• Samstag, 23. Juni 2012
  • von Susanna Gotsch

Elterninitiative in Lichtenberg

Kinderherzen stärken

  • Bernd Köpp
    Bernd Köpp mit seiner Elketochter Ronja. Foto: externe Quelle - ©J.Köpp

7000 Kinder jährlich kommen in Deutschland mit einem Herzfehler auf die Welt. Etwa 800 werden im Deutschen Herzzentrum Berlin operiert. Wie die 10-jährige Ronja aus Lichtenberg. Dass es ihr schnell wieder gut ging, hat sie der Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg zu verdanken. Doch deren Existenz steht auf der Kippe. Ihr Großvater hat deshalb eine Elterninitiative ins Leben gerufen.

Ronja kam mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt und wurde mit einem Jahr am Herzen operiert. Viele Jahre konnte sie gut damit leben, musste zwar regelmäßig zu Untersuchungen, blieb aber weitgehend beschwerdefrei. Bis zu ihrem 10. Lebensjahr. Ronja war ständig müde und hatte Schwächeanfälle. Eine erneute Operation wurde notwendig. Im Deutschen Herzzentrum Berlin bekam sie am 6. März 2012 eine menschliche Herzklappe transplantiert.

Anschließend ging’s zur Reha in die Kindernachsorgeklinik Berlin-Brandenburg in Bernau. Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer vierjährigen Schwester. Wo einst Walter Ulbricht wohnte, wurden die drei sechs Wochen rund um die Uhr betreut. In traumhafter Umgebung konnte die kleine Familie wieder zur Ruhe kommen und Kraft für die neue Lebenssituation schöpfen. "Ronja hat dort sogar ihr Seepferdchen gemacht", berichtet ihr Großvater Bernd Köpp.

Kindernachsorgeklinik in Berlin ist wichtig für Berliner Familien

Etwa 50 Prozent der Kinder, die in der Kindernachsorgeklinik betreut werden, behandelte vorher das Deutsche Herzzentrum Berlin, erzählt Thomas Höhn, Verwaltungsdirektor des DHZB und stellvertretender Vorsitzender der KNKBB. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die Berliner Einrichtung eng mit der in Bernau zusammen. "Das Deutsche Herzzentrum Berlin ist Mitgesellschafter. Wir stellen einen Arzt zur Verfügung, ohne dass die Klinik etwas dafür bezahlen muss. Uns ist es wichtig, dass die kleinen Patienten nach einem schweren Eingriff auch adäquat weiterbehandelt werden. Das kann der ambulante Bereich in der Frühphase nicht abdecken", so Höhn weiter.

In Bernau geht es nicht allein um das kranke Kind, sondern um die ganze Familie. Sie wird in den Prozess der Rehabilitation einbezogen. Jeder bekommt seine eigene Therapie. So wird nicht nur auf medizinischer, sondern auch auf physiologischer und psychischer Ebene betreut. Ronjas Mutter schwärmt noch heute von der Versorgung: "Was die dort leisten, ist einfach genial." Sporttherapie stand bei Familie Köpp vordergründig auf der Tagesordnung. Während die Mama bei Nordic Walking oder Aquafitness schwitzte, waren die Kinder mit Terraintraining, dem Wandern über Stock und Stein, beschäftigt. An der Kunsttherapie konnten alle drei zusammen teilnehmen. "Unsere Bilder fielen dann immer je nach Stimmung aus", erinnert sich Jaqueline Köpp. Wenn es ihr mal ganz schlecht ging, dann hatte das Team vor Ort immer ein Ohr und leistete Aufbauarbeit.

Auch Thomas Höhn sieht in der Kindernachsorgeklinik eine wichtige Einrichtung gerade für Berliner Familien. Hier könne man sicher sein, dass das, was folgt, auch zum Behandlungserfolg beiträgt. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn eine solche Einrichtung schließen müsste. Doch vor eben diesem Problem steht die gemeinnützige Klinik. Die bis jetzt genutzten Häuser sollen zu Seniorenresidenzen umgebaut werden. Der Mietvertrag wurde gekündigt. Wenn der Neubau (dieser würde 15 Millionen Euro kosten) nicht zustande kommt, ist 2013 Schluss.

Von der Politik ist nichts zu erwarten

"Wenn das geschieht, müssten wir unsere Patienten anderswo unterbringen. Die meisten Angebote sind aber viel weiter weg und verfolgen nicht diesen familienorientierten Ansatz",  sagt Höhn.

Dass es gar nicht erst dazu kommt, dafür setzen sich die Köpps ein. Seit Monaten kämpfen Ronjas Großvater und ihre Mutter für den Erhalt der Klinik. "Da muss man was tun. Diese jungen Menschen müssen doch fit gemacht werden für die Gesellschaft, für ihre Zukunft. Da muss man sich engagieren", so der 62-jährige Bernd Köpp.

Briefe an Ministerpräsident Platzeck und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit hat er schon geschrieben. Dass diese keine finanziellen Mittel bereitstellen würden, davon ging der engagierte Großvater aus. Ihm ginge es hauptsächlich darum, eine Öffentlichkeit herzustellen. Ihn ärgert, "dass die Politik viel zu viel damit beschäftigt ist, zu erklären, warum etwas nicht funktioniert". Die Antwortschreiben der beiden Politiker waren für ihn "so was von unbefriedigend".

So ließ Wowereit mitteilen, dass das Land Brandenburg die Klinik im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützen werde, um den Fortbestand des Angebots zu sichern. Zwischen Berlin und Brandenbrug gebe es eine Absprache, wonach in Berlin keine Inititative für die Schaffung zusätzlicher Rehaeinrichtungen ergriffen werden soll. Was in Köpps Augen den Erhalt der Klinik in Bernau umso dringlicher werden lässt. Beendet wurde der Brief mit dem Satz "Mir ist klar, dass die Aussagen für Sie […] nicht befriedigend sein können."

Elterninitiative Kinderherzen

Damit will sich der Geschäftsmann aber nicht abfinden. Er will Betroffenen eine Stimme geben und gründete zusammen mit seiner Tochter und drei anderen betroffenen Eltern die Initiative Kinderherzen Berlin-Brandenburg. Erste Flyer sind in Arbeit, eine Internetadresse befindet sich im Aufbau und ein Seminar für betroffene Eltern soll auch auf die Beine gestellt werden.

Jaqueline Köpp ist einmal wöchentlich in der Kindernachsorgeklinik in Bernau vor Ort, um betroffene Eltern für ihre Initiative und den Erhalt der Klinik zu begeistern. "Am Anfang sind immer alle sehr interessiert, doch wenn es darum geht, dass sie aktiv werden sollen, sieht es schlecht aus. Aber mein Vater und ich, wir sind zäh", so die Lichtenbergerin.

Wenn auch Sie sich für den Erhalt der Kindernachsorgeklinik in Bernau engagieren wollen, auf der Webseite finden Sie weitere Informationen.

Deutsches Herzzentrum Berlin

Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

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Quelle: QIEZ
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