Bunter Wind für Lichtenberg

Ein Kiez sammelt Ideen gegen Rechts

Beschmiert und verwahrlost: Seit einem Jahr dient das Gebäude in der Lückstraße 58 in Lichtenberg als Neonazi-Treffpunkt "L58". Nun sind alle Anwohner dazu aufgerufen, ihre Ideen für eine alternative Nutzung einzureichen.
Beschmiert und verwahrlost: Seit einem Jahr dient das Gebäude in der Lückstraße 58 in Lichtenberg als Neonazi-Treffpunkt "L58". Nun sind alle Anwohner dazu aufgerufen, ihre Ideen für eine alternative Nutzung einzureichen.
Ideen-Wettbewerb für eine weltoffene Nachbarschaft: Das "Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz" ruft alle BerlinerInnen dazu auf, ihre Ideen für eine künftige Nutzung des Ladengeschäftes in der Lückstraße 58 einzureichen. Seit einem Jahr ist ein rechtsextremer Verein in den Räumen aktiv. Mit fremdenfeindlichen Schmierereien und Angriffen auf soziale Einrichtungen trübt er das Leben im Kiez.

Seit dem 18. August ruft der Wettbewerb „Bunter Wind für Lichtenberg“ alle engagierten Bürger dazu auf, ihre Vorschläge für eine weltoffene und demokratische Nutzung des ehemaligen Gardinengeschäfts in der Lückstraße einzureichen. Vor einem Jahr ließ sich ein rechter Verein unter dem Decknamen „Sozial engagiert in Berlin“ in dem Gebäude nieder.

Die Vereinigung wird dem Netzwerk „Nationaler Widerstand“ zugerechnet und durch die Aktivitäten der Vereinsmitglieder habe, dem „Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz“ zufolge, die Zahl neonazistischer Aktivitäten im gesamten Weitlingkiez deutlich zugenommen. Vor allem Mahnmale wie die Berliner Stolpersteine, aber auch Hauswände und die umliegenden Nahverkehrshaltestellen werden mit Hakenkreuzen und rechten Parolen beschmiert.

Herausforderungen für die Demokratie

Rechtsextreme „Gedenktage“ dienen darüber hinaus zur Einberufung aggressiver Zusammenkünfte und vor allem das „Interkulturelle Bildungszentrum“ in der Münsterlandstraße ist in den vergangenen Monaten wiederholt zur Zielscheibe rechtsextremistisch motivierter Übergriffe geworden. Trotz einer Kündigung durch den Vermieter und einer Räumungsklage ist der Verein noch immer in den Räumen neben der Immanuel-Kant-Schule aktiv.

„Zwar wird der Weitlingkiez von den Aktivitäten der Rechtsextremisten nicht dominiert, doch auch durch die Aktivitäten im „Szene-Wohnzimmer“ in der Lückstraße geht eine permanente Bedrohung von Seiten der anti-demokratischen Kräften aus“, erklärt Michael Trube von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, die das Lichtenberger Bündnis in seiner Arbeit unterstützt.

Um einem Klima der Resignation und einer „schleichenden Verankerung rechtsextremer Alltagskultur“ im Kiez entgegenzuwirken, möchte das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz deshalb mit seinem Ideenwettbewerb zur Entwicklung alternativer Projekte anregen. Auf einer eigens gestalteten Website können alle Anwohner und interessierten Unterstützer ihre Ideen für die künftige Nutzung des Hauses entwerfen.

Demokratische Zivilgesellschaft unterstützen

„Mit dem Wettbewerb wollen wir die eingefahrenen Pfade in der Arbeit gegen den Rechtsextremismus verlassen und alle BürgerInnen zum angstfreien Engagement gegen rechts einladen“, so Trube. Die im Kiez ohnehin zunehmenden Aktivitäten einer demokratischen Zivilgesellschaft könnten duch die Ideen-Sammlung weiter unterstützt werden.

Ob interkultureller Kiez-Treffpunkt, Bandraum für Jugendliche oder Würstchenbude –  der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Alle Vorschläge, die das Zusammenleben im Quartier fördern und Menschen zusammenbringen, werden in den Wettbewerb einbezogen. Die eigenen Ideen von Anwohnern und interessierten BerlinerInnen können auf der Website nicht nur niedergeschrieben, sondern auch mit einem eigens erstellten Layout-Tool grafisch umgesetzt werden. Für Kinder steht ein eigener Malbogen zum Ausdrucken bereit. Hier kann die Fassade in der Lückstraße 58 mit Buntstiften neu gestaltet werden.

Bisher seien bereits einige Vorschläge, zum Beispiel ein „Comicladen gegen rechts“, eingegangen, freut sich Trube. Alle Ideen, die die Zivilgesellschaft in Lichtenberg kreativ unterstützen, werden nach dem Ende des Wettbewerbs „Bunter Wind für Lichtenberg“ in einer Präsentation vorgestellt.

Der Wettbewerb „Bunter Wind für Lichtenberg“ läuft noch bis zum 14. Oktober. Danach werden die besten Vorschläge in den Kategorien „Geschriebenes“, „Gemaltes“ und „Grafisches“ ausgezeichnet. Weitere Infos unter www.bunterwind.de.tc.

Ein Kiez sammelt Ideen gegen Rechts, Lückstraße 58, 10317 Berlin

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