• Mittwoch, 02. Oktober 2013
  • von Sandra Prophet

Grünes Paradies in Marzahn

Ausgezeichneter KiezPARK

  • KiezPark
    Hier steckt Liebe drin: Der Nutzergarten von Frau Schwandt ist ein (Sonnen-)Blumenparadies. Foto: externe Quelle - ©kiezPARK FORTUNA

"Die Zukunft des Gärtnerns liegt in der Stadt!", verspricht uns die IGA 2017 heute schon - und so ein urbanes Gartenprojekt, das kann viel mehr sein als Gemüse, Geranien und Gemeinschaftsgrillen. Wie eine brachliegende Fläche im Kiez die Phantasie und den Arbeitseifer der Bewohner wecken und auf welche Weise das Ergebnis das ganze Kiezleben bereichern kann, zeigt der KiezPARK an der Sitzendorfer Straße in Marzahn. Dafür wurde das Projekt nun mit einem Sonderpreis des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) ausgezeichnet.

Im Rahmen des Festaktes "100 Jahre bdla" wurde der KiezPARK bei der Verleihung des Sonderpreises Wohnumfeld mit einer Würdigung geehrt. "Die Gestaltung des kiezPARKs wurde von Anwohnern, Vereinen, sozialen Trägern und Eigentümern durch einen kontinuierlich tagenden und transparenten Stammtisch begleitet und in themenbezogenen Workshops mitgestaltet. Entscheidend für den Erfolg des Vorhabens war die Bereitschaft der Wohnungsgenossenschaft FORTUNA, die brach  gefallene Fläche vom Land Berlin zu übernehmen, gemeinsam mit Landschaftsarchitekten hochwertig zu gestalten und nicht nur für die eigene Nachbarschaft, sondern für die Quartiersöffentlichkeit zugänglich zu machen", heißt es in der Begründung der Jury.

Neuer Nachbarschafts-Treffpunkt

Anwohner gestalten Kiezpark Marzahn

Marzahn
Zur Vorgeschichte: Was an der Sitzendorfer Straße von zwei abgerissenen Schulgebäuden übrig blieb, waren fast 10.000 Quadratmeter öde Freifläche, die langsam zuwucherte. Karg und brach verdarb der Platz nicht nur den Blick vom Balkon, sondern beeinträchtigte auch die Lebensqualität im Quartier. Die öffentliche Hand hatte kein Geld, um etwas aus dem Areal zu machen. Aber passieren musste etwas. Die ansässige Wohnungsbaugesellschaft Fortuna kaufte die Fläche schließlich und ging mit einer Infoveranstaltung auf die Bewohner zu. Eine kreative Lösung, die den Bedürfnissen der Menschen vor Ort gerecht werden sollte, war das Ziel.

"Sie müssen die Leute ernst nehmen und machen, was die sagen", stellt Peter Schümann, Vorstand der Fortuna klar. Also gab es keine Wettbewerbe und keine fertigen Design-Lösungen von Stadtplanern, die Marzahn ein besseres Image verpassen wollen und doch selber nie einen Fuß in die Platte gesetzt haben. Stattdessen waren die Bewohner im Kiez von Anfang an dabei. Ein Stammtisch als Forum für Ideen und Planungskonzepte war schnell eingerichtet. "Die Fortuna hat uns gefragt, was wir wollen. Da fing alles bei Null an", erzählt Anwohner Herr Junghans.

Gemeinsam Neues schaffen

Ideen gab es reichlich, zumal die Bewohner die Experten in ihrem Kiez sind. Die Kinder aus der Kita Zwergenoase hätten am liebsten den ganzen Park in einen Spielplatz verwandelt. Sie bauten Modelle und entwickelten in Workshops gemeinsam mit den Eltern einen Wasserspielplatz, der von Jungen aus der Bruno-Bettelheim-Schule unter künstlerischer Begleitung gestaltet wurde. Eine Streuobstwiese mit alten Obstsorten wurde angelegt und "die Wege haben wir nach den Trampelfaden auf dem Feld gesetzt, nicht nach den Ideen der Architektin", berichtet die Anwohnerin Frau Gusko. Um zusammenzukommen, wurde eine Pergola errichtet, in der Veranstaltungen stattfinden und die den Gartengeräten Platz bietet. "Was konstruktiv machbar war, wurde umgesetzt", sagt Frau Gusko.

Von Anfang an immer dabei war Vorstandsmitglied Peter Schümann. "So haben wir als Eigentümer der Fläche sicherstellen können, dass das Projekt für alle verbindlich bleibt und dafür gesorgt, dass alle im Gespräch bleiben. Das schlimmste, was so einem Projekt passieren kann, ist, dass die Kommunikation abreißt und sich Blöcke bilden", so das Vorstandsmitglied. Ein enormer zeitlicher Aufwand für die Wohnungsbaugesellschaft, der sich gelohnt hat.

Im Januar wurde der KiezPARK für seinen Umgang mit der Umwelt, der Gestaltung des sozialen Zusammenlebens und Wirtschaftens mit dem Siegel "Werkstatt N" vom Rat für Nachhaltige Entwicklung prämiert. "Leider sind noch nicht viele Unternehmen bereit, solche Schritte mitzugehen", sagt die Architektin Susanne Schnorbusch, die das Projekt professionell begleitet und moderiert hat.

Teilhabe und Freiräume im Kiez

"Gerade so ein gemeinsames Planen und Bauen bietet ein großes Lernpotenzial, nicht nur zu den Themen Umwelt und Gartenbau", so Schnorbusch. Und auch nach der Eröffnung ging’s damit weiter. Die Kindergartenkinder ernten und verarbeiten das Obst auf den Wiesen, an den angebauten Kräutern darf sich jeder bedienen. Workshops und Seminare finden weiterhin statt. Außerdem gibt es Beete, die die Anwohner selbst bestellen dürfen. "Die Sonnenblumen von der Frau Schwandt, die waren mannshoch!", schwärmt Herr Junghans.

Und wie sieht es mit Vandalismus aus? "Nichts!", sagt Herr Junghans und strahlt. "Das war eine große Sorge von uns, aber bisher ist nicht eine Tür kaputt, kein einziges Graffiti an den Holzwänden und auch das Drehwürfelspiel ist heil geblieben." Frau Gusko ergänzt: "Weil wir alle mit einbezogen werden und auch gemeinschaftlich Sorge tragen."
 


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Quelle: QIEZ
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