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Beziehungscheck: Kann man von Traumpaaren noch lernen? – Unsere Singlekolumne #38

Beziehungscheck: Kann man von Traumpaaren noch lernen?  – Unsere Singlekolumne #38
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Irgendwie gibt es bei Mascha immer einen Haken. Insbesondere, wenn es um Beziehungen geht. Zeit, mal bei all jenen Freunden und Verwandten genauer hinzuschauen, bei denen das Liebesleben funktioniert.

Immer ist irgendwas. Das scheint mich einfach zu verfolgen. Das gilt insbesondere für mein Liebesleben – an dieser Stelle berichtete ich ja bereits davon. Jetzt dümpele ich schon seit ein paar Jahren zwischen Affären, One-Night-Stands und Kurzbeziehungen herum, die den Stempel „es ist kompliziert“ mehr als verdienen. Doch warum eigentlich? Bei anderen klappt es doch auch! Vielleicht muss ich mich mal genauer mit den Langzeitpaaren in meinem Umfeld beschäftigen, die offenbar nichts aus der Liebesbahn werfen kann.

Ein richtiges Langzeitpaar habe ich, und sie sich gegenseitig auch, beim Studieren kennengelernt. Sie sind jetzt seit über zehn Jahren zusammen, haben zwei Kinder, zwei Katzen und ein Haus. Nach ein paar Jahren in Berlin leben sie jetzt in einer Kleinstadt mit Großstadtanbindung. Aus beruflichen Gründen. Er arbeitet und verdient viel, sie ist aktuell noch Hausfrau und Mutter – wird aber bald wieder arbeiten gehen. Dieses Modell kann man nun gut oder schlecht finden. Fakt ist: Ich bin fest davon überzeugt, dass diese beiden ihr ganzes Leben miteinander teilen werden. Sie bilden eine Einheit. Auch, wenn sie nicht immer einer Meinung sind. Und sie haben irgendwann die Entscheidung getroffen: Wir planen unser Leben zusammen. Ohne Wenn und Aber. Das kann fiese Kompromisse bedeuten, aber es funktioniert. Auch und vor allem, seit sie Kinder haben.

Gelernt, zusammen zu planen – ohne Wenn und Aber

Ähnlich ist es bei meinem Bruder. Er hat ebenfalls einen extrem fordernden Job und braucht eine Frau, die damit klarkommt – und mit der er die freie Zeit genießen kann. Die hat er gefunden. Vor noch gar nicht sooo langer Zeit, aber dann ging alles ganz schnell. Jetzt haben auch sie ein Kind und ein Haus. Streit gibt es fast nie, denn aus irgendeinem Grund sind sowohl er als auch sie fragwürdig ausgeglichen. Zumindest, wenn sie zusammen sind. Sie mögen die gleichen Dinge, haben ähnliche Hobbies, vergöttern ihre Tochter. Und mein Bruder ist sogar in eine vergleichsweise kleine Stadt gezogen, weil dort ihre Familie lebt. 

Ein ganz anderes Leben führt eines meiner Lieblingspaare im Freundeskreis. Sie wohnen in Hamburg, sind schon seit Abizeiten ein Paar und haben letztes Jahr geheiratet. Kinder haben sie noch keine, und sie leben immer noch in der kleinen Wohnung nahe der Reeperbahn, in der sie ihr Leben in Hamburg gestartet haben. Ausgehen, Freunde treffen, verreisen – das ist ihr Ding, viel hat sich in den letzten Jahren nicht geändert. Was feststeht ist: Die beiden sind super, und zwar zusammen und jeder für sich. Jeder macht auch sein Ding, aber doch sind sie immer nah zusammen. Mit den beiden würde ich sogar in den Urlaub fahren, denn sie sind wie sehr gute Freunde, die eben auch ein Paar sind. Sie sind vertraut und sich nah, ohne ihrem Umfeld damit auf die Nerven zu gehen. Sie lieben sich, ohne es dauernd mit großen Gesten betonen zu müssen. Auch hier: Streit ist extrem selten.

Kaum Streit, kein grundloser Stress

Doch was soll ich armer Tropf daraus nun lernen? Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar, was diese Paare von meinem Liebesleben und dem vieler anderer aufgeregter Großstädter unterscheidet. 

1. Diese Paare wissen einfach, was sie wollen. Sie haben sich füreinander entschieden und ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr ständig herumgegrübelt, ob das denn nun das Richtige ist, ob sie denn nun wirklich zueinander passen oder ob sie überhaupt eine Beziehung führen wollen. Und wenn solche Gedanken doch mal aufploppten, dann kamen sie damit klar. Und haben nicht dauernd irgendeinen Mist gebaut. 

2. Reden ist das Schlüsselwort. Diese Paare reden miteinander, und zwar nicht nur, so wie ich das manchmal gerne mache, auf einer verschwurbelten „ich weiß ja auch nicht und alles ist so kompliziert“-Ebene, sondern sie sprechen wirklich miteinander. Bei wichtigen Gefühlsthemen weiß der eine meistens, was der andere denkt. Und kann darauf reagieren. Auch über Gefühle können sie offen sprechen – selbst auf die Gefahr hin, sich ganz und gar emotional zu entblößen.

3. Vielleicht das Wichtigste: Diese Paare verstehen sich einfach gut. Auch das ist eine Art bewusste Entscheidung. Sie brauchen keine Spielchen spielen, sich nicht bewusst ärgern, Frust wochenlang in sich reinfressen, sich gegenseitig verunsichern und Gefühle zurückhalten, nur, um eine Rolle aufrecht zu erhalten.

All das habe ich in den letzten Jahren nur sehr begrenzt geschafft. Ich rede zwar viel, aber manchmal sage und mache ich genau das Falsche. Vielleicht müssen ich und all die anderen herumirrlichternden Dauer-Komplizierten sich einfach mal trauen, genau das zu sagen und zu machen, was sie wirklich wollen. Auch auf die Gefahr hin, damit auf die Schnauze zu fallen.

Auf die irgendwann vielleicht einmal richtig geleiteten Triebe,

Eure Mascha

Mascha heißt in Wirklichkeit vielleicht anders...
Ich bin Mascha (32) und seit rund anderthalb Jahren Single. Nach einer langen Beziehung habe ich endlich Zeit mich ein bisschen auszuleben, die Sau raus und nichts anbrennen zu lassen. Insgeheim warte ich aber natürlich auf meinen bärtigen Ritter, der mit seinem Pferd in den Hinterhof meiner Neuköllner Wohnung galoppiert und mit dem ich ein, zwei Mate auch mal ohne Wodka trinken kann. Bis es soweit ist, betätige ich mich ab sofort im Auftrag aller Berliner Singles als Versuchskaninchen, teste mich durch diverse Datingportale, -events und -partys. Und lasse auch sonst nichts unversucht, um Libido und Liebe auf die Sprünge zu helfen. Ausgang ungewiss. Was soll ich als nächstes ausprobieren? Schreib an: redaktion@qiez.de

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Hermannplatz, Hermannplatz, 10967 Berlin

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