records residiert, Anfang der Neunziger gekauft.

Der erste und letzte Techno-Plattenladen Brandenburgs? ©Triantafillou

Was es zu essen gibt

Preiswerte, ordentliche Hausmannskost, selbstgemachten Kuchen und mit Glück wärmende Mittagssonne bekommst du im oder vor dem Café Schröder am Marktplatz. Der Innenraum ist allerdings im Zum Bassewitz, schräg gegenüber, gemütlicher. Außerdem gibt es dort hervorragenden Flammkuchen – leider nur noch bis März 2018, dann schließt das kleine Restaurant. Das gelobte Waldschlösschen, ein Hotel und Restaurant in der Nähe des Untersees, hatte leider Betriebsferien und das INSL auf der Insel im See Winterpause. Wer einen Abstecher ins nahe Wusterhausen nicht scheut, wird dort im Casa Nostra, einem Italiener direkt am See, nicht nur freundlich empfangen, sondern auch sehr gut verköstigt.

Wie du hinkommst

Mit dem Regionalexpress 2, betrieben von der ODEG, geht es von Berlin nach Neustadt (Dosse). Von dort bringen einen die Hanseatische Eisenbahn (RB73) oder der Bus nach Kyritz. Natürlich ist die Stadt aber auch über schöne Radwege oder mit dem Auto über die B5 zu erreichen.

Foto Galerie

Wochenende in Kyritz: Seenplatte und Plattenladen inklusive, Marktplatz 11, 16866 Kyritz

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