Mehr Dienstausfälle

Langzeitkranke Lehrkräfte sind teuer

Das Lehrerpult und die Stühle bleiben leer. Die Zahl der langzeitkranken Lehrer hat sich verstärkt und auch bei Unterrichtsausfällen ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen..
Das Lehrerpult und die Stühle bleiben leer. Die Zahl der langzeitkranken Lehrer hat sich verstärkt und auch bei Unterrichtsausfällen ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen..
Derzeit sind in Berlin um die 1550 Pädagogen nicht diensttauglich. Damit haben sich die krankheitsbedingten Fälle in den vergangenen fünf Jahren stark vermehrt. Im Jahr schlagen dafür rund 50 Millionen Euro zu Buche. Auch die Zahl der ausgefallenen Unterrichtsstunden ist leicht gewachsen.

Nach wie vor steigen die Fälle von dauerkranken Lehrern drastisch. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl nahezu verdoppelt. Derzeit stehen den Schulen rund 1550 Pädagogen nicht zur Verfügung, mehr als 700 Lehrkräfte sind schon seit über einem Jahr nicht mehr aktiv im Schuldienst. Diese Zahlen gehen aus einer bislang unveröffentlichten Kleinen Anfrage des Grünen-Abgeordneten und Bildungsexperten Özcan Mutlu hervor. Der Senat schätzt die dadurch jährlich entstehenden Kosten auf weit über 50 Millionen Euro. Denn die Dauerkranken müssen durch neue Lehrer ersetzt werden. Damit einhergehend hat auch der Unterrichtsausfall weiter zugenommen.

Offenbar fruchtet das bisher angebotene Gesundheitsmanagement nicht. Darum plant die Bildungsverwaltung jetzt eine aufwändige Befragung von Lehrern und Erziehern in sämtlichen öffentlichen Schulen. Dem Vernehmen nach sei hierfür schon ein sechsstelliger Betrag im Entwurf für den Doppelhaushalt 2012/2013 einkalkuliert. Bildung-Staatssekretär Mark Rackles von der SPD erhofft sich durch die umfassende Befragung Antworten und Lösungen, wie man den hohen Krankenstand unter den Lehrern verringern kann.

Umfassende Befragungen geplant

Als „begrüßenswert“ bezeichnete die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW, diesen Vorstoß am Mittwoch. Allerdings müssten die richtigen Fragen gestellt und dann natürlich die richtigen Schlüsse gezogen werden. Angesichts des zunehmenden Krankenstandes hatte die Gewerkschaft verstärkt gefordert, Altersteilszeit und Altersermäßigung zu gewähren, um den Pädagogen das Durchhalten zu erleichtern. Die Dauerkranken sind laut Bildungsverwaltung im Durchschnitt 55 Jahre alt. Insgesamt gilt die Lehrerschaft in Berlin mit durchschnittlich 50 Jahren als überaltert. Allerdings heben Fachleute hervor, dass der Krankenstand nicht nur vom Alter abhängt, sondern auch an die individuelle Atmosphäre und Arbeitshaltung der Schulen geknüpft ist. Wenig erfolgreich waren die bisherigen Versuche, Langzeitkranke in die Frühpensionierung zu schicken, um einen Teil ihrer Besoldung zu sparen: Dafür notwendige amtsärztlichen Untersuchungen bedeuten einen hohen Zeitaufwand.

Außerdem komme es nach Informationen des Tagesspiegels noch immer vor, dass Lehrer amtsärztliche Termine versäumen. Jedoch wird der Ton der Verwaltung nun schärfer: Die betroffenen Lehrkräfte sollen dem Vernehmen nach nun nicht mehr damit durchkommen, wenn sie sich mit Attesten ihrer behandelnden Ärzte dem Besuch beim Amtsarzt entziehen wollen. Anders als Angestellte erhalten Beamte die komplette Fortzahlung des Lohns so lange sie krank sind, also mitunter über mehrere Jahre hinweg. Damit entginge ihnen im Fall einer Frühpensionierung viel Geld. Der Plan, Langzeitkranke auf freiwilliger Basis in andere Stellen zu vermitteln, sofern sie sich andere Beschäftigungen im Schuldienst zutrauen, sei kaum aufgegangen. Bei lediglich 31 Kräften gelang dies Rackles zufolge. „Weitere Maßnahmen“ prüfe man, um diese Zahlen zu verbessern.

Leichter Anstieg bei Unterrichtsausfällen

Noch etwas anderes hat die Kleine Anfrage von Özcan Mutlu zu Tage gefördert: Der Unterrichtsausfall ist wieder leicht angestiegen, nämlich von 2,1 auf knapp 2,3 Prozent. Jedoch gibt diese Zahl kein eindeutiges Bild. So sei der tage- oder in der Summe sogar wochenlange Ausfall im Rahmen der Abiturarbeiten hierbei nicht berücksichtigt. Weitere acht Prozent des Unterrichts werden nur in Vertretung gegeben – zum Teil von fachfremdem Lehrpersonal oder nur in der Form, dass Schüler Aufgaben erhalten, die ohne Aufsicht zu erledigen sind. Eine dringende Reaktion fordert Mutlu nun vom Senat in Form von Gesundheitsprävention, dem Einstellen von jungen Lehrkräften und der Entlastung der Beschäftigten.

Mit der Kampagne unter dem Leitsatz „Alte stärken“ kämpft die GEW seit einiger Zeit dafür, ältere Lehrer bei der Arbeit zu entlasten. Laut GEW ist Berlin das einzige Bundesland, in welchem den Lehrern ab 58 oder 60 Jahren keine Ermäßigung bei den Unterrichtsstunden gewährt wird. Diese Kürzung wurde im Rahmen der Sparzwänge gestrichen.


Quelle: Der Tagesspiegel

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