Literarischer Spaziergang

Auf Erich Kästners Spuren

Der Wohnsitz Kästners in den Jahren 1964-69. Hier wusste er seine "Goldschätze", seinen Sohn Thomas und Lebensgefährtin Friedel Siebert, sicher aufgehoben.
Der Wohnsitz Kästners in den Jahren 1964-69. Hier wusste er seine "Goldschätze", seinen Sohn Thomas und Lebensgefährtin Friedel Siebert, sicher aufgehoben. Zur Foto-Galerie
Hermsdorf –  Bei einem literarischen Spaziergang durch eine der grünsten Ecken Reinickendorfs konnte man sich auf die Spuren des verstorbenen Schriftstellers Erich Kästner begeben. Hierzu hatten das Heimatmuseum Reinickendorf und die ehemalige Schulleiterin der Renée-Sintenis-Grundschule, Irmtraut Reuer, eingeladen.

Das Leben des Emil Erich Kästner: präsentiert in sieben Stationen, gespickt mit vielen wissenswerten Details, Gedichten und Textauszügen, lebhaft vorgetragen, inmitten vom satten Grün der spätsommerlichen Natur. Irmtraut Reuer, Initiatorin und Leiterin des Spaziergangs und selbst in Hermsdorf ansässig, war mit viel Vorbereitung und Engagement darum bemüht, das Andenken an den einst so beliebten Kinderbuchautoren aufzufrischen und so seiner metaphorischen Aufnahme in den „Club der toten Dichter“ entgegenzuwirken.

Und dies offenkundig mit Erfolg. Mit rund 20 Teilnehmern startete der interessierte Trupp im Evangelischen Gemeindehaus am Zabel-Krüger-Damm, vorbei an den Lübarser Feldern, durch das Naturschutzgebiet des Tegeler Fließtales, bis hin zum Waldsee in der Parkstraße, in der man schließlich auf das ansehnliche Zweifamilienhaus mit Gedenktafel stößt, die auf den einstigen Wohnsitz des berühmten Schriftstellers verweist.

Andächtiges Lauschen im ruhigen Hermsdorf

Auch wenn Kästner Ende der 60er nur fünf Jahre in Hermsdorf gelebt hat und in diesen wohl nicht mit häufiger Anwesenheit glänzte, so kann man sich doch vorstellen, dass sich der gebürtige Dresdner heimisch gefühlt haben dürfte. Denn hier scheinen die Uhren – damals wie heute – ein wenig langsamer zu ticken, es geht bedächtiger und ruhiger zu und auch die Gruppe lässt keine Hetzerei aufkommen.

Immer wieder lauscht sie gespannt den Auszügen aus Kästners Werken, erkennt autobiografische Züge, wundert sich über die sozialen Beziehungen des Schriftstellers und erinnert sich an die vergessenen Abenteuer von Pünktchen, Anton, Emil und Co.

Fragen, Reflektieren, Erinnern

Am Ende geht es schließlich nach Alt-Hermsdorf ins Heimatmuseum Reinickendorf, vorbei an der Schule, die sein „Goldschatz“ – sein Sohn Thomas – einige Jahre besuchte.

Ein wenig ermattet von den Informationen eines vergangenen Lebens und bedrückt von dem eher traurigen Ablebens Kästners – dieser starb 1974 an Speiseröhrenkrebs – blieb in einer anschließenden Kaffeerunde noch Raum für Fragen, Zeit zum Reflektieren sowie für die Erkenntnis, dass auf den Spuren anderer zu wandern, aufschlussreich und anstrengend zugleich ist, da man auch mit eigenen Wertungen und Vorstellungen konfrontiert wird.

Wer sich ebenfalls auf die Spuren Kästners begeben möchte, der hat dazu im Herbst noch zweimal die Gelegenheit, am 25. September oder am 30. Oktober ab 14.30 Uhr.. Treffpunkt ist erneut das Evangelische Gemeindehaus am Zabel-Krüger-Damm 115.

Foto Galerie

Heimatmuseum Reinickendorf, Alt-Hermsdorf 35, 13467 Berlin

Telefon 030 4044062
Fax 030 40009273

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Das Heimatmuseum in Reinickendorf eröffnet im April 2013 einen neuen Ausstellungsraum.

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