Inklusion im Sport

Von Fortschritt und begrenzten Mitteln

Von Fortschritt und begrenzten Mitteln
Unterschiede sind beim G-Judo des Budo Club Ken Shiki ganz normal. Zur Foto-Galerie
Die Inklusion von Behinderten war das Thema einer Informationstour des Landessportbunds Berlin. Deutlich wurde dabei zweierlei: Es gibt viele engagierte Menschen und hervorragende Sportler in diesem Bereich, doch auch noch einige Barrieren finanzieller Art.

„Inklusion ist ein langer Weg, der in den Köpfen beginnt“, sagte Klaus Böger, Präsident des Landessportbunds und ehemaliger Bildungssenator zum Auftakt der Bustour zu drei Berliner Sportvereinen, die die Inklusion von Behinderten exemplarisch umsetzen. Welche Probleme auf diesem Weg lauern können, erfuhren Böger und die ihn begleitenden Journalisten auf der zweiten Station der Tour.

Judotrainer Hamdy Mohamed, Vorsitzender des Budo Clubs Ken Shiki in Heiligensee, klagte über die hohen Kosten für seinen Verein, verursacht durch die notwendige dreifache Mitgliedschaft in Judobund, Behinderten-Sportverband und bei Special Olympics Deutschland, der Verbandsorganisation für geistig behinderte Sportler. Ken Shiki bietet als einer von wenigen Berliner Sportvereinen (eine Alternative: der TSV Spandau 1860) G-Judo an – Judo für geistig Behinderte. Rund zwei Drittel der 120 Vereinsmitglieder haben ein Handicap und verdienen oft nur wenige hundert Euro im Monat. Mit den Problemen konfrontiert, will Böger nun über eine „Zuschussstruktur“ nachdenken. Der Besuch in Heiligensee war ein Hinweis darauf, dass es zwar viele bewundernswerte Ansätze und Projekte gibt, die sich um Inklusion bemühen, doch weiterhin auch noch strukturelle und finanzielle Hindernisse bestehen.

Gemeinsam gut drauf

Vor fünf Jahren trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Bereits zwei Jahre zuvor gründete der Berliner Ruder-Club Hevella eine Behinderten- und Reha-Abteilung. Am Südhafen Spandau können seither Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung Rudern lernen und aktiv am Vereinsleben inklusive Wanderfahrten und Regatten teilnehmen. Worum es beim „Handicap-Rudern“ vor allem geht, symbolisiert der Name eines der vereinseigenen Boote: „Gut Drauf“. Anhand einer kleinen Demonstrationsfahrt von behinderten und nichtbehinderten Vereinsmitgliedern konnten sich die Teilnehmer der Bustour jedoch auch von den Fähigkeiten der Sportler überzeugen – der BRC Hevella hat eine Reihe nationaler und internationaler Erfolge vorzuweisen.

Der dritte Verein, den der Landessportbund vorstellte – der Sporttreff Karower Dachse – ist nach den Worten seines Vorstands Kirsten Ulrich in den Inklusionssport quasi  „hineingestolpert“. Ulrich, selber begeisterte Läuferin mit über 20 Marathon-Teilnahmen sowie Trainerin, wurde von einer Rollstuhlfahrerin angesprochen, die gerne am Vereinssport teilnehmen wollte. Die Dachse richteten die Möglichkeit dazu ein. Später entstand eine Laufgruppe für Menschen mit Down-Syndrom.

Laufen mit Band

Auch das Projekt „Lauftandem“, das auf der Bustour vorgestellt wurde, entstand 2011 auf Anfrage einer von einer Behinderung Betroffenen. Die 35-jährige Physiotherapeutin Constanze Thoms leidet an einer Sehbeeinträchtigung und wandte sich an Ulrich, weil sie dennoch Laufsport betreiben wollte. Beim Lauftandem, das die Karower Dachse daraufhin ins Leben riefen, sind ein Sehender und ein Sehgeschädigter durch ein Band miteinander verbunden. Zusätzlich gibt Ersterer Hinweise per Zuruf. Der Verein bietet eine Schulung für die ehrenamtlichen Begleitläufer an – ein deutschlandweit einzigartiges Projekt, das auch außerhalb Berlins auf großes Interesse stößt.

„Wir sind erst am Anfang“, antwortete Ulrich dennoch, als sie nach ihrer Einschätzung zum Stand der Inklusion gefragt wurde. Teilweise müssten etwa die Lauftandem-Guides noch extra Startgebühren bei Wettkämpfen zahlen. Dass die vorgestellten Projekte allesamt positive Schritte in die richtige Richtung sind, daran blieben bei den Besuchern allerdings keine Zweifel. Daniela Schulte, im Jugendalter erblindete Schwimmerin und mehrfache Goldmedaillengewinnerin bei den Paralympics, war ebenfalls an Bord des Busses. Ihr Fazit: „Ich fand das sehr beeindruckend, wie geistig Behinderte und nicht geistig Behinderte zusammen in einem Boot sitzen oder Judo betreiben.“

Foto Galerie

Diakoniezentrum Heiligensee, Keilerstraße 19, 13503 Berlin
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