Tagesspiegel-Serie zu Berliner Plätzen

Louise-Schroeder-Platz: Kein Schmuckstück

Die Sicht auf den Louise-Schroeder-Platz in Wedding wird von ungepflegtem Grün verdeckt.
Die Sicht auf den Louise-Schroeder-Platz in Wedding wird von ungepflegtem Grün verdeckt.
Der Louise-Schroeder-Platz im Wedding ist ein trister Ort, an dem sich kaum jemand länger aufhalten mag. Dabei könnte er als Grenze von Reinickendorf zu Wedding ein wahres Kleinod sein - wie es früher auch mal angedacht war.

Hat Louise Schroeder, die verdiente Berliner Bürgermeisterin, diesen Platz verdient? Er ist ein Mauerblümchen an der Grenze von Reinickendorf und Wedding. Der Verkehr tost und die Trinkerszene trifft sich hier. Insbesondere ist er eine unfreiwillige Exposition der Schäden, die der Geldmangel Berlins an den öffentlichen Anlagen verursacht.

Noch sind Spuren minimaler Pflege sichtbar, der Rasen ist leidlich gemäht, die Rosen heruntergeschnitten. Aber sonst? Die Zierbeete an der westlichen Seite des Platzes werden von Löwenzahn und Disteln überwuchert, der Zierteich auf der Ost-Hälfte wirkt vor lauter Algen mehr wie ein Sumpf. Auf den Wegen wächst Unkraut, und in einer Ecke hat irgendjemand seine alten Ikea-Schränke abgestellt.

Kaum Menschen trotz belebter Ecke

Nur ein paar Hundehalter, sonst ist an diesem Vormittag kein Mensch unterwegs am Louise-Schroeder-Platz. Sie sind neben jenen, die die Schnapsflaschen liegen lassen, scheinbar die einzigen Nutzer. Dabei mangelt es nicht an Menschen in dieser Gegend. Die Kreuzung der Markstraße mit der Osloer und Seestraße ist eine der lebendigsten Ecken der Stadt. Fast der gesamte Verkehr zwischen den Zentren von Reinickendorf und Wedding sucht sich seine Route durch die beiden nach Louise Schroeder benannten Platzhälften.

An der westlichen Grenze befindet sich das Kombibad Seestraße, östlich ein Fußballplatz. Am Nordrand steht noch ein Teil der alten Blockrandbebauung, aber zur Ungarnstraße hin löst sich das Gelände in quer stehende Wohnbauten auf. Und südlich: Osloer und Seestraße, die hier ineinander übergehen. Mehr ist da nicht, kein Imbiss, kein Spielplatz. Nur an der Ecke Reginhard-/Markstraße gibt es ein griechisches Lokal. Doch das urbane Leben findet weiter oben auf der Residenzstraße statt. Die einzige Funktion des Platzes scheint darin zu bestehen, den Lärm durch die dichten Büsche zu stillen. Allerdings bleibt der Verkehr trotzdem das akustisch dominierende Element.

Der Plan war mal ein anderer

Auf einem Stadtplan von 1893 liegt genau an der Stelle ein sechseckiger, von drei Straßen durchkreuzter, namenloser Platz. Einziger Fixpunkt in der Nähe ist das Heiliggeist- und St.-Georg-Hospital. Gut 30 Jahre später, 1926, ist er schon in ein festes, von der Wohnbebauung gesponnenes Netz eingeflochten und trägt den Namen Oskarplatz. Dieser Name besteht seit 1905 – damals war der schwedische und norwegische König Oskar II. zu Besuch in Berlin und wurde so geehrt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die stark zerstörte Gegend neu geordnet. Östlich des Oskarplatzes entstand 1950 der Sportplatz, der früher Sportring Wedding hieß. Erst seit 1999 trägt er seinen heutigen Namen Hanne-Sobek-Sportanlage. Der Louise-Schroeder-Platz in seiner heutigen Form geht auf das Jahr 1958 zurück. Die Namensgeberin starb ein Jahr zuvor. An sie erinnert heute noch eine Schrifttafel an der Sporthalle. Die Idee der Gestaltung war es schon immer, einen klassisch anmutenden Schmuckplatz zu schaffen, der nur der Erholung und Kontemplation dienen sollte.

Von japanischen Zierkirschen keine Spur mehr

Die Grundbestandteile der alten Gartenplanung sind weitgehend erhalten. In der östlichen Hälfte herrscht die rechteckige, von Rosenbeeten umgebene Rasenfläche vor. Am Rand finden sich Nischen mit Sitzbänken, eine Abschirmung gegen die Straße schaffen dichte, größtenteils von Fliederbüschen gebildete Anpflanzungen. Früher soll es hier noch japanische Zierkirschen gegeben haben, die aber irgendwann beseitigt wurden. Die wichtigste Funktion der Rasenfläche liegt aktuell darin, dass dort der Rettungshubschrauber landet, wenn im Kombibad etwas passiert ist.

Zentrum der etwas ruhigeren Ostseite des Platzes ist das an den Rändern schon stark zerfallende rechteckige Wasserbecken. Auch hier gibt es viele Sitznischen. Zur See- und Osloer Straße ist der Platz nur durch kleinere Bäume behelfsmäßig abgeschirmt. Ziel der Planung muss es daher ohne Frage sein, dem Platz ein Minimum an Aufenthaltsqualität zurückzugeben und ihn vom Verkehrslärm so weit wie möglich zu isolieren. Der erste Schritt sollte aber wohl eine bessere Pflege der Anlagen sein.

Der Tagesspiegel lädt ein: Vorstellung und Diskussion der Pläne für den Louise-Schroeder-Platz. Freitag, 25. Mai, 19 Uhr, im Restaurant Seepferdchen im Kombibad Seestraße, Seestraße 80. Der Eintritt ist frei.
Das QIEZ-Team ist ebenfalls vor Ort und beantwortet gern Ihre Fragen.


Quelle: Der Tagesspiegel

Louise-Schroeder-Platz: Kein Schmuckstück, Louise-Schroeder-Platz, 13359 Berlin

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