Neues, altes Buch

Was in 15 Jahren Berlin passierte

Was in 15 Jahren Berlin passierte
David Wagner lebt seit 1991 in Berlin. Zur Foto-Galerie
Berlinweit - Schriftsteller David Wagner hat 2013 jene Orte in der Hauptstadt erneut besucht, die er bereits um die Jahrtausendwende in einer Reihe von feuilletonistischen Texten beschrieb. Herausgekommen ist ein neuer Band, der die Stadtbeobachtungen von heute und damals gegenüberstellt: "Mauer Park".

Keine deutsche Stadt war seit der Wende einem derart sichtbaren Wandel unterworfen wie Berlin – eine Binsenweisheit. Der Wandel ist hier Programm: In schneller Reihenfolge eröffnen und schließen Geschäfte, Restaurants, Clubs; nur mit Großprojekten geht es etwas langsamer voran. Grund genug, den Blick einmal nicht in die 30er oder 60er Jahre schweifen zu lassen, sondern einfach nur rund 15 Jahre zurück. Genau das hat der seit 1991 in der Hauptstadt lebende Schriftsteller David Wagner getan, dessen jüngster Bestseller-Roman „Leben“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde.

Bereits 2001 veröffentlichte Wagner den Band „In Berlin“ mit Texten, die zwischen 1998 und 2001 entstanden und ursprünglich auf den Berliner Seiten der FAZ und im Tagesspiegel erschienen sind. Es handelte sich um Stadtbeobachtungen, die Notizen eines Flaneurs, Beschreibungen von Mikro-Milieus beim Besuch der Deutschen Oper oder der Kneipe Kumpelnest 3000. Wagner wandelte durch die Friedrichstraße, die Schönhauser Allee oder vorbei an den schlangenförmigen Neubauten entlang der Spree; er spickte seine Beobachtungen mit Feuilleton-nahen Referenzen aus Kunst oder Literatur.

Gestern und heute in einem Kapitel

Wer „Mauer Park“, das Update anno 2013, unbedarft von vorne beginnt, braucht vielleicht ein paar Seiten, um die Systematik zu verstehen. Erst am Schluss des Buchs klärt Wagner auf, dass fast jedes Kapitel mit dem alten, bereits erschienenen Text von der Jahrtausendwende beginnt; dann folgt nach einem kleinen Foto und einem simplen Strich die ‚Aktualisierung‘. Viele der neuen Texte haben eher ergänzenden Charakter, fügen den ursprünglichen Beobachtungen lediglich eine Anekdote aus den seither vergangenen 15 Jahren hinzu. Das hat zur Folge, dass „Mauer Park“ nur denen uneingeschränkt zu empfehlen ist, die „In Berlin“ nicht gelesen haben.

Prinzipiell ist die Idee dieses ‚Berlin-Updates‘ jedoch sehr charmant und sowohl langjährige Hauptstädter als auch Neu-Berliner werden Wagners Stadtnotizen, die den Wandel tatsächlich einfangen und begreifbar machen, mit Genuss folgen. Das liegt nicht nur daran, dass David Wagner ein guter Beobachter ist, sondern auch an seinen literarischen Fähigkeiten, die er im Anschluss an seine Arbeit als Feuilletonist schon vielfach unter Beweis gestellt hat. Ebenfalls von Vorteil: Der Autor schreibt ungefiltert und nimmt kein Blatt vor den Mund. Mit „Mauer Park“ ist Wagner ein vielfältiges und nur gelegentlich leicht melancholisches Berlin-Kaleidoskop gelungen.

„Mauer Park“ von David Wagner ist im Verbrecher Verlag (ca. 14 Euro) erschienen.

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