Berlin Wedding: Das Fotobuch

Der Wedding – ein Mosaik aus Kulturen

Der Wedding – ein Mosaik aus Kulturen
In Kneipen wie diesen findet man noch den Wedding von früher. Zur Foto-Galerie
Egal ob der Wedding nun im Kommen ist oder als Trendbezirk schon wieder raus, er ist definitiv ziemlich unterschätzt. Der Bildband "Berlin Wedding – Das Fotobuch" bietet einen faszinierenden Blick auf die unterschiedlichen Facetten eines Bezirks voller Kontraste.

Der Wedding ist für viele Nationalitäten und Kulturen aus aller Welt ein Zuhause – und gerade dieser Mix macht den Bezirk so spannend. Aber warum heißt es eigentlich DER Wedding? Und wie funktioniert dieses Zusammenleben? Genau das will der Bildband Berlin Wedding – Das Fotobuch zeigen. Man könne wegen der Vielfalt „am Beispiel dieses Stadtteils (…) auf weniger als zehn Quadratkilometern die großen gesellschaftlichen Phänomene Deutschlands und Europas erzählen“, so die Überzeugung der Mitherausgeberin Julia Boek.

Das deutsch-englische Fotobuch über den Wedding ist eine Sammlung der Werke vieler bekannter Fotografen und Reporter aus Berlin. So porträtiert der Straßenfotograf Espen Eichhöfer in der Fotoserie Black Wedding das Leben der schwarzen Community im Wedding: beim Arbeiten, beim Leben und beim Beten in lauten und ekstatischen Gottesdiensten. Die Gotteshäuser der Muslime, liebevoll eingerichtete Moscheen, sind dagegen oft versteckt und kaum erkennbar – Julius Matuschik hat sie in der Reihe Im Mekka des Weddings für uns aufgespürt.

Der Wedding hat viele Gesichter. ©Ina Schoenenburg

 

Das Zusammentreffen von Gegensätzen bringt Reibung

Es gibt das alte, das neue Wedding und das dazwischen: Frank Schirmmeister versucht beispielsweise Gentrifizierungsprozesse im Bezirk in Bildern darzustellen. Annette Hausschild verbringt für Last Days of Disco zahlreiche Abende in den traditionellen Weddinger Arbeiterkneipen mit Menschen, die eine vergangene Kultur verkörpern. Aber die Bewohner geben auch einen Einblick in ihr privates Leben. Einige luden Ina Schoenenburg zu sich nach Hause ein und ließen sich fotografieren, zum Beispiel auf einem Hausboot. Fotografin Dorothee Deiss lichtete die Weddinger Kinder mit ihren Müttern ab und ließ sie von deren Lebenswünschen erzählen.

Die ausdruckstarken Bilder im Bildband sprechen für sich – abgesehen von der jeweiligen Einleitung sind die meisten Aufnahmen ohne Kommentare. In der Mitte des Buches gibt es aber zwei ausführlichere Texte über den Wedding, zum Beispiel den hervorragenden Artikel Mehr ein Wesen als ein Ort von Dirk Gieselmann. Der Redakteur, der sonst als freier Autor für Dummy und ZEIT Online schreibt, gibt auf einer Doppelseite einen unglaublich tiefsinnigen und fesselnden Einblick in die Seele des Weddings. Und? Ist der Wedding nun im Kommen? Wir finden: der Wedding ist gut so, wie er ist – beweisen muss er sich und dem Rest Berlins nichts.


Das Buch Berlin-Wedding: Das Fotobuch – The Photobook von Axel Völcke und Julia Boe ist im Kerber Verlag erschienen und kostet im Handel 40 Euro. 

Foto Galerie

Café Dujardin, Uferstraße 12, 13357 Berlin

Telefon 030 52666805

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