• Montag, 06. Oktober 2014
  • von Marcel Gäding

QIEZ-Kooperation: Bezirks-Journal

Streuobst: Äpfel und Birnen aus Lichtenbergs Norden

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  • Streuobstwiesen Falkenberg
    Diplom-Biologin Beate Kitzmann von der Naturschutzstation Malchow hat sich auf alte Obstsorten spezialisiert. Foto: Bezirks-Journal - ©Marcel Gäding
  • Streuobstwiesen Falkenberg
    An die 30 verschiedene Apfelsorten wachsen auf der Streuobstwiese im Berliner Ortsteil Falkenberg. Darunter sind Sorten, die man so noch nie gehört hat. Foto: Bezirks-Journal - ©Marcel Gäding

In Falkenberg pflegen Naturschützer ein Erbe und kümmern sich um alte Streuobstwiesen. Dort wachsen Äpfel und Birnen an jahrzehntealten Bäumen. In diesen Wochen werden die Äpfel geerntet, so wie kürzlich von Mitgliedern der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung. Sie spendeten die leckeren Früchte der Berliner Tafel.

Von weitem sind sie schon gut zu erkennen, die großen, roten Äpfel. Der ganze Baum hängt davon voll. Und je länger man über die Anlage blickt, umso mehr Früchte entdeckt man. Einige sind goldgelb, andere sattgrün – und viele eben tiefrot. Beate Kitzmann bleibt heute vor dem Zaun stehen, denn so spontan will sie mit ihrem Besuch dann doch nicht auf die Wiese mit den Apfel-, Pflaumen- und Birnbäumen. Die Zurückhaltung hat einen guten Grund: Zwischen den jahrzehntealten Gewächsen grasen schottische Hochlandrinder, die man sich lieber respektvoll aus der Ferne anschaut. "Die Rinder bereiten unsere Ernte vor", sagt Kitzmann, die Geschäftsführerin der Naturschutzstation Malchow.

Allein die Streuobstwiese am Tierheim Berlin im Lichtenberger Ortsteil Falkenberg ist riesig: Sieben Hektar umfasst die Fläche mit Bäumen, die bereits um die Jahrhundertwende gepflanzt wurden. Zumindest trifft dies auf die Birnen zu, die locker 120 Jahre hinter sich haben. Sie wurden einst links und rechts einer kleinen Allee gepflanzt. Die war mal Teil des Gutes Falkenberg, das in der Dorfstraße von Falkenberg begann und sich bis weit hinter das heutige Tierheimgelände zog. Die Ländereien wurden in erster Linie für den Obstanbau genutzt. Wer aufmerksam durch die Gegend läuft entdeckt noch das Kopfsteinpflaster alter Wege. Bis auf die Pfade und die alten Bäume erinnert aber an das Gut kaum noch etwas. An die 30 verschiedene Apfelsorten wachsen dort an alten, knorrigen Bäumen. Sorten, die man so noch nie gehört hat. "Jede Baumreihe beheimatet eine Sorte", erklärt die Diplom-Biologin. Der "Danziger Kantapfel" ist darunter, die Ananasrenette, der Prinzenapfel oder der Boskop. "Den kann man gut lagern", erklärt Kitzmann. Im Gegensatz zu den Äpfeln aus dem Supermarkt, die mit speziellen Gasen behandelt werden, nutzt der Boskop seine eigenen Kräfte, um über die Wintermonate zu kommen.

Streuobstwiesen beim Tierheim Falkenberg Streuobstwiesen beim Tierheim Falkenberg
Die Streuobstwiesen rund ums Tierheim Berlin gehören bis heute zum Land Berlin, genauer zum Bezirk Lichtenberg. Nach der Wende wurden sie von der Naturschutzstation gepachtet. Ein Teil ist auch die Heimat der bereits erwähnten schottischen Hochlandrinder. Die hatten zuletzt viel Freude, das hochstehende Gras zu fressen. In diesen Tagen rücken dann die Erntehelfer aus. Immerhin kommen dabei bis zu acht Tonnen Obst zusammen. Viele Früchte werden für einen von der Naturschutzstation produzierten Apfelsaft verwendet. Der wird dann – wie die Äpfel auch – im Hofladen der Naturschutzstation in der Dorfstraße 35 in Malchow verkauft.

Rund um Artenvielfalt und Äpfel

Doch woher hat das Areal den Namen Streuobstwiese? "Weil sie aus verschiedenen, hochstämmigen Obstbäumen besteht", erklärt Beate Kitzmann. Der Stamm ist mindestens 1,60 Meter hoch, ideal sind 1,80 Meter. Im Gegensatz zum konventionellen Obstbau sind die Bäume auf der Streuobstwiese langlebig. Zwischen alten Bäumen stehen junge. Dieses traditionsreiche Prinzip des Obstanbaus galt bereits um die Jahrhundertwende als fortschrittlich: Jede Sorte hat andere Bedürfnisse und ist gegen Witterung sowie Krankheitsbefall unterschiedlich gewappnet. Und so finden sich auf Streuobstwiesen mal Bäume mit wenigen Früchten, die neben Bäumen stehen, die voll hängen. Dadurch konnte bereits unter unseren Vorfahren garantiert werden, dass es eine Ernte geben wird. Nur welche Sorten in einem Jahr besonders viel Ertrag brachten, bleibt bis zur Herausbildung der Früchte eine Art Überraschung. Mal sind im Korb süße Früchte, mal saure. Einige kann man so essen, andere sollte man wegen ihrer Säure eher für einen Kuchen verwenden.

Ganz nebenbei ist die Streuobstwiese auch ein wichtiger Lebensraum für Tiere wie den Spechtvogel Wendehals, Fledermäuse oder Käuze. Beate Kitzmann drückt es mit heute geläufigen Begriffen aus: "Wenn man so will, ist die Streuobstwiese ein Hotspot der Biodiversität." Die Ernte der Äpfel, Birnen und Pflaumen richtet sich nach den Sorten – bis Ende Oktober kann sich das hinziehen.

Die biologische Vielfalt Lichtenbergs steht im Fokus einer Konferenz zur Artenvielfalt. Sie findet am 30. Oktober zwischen 16 und 21 Uhr im Rathaus Lichtenberg, Möllendorffstraße 6, 10367 Berlin, statt. Schwerpunktthemen sind Artenvielfalt, Artenschutz sowie Methoden, um die Biodiversität in Lichtenberg zu erhalten und zu verbessern. Ausrichter sind das Umweltbüro Lichtenberg und das Bezirksamt. Anmeldungen werden unter der Telefonnummer (030) 92 90 18 66 angenommen.

Dieser Artikel wurde uns zur Verfügung gestellt von bezirksjournal.de

Tierheim Berlin Tierschutzverein für Berlin und Umgebung e.V.

Hausvaterweg 39
13057 Berlin

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Quelle: Bezirks-Journal
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