Internationaler Linkshändertag

Machen wir mit links

So hält man den Stift richtig: Lesepate Karl-Heinz Denner gibt Tipps.
So hält man den Stift richtig: Lesepate Karl-Heinz Denner gibt Tipps.
Am gestrigen Linkshändertag kamen an der Andersen-Grundschule im Wedding alle linkshändigen Schüler zusammen. Eltern und Lehrer wurden bei diesem Projekttag darüber informiert, auf was sie besonders achten müssen.

„Ich finde es toll, Linkshänder zu sein, weil das etwas Besonderes ist“, erklärt der zwölfjährige Steve strahlend. Gleich demonstriert er seinen Mitschülern an der Andersen-Grundschule, wie man als Linkshänder den Stift richtig hält und so schreibt, dass die Tinte nicht verschmiert. Rund zwanzig Prozent der Bevölkerung können mit der linken Hand besser umgehen als mit der rechten, egal ob beim Zähneputzen, Ballfangen oder Naseputzen. Sogar einen Weltlinkshändertag gibt es. Dieser veranlasste die Andersen-Grundschule am Montag, einmal alle Linkshänderkinder zu versammeln.

Gemeinsam wurde darüber nachgedacht, welche berühmten Linkshänder es gibt. Die Kids lernten, wie man mit links zeichnet und ein Messer hält und dass sogar spezielle Lineale und Anspitzer für sie entworfen wurden.

Von Linkshändern für Linkshänder

Die Idee für den Projekttag stammt von den beiden Lesepaten Karl-Heinz Denner und Monika Bergen, die beide selbst Linkshänder sind. In ihrer Schulzeit mussten sie allerdings noch mit der rechten Hand schreiben lernen. „Das war ganz normal damals und ziemlich schrecklich“, erzählt die 70-jährige Monika Bergen. „Bis zum Abitur hatte ich immer eine Fünf in Handschrift.“ Karl-Heinz Denner, 58, glaubt, dass ihm die Umschulung auf rechts Nachteile gebracht hat und zu Sprach- und Denkblockaden führen kann. Auch Wissenschaftler warnen eindrücklich davor, Kinder auf Rechtshändigkeit umzuschulen. Das macht man zwar heute kaum noch, dennoch liegt das Augenmerk der Lehrer nach Ansicht von Denner und Bergen noch nicht ausreichend darauf, dass linkshändige Kinder die richtige Schreibhaltung erlernen.

„Schaut euch mal an, wie Barack Obama schreibt“, bittet Denner die Kinder. Der amerikanische Präsident, ebenfalls Linkshänder, ist diesbezüglich kein gutes Vorbild. „Er macht eine Hakenhand.“ Das ist eine Haltung, bei der das Handgelenk beim Schreiben nach oben verdreht ist. „Nach einer Weile tut das weh“, erklärt Denner. Oft seien es Kleinigkeiten, die das Leben leichter machen. Zum Beispiel wenn man schaut, dass Linkshänder links und Rechtshänder in der Schulbank rechts sitzen, damit sich ihre Ellenbogen nicht stoßen. Denner und Bergen wollen mit ihrer Linkshänder-Mission in den nächsten Wochen weitermachen. Beim Mütter-Frühstück in der Schule werden sie Eltern erklären, was sie berücksichtigen sollen, und mit den neuen Erstklässlern wollen sie gleich die richtige Stifthaltung trainieren. Die zwölfjährige Chantal findet es sowieso viel besser, mit links zu malen. „Da kann die Fantasie besser fließen.“

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Quelle: Der Tagesspiegel

Andersen-Grundschule, Kattegatstr. 26, 13359 Berlin

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