Zehn Gründe für Tegel

Urlaubsgefühle mitten in Berlin

Der Flughafensee in Tegel ist einen Ausflug wert - auch wenn die Sonne nicht vom Himmel lacht.
Der Flughafensee in Tegel ist einen Ausflug wert - auch wenn die Sonne nicht vom Himmel lacht.
Es gibt viele gute Gründe nach Berlin zu ziehen. Doch die Hauptstadt hat viel mehr als Prenzlauer Berg und Kreuzberg zu bieten. Zehn Gründe für eine besondere Kiez-Perle: Tegel.

„Tegel? Sie meinen den Flughafen?“ So oder so ähnlich beginnen häufig Gespräche über Tegel. Dabei findet sich, wenn man am U-Bahnhof „Alt-Tegel“ aussteigt, weder Flugzeuglärm noch der Flughafen Tegel. Im Gegenteil: Hoch oben im Norden Berlins, in Reinickendorf, liegt ein Stück Berlin, das so gar nicht mit den Großstadtvorstellungen von „groß, laut und dreckig“ zusammenpasst. Denn Tegel ist überschaubar, ruhig und vor allem grün. An dieser Stelle: Zehn Gründe, warum es sich lohnt, in Tegel zu wohnen.

1. Der Tegeler See. An dieser Stelle müsste man kaum noch etwas anderes hinzufügen. In Deutschlands Hauptstadt zu wohnen und fußläufig einen See zu haben, ist ein Luxus, den es in dieser Kombination selten gibt. Wenn im Sommer die Beine im Wasser baumeln, man mit einem Boot um die Inseln schippert, dann ist man Trillionen Kilometer vom Lärm und Schmutz der Großstadt entfernt.

2. Die U6. Tegel könnte als Dorf gelten, wäre da nicht die U-Bahnlinie 6, die das vermeintliche Nest mit halb Berlin verbindet. Einmal von Norden bis Süden durchquert die U6 Wedding, Mitte und Kreuzberg, um dann in Tempelhof-Schöneberg zu enden. Die gute Anbindung in die Stadt, der Bahnhof Friedrichstraße ist in 22 Minuten zu erreichen, ist nicht zu verachten.

3. Die Markthalle. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, das immer noch einen unglaublichen Charme besitzt. Bananen, Brot und Oliven werden frisch verkauft. Und das Beste: Meistens darf man sogar noch probieren, bevor gekauft wird. Die intime Atmosphäre lässt vergessen, dass Berlin so oft von der Anonymität regiert wird.

4. Der sonntägliche Flohmarkt. Eigentlich ist er seit Jahren nicht mehr so groß und schön, wie er einmal war. Auch der Platz direkt neben den S-Bahn-Schienen ist nicht sonderlich anziehend. Doch im Vergleich zu gehypeten Flohmärkten in der Stadt, wie der am Mauerpark oder Ostbahnhof, sind die Märkte am Rande noch authentisch und nicht auf Touristen-Geschäfte aus. Hier darf noch mehr gehandelt und gefeilscht werden. Und die Preise fangen tatsächlich auch mal unter einem Euro an.

5. Die Sechserbrücke. Vielleicht die schönste Brücke in ganz Berlin, nach der Oberbaumbrücke versteht sich. Eine rote Eisenbrücke, die zudem ein Stück Geschichte birgt: Ein „Sechser“ (ein ehemaliges Fünf-Pfennigstück) verpasste der Brücke ihren Namen, denn dieser musste Anfang des 20. Jahrhunderts für das Überqueren bezahlt werden.

6. Der Tegeler Forst. An dieser Stelle findet sich schon wieder die Natur? Sind wir eigentlich noch in Berlin? Ja, tatsächlich. Wenn auch nicht mitten drin. Stadtkindern wird oft vorgeworfen, ihnen sei der heimische Wald ein Rätsel. Wer aber so nah am Tegeler Wald aufwächst, der gewöhnt sich auch schnell an Wildschweine oder Füchse.

7. Die Humboldt-Bibliothek. Eine Lese- und Ruhe-Oase mitten in Tegel, die architektonisch ein Schmuckstück der Postmoderne ist. Sie entstand im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984 bis 1987, wurde von dem amerikanischen Architekten Charles Moore entworfen und 1989 eröffnet. Das laute Treiben um die Berliner Straße und das Tegeler Zentrum bleiben hier einfach draußen.

8. Tegels Unsichtbarkeit. Selbst die Berliner wissen nicht genau, wo sie aussteigen müssten, wenn sie nach Tegel wollten. Irgendwo Richtung Flughafen, also Norden, das ist klar. Dieses Unter-dem-Radar-Durchfliegen hat auch seine Vorteile: Tegel ist ruhig, nicht überlaufen – ein Refugium zum Leben neben der Großstadt.

9. Egal, wie lange noch in Tegel geflogen wird, oder ob nach der BER-Eröffnung weiterhin dort Flieger starten: Lange Zeit genossen die Tegeler eine schnelle Anbindung in die schöne, weite Welt. Einsteigen erlaubt.

10. Die Greenwichpromenade. Sie verdient ihren Namen aufgrund der Bezirkspartnerschaft mit dem Londoner Stadtteil Greenwich, eine englische Telefonzelle zeugt davon. Ob bei gelbem Laub oder zugefrorenem See: Zu jeder Jahreszeit lässt es sich hier flanieren oder verweilen. Im Sommer laden die Stufen am Ende des Weges auch zu einem Picknick am See ein. Urlaubsgefühle mitten in Berlin, auch das ist Tegel.


Quelle: Der Tagesspiegel

Urlaubsgefühle mitten in Berlin, Karolinenstraße 19, 13507 Berlin

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