• Freitag, 08. März 2013

Steigende Mieten

Billiges Marzahn war gestern

  • Neubausiedlung Marzahn-Hellersdorf
    Plattenbauten in Marzahn-Hellersdorf. Foto: Der Tagesspiegel - ©Thilo Rückeis

Auch in bislang weniger gefragten Vierteln steigen die Mieten. Neubauten entlasten den Markt für günstigen Wohnraum nicht.

Der Druck am Wohnungsmarkt lässt die Berliner zusammenrücken. Erstmals seit Jahren geht die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner zurück. Kinder ziehen später aus dem Elternhaus aus, es gibt mehr WGs, und mehr Berliner wohnen zur Untermiete. Ursache sind die Mieten, die im Erhebungsjahr 2011 erneut stark stiegen: 14 Prozent mehr verlangten Vermieter im Durchschnitt, 7,40 Euro je Quadratmeter. Günstige Wohnungen gibt es innerhalb des S-Bahnringes kaum noch, sagten die Experten der landeseigenen Förderbank IBB bei der Vorstellung ihres "Wohnungsmarktberichtes 2012". Mehr noch: "Der Preisauftrieb hat zunehmend die ganze Stadt erreicht."

Das ist eine neue alarmierende Entwicklung, denn bisher galten die Ränder der Stadt als Reservoir günstigen Wohnraums. Die Mieten in Spandau und Marzahn-Hellersdorf steigen berlinweit zwar am noch langsamsten. Aber dort droht nun auch ein Verdrängungskampf. Denn anders als bisher bekannt, wächst Berlin nicht vor allem durch den Zuzug gut qualifizierter Arbeitnehmer, die hier eine gut bezahlte Stelle antreten. Das Gegenteil ist der Fall: Die Mehrzahl der 24.000 im Jahr 2011 nach Berlin gezogenen Neuberliner stammen aus dem Osten Europas oder aus dem krisengeschüttelten Süden. Polnische, bulgarische, rumänische Staatsbürger führen die Statistiker als größte Gruppen unter den Zuzüglern an, außerdem kämen mehrere tausend Neuberliner aus Spanien, Italien und Griechenland. Sie alle konkurrieren mit den vielen Berliner Minijobbern, Existenzgründern und Empfängern von Transfereinkommen um günstigen Wohnraum.

Zunehmend angespannte Lage

"Die Lage spitzt sich zu", sagte Baustaatssekretär Ephraim Gothe. Zumal der wachsenden Nachfrage nach Wohnraum bei Weitem nicht genügend Neubauten gegenüberstehen: Nur 3.500 Wohnungen seien neu gebaut worden im vergangenen Jahr. "Das ist zu wenig", so Gothe. Ermutigend sei die mit 10.000 deutlich höhere Zahl der beantragten Baugenehmigungen.

Doch auch wenn alle beantragten Bauten realisiert werden sollten - den besonders hart umkämpften Markt für günstigen Wohnraum entlastet das nicht. Die großen Anlagen, die gegenwärtig auf dem Gleisdreieck nahe Potsdamer Platz oder in der Europa-City am Hauptbahnhof entstehen, bieten die Entwickler überwiegend als Eigentumswohnungen an oder zu Mieten von deutlich mehr als zehn Euro pro Quadratmeter.

Seit Monaten arbeitet die Senatsbauverwaltung deshalb an einer neuen "sozialen Förderung" für den Wohnungsbau. "Wir hoffen, ein Programm im nächsten Haushalt verankern zu können", sagte Gothe. Es sei jedoch noch "viel Überzeugungsarbeit zu leisten" bei den Haushaltspolitikern. Die Wohnungsbauförderung konkurriere mit dem Finanzbedarf der Hochschulen, der Charité und anderer Einrichtungen um die knappen Mittel. Falls Berlin ein neues Programm auflegt, steuert der Bund 32 Millionen Euro bei, benötigt werden Experten zufolge aber über 150 Millionen.

Der Druck wächst

Wohnungsmarktexperten und Senat rechnen damit, dass der Druck auf die Mieten weiter wächst, weil die Bevölkerung Berlins weiter steigt: bis zum Jahr 2030 um bis zu 250.000 Menschen.

Gute Nachrichten hat die IBB allerdings auch: In Berlin entstanden 43.700 neue Stellen, wodurch die Stadt so viele Beschäftigungsverhältnisse hat wie seit dem Jahr 1991 nicht mehr (1,75 Millionen Stellen). Der größte Teil davon seien reguläre sozialversicherungspflichtige Stellen, viele davon "gut bezahlt bei Forschung und Dienstleistungen".

Ergänzende Zahlen für 2012 liefert zudem das Maklerhaus Jones Lang Lasalle. Demnach würden Wohnungen zu Mieten angeboten, die im Durchschnitt um 8,1 Prozent höher als 2011 lagen, für 7,60 Euro je Quadratmeter. Deutlich stärker habe sich Wohneigentum verteuert: um 18,3 Prozent auf durchschnittlich 2.370 Euro je Quadratmeter.

Marzahn

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Quelle: Der Tagesspiegel
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