"Meine Kiezstube" in Buckow

"Jetzt isse auf"

Jörg Hagel lud alle Anwohner herzlich in die Kiezstube ein und bedankte sich am Montag bei den fleißigen Helfern.
Jörg Hagel lud alle Anwohner herzlich in die Kiezstube ein und bedankte sich am Montag bei den fleißigen Helfern. Zur Foto-Galerie
In Buckow eröffnete am Montag "Meine Kiezstube", ein Projekt der GEWOBAG, des GEWOBAG-Mieterbeirats und des Bezirksamts Neukölln. Die bereitgestellte Wohnung soll als Treffpunkt dienen, als Beratungstelle des Jugendamts und als Platz für Hausaufgabenhilfe.

Die GEWOBAG Wohnungsbau-AG betreibt rund 1000 Wohnungen in Buckow. Neben einigen Einfamilienhäusern ragen hier auch einige Wohnhochhäuser aus dem Boden. „In Buckow leben heißt fernab vom Trubel der Großstadt leben“, sagte GEWOBAG-Prokurist Wolfram Tarras bei seiner Eröffnungsrede über den Lärm der Baumaschinen hinweg. Es tut sich etwas im Kiez: Gerüste zieren die Fassaden an der Ringslebenstraße, Arbeiter laufen geschäftig hin und her und der neue Ort der Begegnung, „Meine Kiezstube“, ist bereit, mit Menschen gefüllt zu werden.

„Ich laufe hier oft ‚rum und rede mit den Menschen“, erzählte Jörg Hagel, freiberuflicher Sozialpädagoge. „Die Leute hatten Wünsche, aber was nicht passierte, war, dass sie miteinander reden“, berichtet er über die früheren Zustände im Kiez. Sie hätten nicht gewusst, wohin sie sich wenden konnten, deshalb sei der Treffpunkt genau zur richtigen Zeit gekommen, sagte er.

Anonymität brechen

Kiezstube

Der Bezirk und die Wohnungsbaugesellschaft hatten schon früher zusammen gemeinschaftliche Projekte angekurbelt, aber vor zwei Jahren, so Tarras, sei die Idee zur Kiezstube entstanden, als der Mieterbeirat an die Gesellschaft herantrat. Dies sei das erste, aber nicht das letzte Projekt dieser Art. Auch in anderen Quartieren sollen durch Zusammenarbeit mit dem Bezirk oder ansässigen Vereinen weitere Kiez-Treffpunkte entstehen, verkündete er.

Auch Tarras sieht die Probleme der unvernetzten Nachbarschaft: „Eine Frau könnte im Haus Ringslebenstraße Nummer 76 leben und gerne nähen, eine andere wohnt in der Nummer 80. Selbst wenn sie vierzig Jahre hier wohnen, könnte es sein, dass sie sich nie begegnen und gemeinsam das Hobby teilen.“ Die 80-Quadratmeter-Wohnung im Erdgeschoss, die die Gesellschaft dem Projekt zur Verfügung stellt, solle die Anonymität brechen, sagte er.

Bürgerschaftliches Engagement in Neukölln

Hagel, der zukünftige Koordinator der Kiezstube, eröffnete das Haus mit den feierlichen Worten: „Jetzt isse auf.“ Er stellte die Bibliothek vor und freute sich über einen bereits zu verbuchenden Erfolg: „Drei Damen, denen ich die kleine Bibliothek vorstellte, meinten, da müsse doch jemand mithelfen. Ich sagte, das könnten sie doch tun und sie willigten sofort ein.“ Außerdem sei sämtliches Inventar gespendet worden. So sieht Engagement in Neukölln aus.

Die Kiezstube wolle eher als Vermittler, denn als alleiniger Ausrichter dienen, erklärte Hagel, der auch an Schulen Vorträge zu Cyber-Mobbing hält. „Die Wege sollen erleichtert werden“, sagt er, denn nur so kämen auch Menschen, die sich Einiges sonst nicht zutrauen würden. „Wir wollen ein Talent-Scouting organisieren, bei dem Vereine sich die interessierten jungen Sportler im Kiez ansehen. Wenn sie genommen werden, ist das ein Erfolgserlebnis, das nachhaltig das Ego stärkt.“ Wer sonst meint, außer Hartz IV keine Perspektive zu haben, könne so womöglich an Selbstvertrauen gewinnen.

Ihre Ideen sind gefragt

Auch internationale Kochabende soll es geben. Auf dem Flur lädt Hagel gleich eine junge Frau und deren Sohn dazu ein. Denn der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist groß im Viertel, Kennenlernen solle ein Schritt zum angenehmen Miteinander sein, war auch die Meinung Tarras‘.

Ab und zu soll es Feste geben, aber die kontinuierliche Arbeit sei am wichtigsten, betonte der Prokurist. Hausaufgabenhilfe und Beratungsgespräche mit dem Jugendamt würden angeboten, sagte er. Aber auch Spielmöglichkeiten und Betreuung für Kinder seien geplant. Hagel ist eines besonders wichtig: „Es reicht nicht, nur die Wohnung zu haben. Es geht um Sie. Ihre Ideen sind gefragt.“

Meine Kiezstube, Ringslebenstraße 78, 12353 Berlin

Weitere Adressen gibt es hier:

HOWOGE

Berolina eG

Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH

GeWoSüd

Arwobau GmbH

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Kiezstube Buckow, Ringslebenstraße 78, 12353 Berlin


z.Z. noch nach Asprache; in Planung

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