Kommentar

Will Berlin das Lollapalooza-Festival vertreiben?

Will Berlin das Lollapalooza-Festival vertreiben?
Volle Hütte beim Lollapalooza auf dem Berliner Olympiagelände 2018. Kann das Festival weiterhin dort stattfinden?
So richtig viel Liebe will zwischen Berlin und dem Lollapalooza nicht aufkommen. Nun wird dem Festival auf den letzten Drücker der vierte Standort vermiest und natürlich geht es wieder einmal um Lärmbelästigung...

Eigentlich versucht das Lollapalooza nichts weiter, als mit Musik, Shows, Mode, Nachhaltigkeits-Workshops und ganz viel familientauglichem Programm gut 100.000 Menschen beste Wochenendunterhaltung zu bieten. Doch während im Mutterland USA der Kultfaktor des Festivals wächst, sehen sich die Veranstalter des Berliner Ablegers ständig vor neue Probleme gestellt. Müll, Verkehr, Logistik… und natürlich Lärmbelästigung. Doch statt sich darüber aufzuregen, setzt das Lollapalooza auf Taten. Wenn es Auflagen gibt, werden die erfüllt, wie immer in der noch so jungen Festivalgeschichte. Nun bereitet ein Beschluss des Senats, die Lärmschutzgrenze von 80 auf 76 Dezibel zu senken, kurz vor dem Festivalwochenende im September Sorge: Statt 80 lärmbelästigter Haushalte, denen die Veranstalter eine Ausweichmöglichkeit bieten müssen, sind es nun 1400, die Anspruch auf ein Hotelzimmer mit Frühstück haben oder sich im vorgegebenen Preisrahmen selbst eine Ersatzunterkunft suchen können.

Auf gute Nachbarschaft

Für die Festivalmacher ist der Senatsbeschluss, dem ein Entwurf vorausgegangen war, ein unerwarteter Tiefschlag. Eigentlich sei man nämlich glücklich darüber, wie positiv das Festival letztes Jahr in der Nachbarschaft aufgenommen worden sei, heißt es von Seiten der Veranstalter. Seither stehe man ganzjährig im Austausch mit den Anwohnern, jede Mail sei beantwortet und ernst genommen worden. In diesem Jahr gebe es sogar freiwillig eine neue Technik, die den Lärmpegel senken werde, und statt um 8 Uhr, wie es genehmigt wurde, startet man mit dem Soundcheck erst um 9 Uhr. Wer steckt also hinter dieser plötzlichen Anti-Lärm-Attacke?

 

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Ein Beitrag geteilt von Lollapalooza Berlin (@lollapaloozade) am Aug 7, 2019 um 10:58 PDT

Auffällig ist, dass die Rufe derer immer lauter werden, die in Berlin Stille suchen. Kneipen müssen ihre Gäste ermahnen, sich auf der Straße nach 22 Uhr nicht mehr laut zu verabschieden, Freisitze werden um dieselbe Zeit geschlossen und Clubs können die notwendigen Maßnahmen zum Lärmschutz kaum noch stemmen. Selbst als sehr empathische Menschen haben wir Schwierigkeiten damit, uns in die Qualen der Belästigten hineinzuversetzen, die mit diesen Auflagen geschützt werden wollen. Vibrierende Fenster, Bässe und vereinzeltes Gekreische würden uns das Wochenende nicht zerstören. Ab 23 Uhr spielt keine Band mehr und erst um 11 Uhr am Sonntag wird mit Lari Luke das Festival fortgesetzt.

Neuer Ort, neue Probleme

Im Gegensatz zu uns, die wir am liebsten die Stänkerer herausfinden und zur Rede stellen würden, haben die Festivalmacher alles getan, um zu einer Einigung zu kommen, mit der sogar die Dauernörgler und Auf-Krawall-gebürsteten schöne Tage verleben. „Natürlich verursacht ein Festival länger Unruhe als ein Fußballspiel oder ein einzelnes Konzert“, zeigt sich der Sprecher des Lollapaloozas am Telefon verständnisvoll. Man habe aber das Gefühl, im Olympiastadion endlich zu Hause angekommen zu sein und das würde man sich gern erhalten… Wir erinnern uns, dass das Festival nach der Premiere auf dem Tempelhofer Feld wegen der Unterkünfte für Geflüchtete im Folgejahr kurzfristig in den Treptower Park ausweichen musste und im Jahr darauf in Hoppegarten sein Glück suchte – allerdings stellte sich die Anbindung als Katastrophe heraus, abgesehen davon, dass man als Stadtfestival eigentlich in Berlin bleiben wollte. Beschwerden von Anwohnern waren jedenfalls nie ein Grund für einen Standortwechsel.

Spaß für alle

Nach dem Lollapalooza 2018 im Olympiastadion jedenfalls hatte der Senat nichts zu beanstanden und auch die Anwohner zeigten sich zufrieden. Woher kommt nun plötzlich der ganze Ärger? Die Kurzfristigkeit allein macht es den Veranstaltern schon schwer, eine mögliche neue Verordnung rein organisatorisch umzusetzen. Und warum muss man gleich ein Senatsfass aufmachen, statt die vielen Gesprächs- und Serviceangebote des Veranstalters im Vorfeld zu nutzen? Wir raten: Egal wie alt ihr seid, schnappt euch einfach ein kostenloses Anwohner-Ticket und feiert mit Marteria & Caspar, Billie Eilish, Dendemann, Olli Schulz und anderen Acts ordentlich ab oder amüsiert euch bei Der grüne Kiez, Aquapalooza, Fashionpalooza und anderen Events auf dem Gelände. Ok, wenn Scooter dran sind, wird es ohne Ohrstöpsel natürlich echt brenzlig…

Das Lollapalooza findet vom 7. bis 8. September 2019 im Olympiastadion und Olympiapark statt. Tickets gibt es nur noch wenige. Informationen für Anwohner zur Unterbringung in Hotels und kostenlosem Eintritt findest du hier.

Olympiastadion, Olympischer Platz 3, 14053 Berlin

Olympiastadion

Nächtlicher Glanz: Olympiastadion Berlin

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