• Freitag, 18. Mai 2012

Wohnungsbau

Musterschüler Lichtenberg

  • Wohnungsbau in Lichtenberg
    Gute Aussichen für Lichtenberg: Der Bezirk bemüht sich gemeinsam mit Investoren um eine soziales Wohnumfeld im Bezirk. Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Mietwohnungen in Lichtenberg sind gefragt. Mit einem "Bündnis für Wohnen" will der Bezirk Mietpreissteigerungen entgegenwirken und den Wohnungsneubau anregen.

Lichtenberg bemüht sich um eine Entspannung auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Bis 2013 sollen im Bezirk 3000 neue Wohnungen entstehen, mehr als 4000 weitere sind in den darauffolgenden Jahren geplant. 40 Prozent der Mietwohnungen sollen im unteren Mietpreisbereich angesiedelt sein. So machten es Bürgermeister Geisel (SPD), Baustadtrat Nünthel (CDU) und Stadtentwicklungssenator Müller (SPD) bei der Präsentation des "Bündnis für Wohnen in Lichtenberg“ bekannt.

Der Bezirk stellt in den vergangenen Jahren "einen Zuzug in einer Größenordnung fest, die uns überrascht hat“, so Bürgermeister Geisel. Die 700 Mieter, die Lichtenberg im Monat den Rücken kehren, würden von 1000 monatlichen Zuzügen deutlich übertroffen. Das sei auch der Preissteigerung in anderen Bezirken wie Prenzlauer Berg oder Mitte zuzurechnen. Der Andrang auf den Mietwohnungsmarkt macht sich auch in Lichtenberg bemerkbar. "Der Wohnungsleerstand ist inzwischen sehr gering. die Mieten steigen, wenn auch nicht so sehr wie etwa in Mitte", so Geisel. Es bestünde ein hoher Bedarf nach Wohnungsneubau.

Hand in Hand für den Wohnungsbau

Der Bezirk und mehr als ein Dutzend Finanzinvestoren haben sich daher im "Bündnis für Wohnen" zusammengeschlossen. Sie wollen laut Bürgermeister Geisel "schnelles Bauen und bezahlbare Mieten miteinander vereinen“. In Lichtenberg gebe es "ein Potenzial von rund 8500 neuen Wohnungen", das jedoch zügig erschlossen werden müsse. Damit könne man dem Preisanstieg in Lichtenberg entgegenwirken.

Zwischen fünf und acht Prozent der geschaffenen Wohnräume sollen für Empfänger staatlicher Hilfsleistungen, knapp 35 Prozent als günstiger Wohnraum für Familien reserviert werden. Zwar seien diese Zahlen nicht im Vertrag festgehalten worden, doch die Bezirksverwaltung sei überzeugt, dass man diese soziale Ausrichtung für die einzelnen Bauvorhaben aushandeln könne. Auch andere Investoren sollen sich nach Geisels Wünschen an der Initiative beteiligen.

Als Gegenleistung möchte die Bezirksregierung kürzere Genehmigungsverfahren und flexible Baupläne möglich machen. "Das darf man sich aber nicht so vorstellen, dass wir Kuhhandel mit den Investoren eingehen“, ging Baustadtrat Nünthel auf eventuelle Bedenken ein. Darüber hinaus will der Bezirk die sozialen Angebote wie Schulen, Kitas und Spielplätze in Lichtenberg unterstützen und ausweiten

Bezirk mit Vorbildcharakter

Eine Sprecherin der beteiligten Wohnungsbaugesellschaft Howoge bewertete die Initiative positiv: "Für uns ist das Bündnis vorteilhaft, weil wir Einfluss gewinnen.“ Der Bezirk habe Potenzial, aber auch großen Aufholbedarf. Neben der Howoge sind private Investoren wie die NCC am "Bündnis für Wohnen" beteiligt. Auch ein Stadtentwicklungsplan Wohnen soll für Lichtenberg entwickelt werden. In der ersten Sitzung des Bündnisses sei eine Karte entstanden, die aufzeige, wann und wo neue Wohnungen errichtet werden können.

Durch "aktives Handeln“ würde Lichtenberg damit zu einem vorbildhaften Bezirk, der den kürzlich vom Berliner Senat vorgestellten Plan gegen Wohnungsknappheit und Mietexplosionen schnell aufgenommen habe. Es werde sich zeigen, wie ein Anreiz für privates Bauen geschaffen und auf Finanzinvestoren zugegangen werden könne, so Müller. Er hofft, dass von Lichtenberg ein Zeichen auch in andere Bezirke ausgeht. Auch für die Internationale Bauausstellung (IBA) im Jahr 2020 könne der aktive Bezirk "ein interessanter Partner“ sein. Derzeit würde das "schlummernde Potenzial" Lichtenbergs in der Stadtentwicklungsverwaltung genauer unter die Lupe genommen.

"Unser großes Plus ist, dass wir keinen Flächenfraß betreiben, sondern schon bebaute Flächen umnutzen“, so Baustadtrat Nünthel. Beispielsweise würden derzeit 350 Wohnungen in dem ehemaligen studentischen Wohnheim an der Treskowallee und 1200 in der Gartenstadt Karlshorst gebaut. Man blicke positiv in die Zukunft: "Wir haben eine gut durchmischte Sozialstruktur und die können wir so aufrecht erhalten.“

Adresse

Treskowallee
Berlin

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Quelle: Der Tagesspiegel
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