Interview mit Milena Gilmbovski

Period.Berlin – die soziale Menstruationstasse

Period.Berlin – die soziale Menstruationstasse
Mit dem "Original Unverpackt"-Laden begann Milena Glimbovskis Gründerkarriere. "Period.berlin" ist schon ihr drittes Start-up.
Milena Glimbovski, Gründerin des "Original Unverpackt"-Ladens, hat wieder ein neues Start-up: "period.berlin" ist eine coole Menstruationstasse, die gleichzeitig ein soziales Projekt ist. Und das ist derzeit nicht Milenas einziges Baby...

Lässiges schwarzes Kleid, bunte Sneaker mit Tennissocken und Cap auf dem Kopf: So begrüßt uns die erfolgreiche Unternehmerin Milena Glimbovski, die gerade noch aus einem Meeting kommt. Ihr Terminkalender scheint sehr vollgepackt zu sein und das, obwohl heute ihr erster Arbeitstag nach einem längeren Amerika-Urlaub ist. Aber die zierliche Gründerin, die bereits zwei Erfolgsprojekte gestartet hat, ist ein wahres Energiebündel – trotz kleinem Babybauch. Das bringt uns auch schon direkt zum Thema, der Menstruation.

„Auch wenn mir in der Schwangerschaft dauernd schlecht wird, ist es so schön keine Periode zu haben“, sagt die 28-Jährige. Huch, hat sie etwa gerade Periode gesagt? Genau darum geht es bei ihrem neuen Projekt period.berlin, das auch als „soziale Menstruationstasse“ bezeichnet werden darf. Denn es geht dabei gar nicht hauptsächlich um das Produkt, das sich, außer bei der Verpackung, nicht groß von anderen Tassen unterscheidet. „Uns ist aufgefallen, dass die bisherigen Menstruationstassen nicht so ansprechend sind. Statt Elfen und so was, wollen wir unsere Tasse cooler gestalten und so ein Produkt schaffen, mit dem man gerne an die Kasse geht oder es seiner Freundin schenkt“, so Milena.

 

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Das Tabuthema Periode gesellschaftsfähig machen

Beim Konzept von period.berlin geht es um viel mehr als nur darum, ein neues Produkt zu vermarkten. „Wir möchten, dass unsere Menstruationstasse eine soziale Wirkung hat“, erklärt die Kreuzbergerin. Da die Gewinnmargen von Menstruationstassen relativ groß sind, will Milena zusammen mit Kumpel und Geschäftspartner Jan Lenarz einen Mehrwehrt schaffen: Ein Teil des Gewinns soll Hilfsvereine für Frauen in Armut unterstützen – entweder mit einer Geldspende oder gratis Stoffbinden und Menstruationstassen. Obwohl der Erlös ja einem guten Zweck zu Gute kommt, werden die Tassen im günstigen Preissegment liegen. Ein zu hoher Preis würde laut Milena viele Frauen davon abhalten, das Produkt einfach mal auszuprobieren. Und darauf komme es schließlich an – die Berührungsängste abzubauen.

„Wir wollten einfach wieder über das Thema Periode reden. Ich habe selber, seit ich denken kann, sehr krasse Perioden-Unterleibsschmerzen“, sagt die Jungunternehmerin. Milena betont, wie wichtig es sei, das Tabu Menstruation zu brechen. „Ich habe erst in den letzten Monaten angefangen, darüber zu reden. Immer wenn man das Thema anspricht, auch auf Instagram, kommen ganz viele Kommentare, weil es sehr vielen so ähnlich geht. Man braucht oft nur einen Anlass, darüber zu sprechen und das ist die Menstruationstasse.“

 

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Frauen mit Schmerzen werden nicht ernstgenommen

„Periodenschmerzen werden einfach nicht ernstgenommen, oft auch nicht von Ärzten. Geforscht wird dazu leider auch kaum.“ Milena selbst hatte früher wegen ihrer Regel oft so starke Schmerzen, dass sie einmal sogar ins Krankenhaus musste und noch vor dem Gebäude zusammenbrach. Auch das Thema Endometriose spricht Milena an, eine Frauenkrankheit, die von Ärzten zu selten erkannt wird und dazu führen kann, dass Frauen nach jahrelangen Schmerzen operiert werden müssen und sogar unfruchtbar werden. „An solchen Dingen merkt man, dass man in einer patriarchalen Gesellschaft lebt“, findet Milena. Deshalb wollen sie und ihr Team in Zukunft auch Events und Vorträge über das Thema Menstruation allgemein und die Gebrauchsweise von Menstruationstassen halten, zum Beispiel im Affidamento, einem Beratungsverein für Frauen.

Menstruationstassen statt Binden und Obs zu verwenden, spart natürlich auch jeden Monat unglaublich viel Müll. Damit passt das Thema wieder zu Milenas Herzensprojekt, der Müllvermeidung. Zero Waste zu leben, bedeutet, möglichst ohne Verpackungsmüll auszukommen. Um diesem Ziel näherzukommen, hat sie nicht nur den erfolgreichen Original Unverpackt Laden gegründet, über den wir auch berichteten. Über das Thema Abfall hat Milena auch ein Buch geschrieben: Ohne Wenn und Abfall zeigt unterhaltsam und spielerisch auf, wo und wie simpel man überall Abfall sparen kann.

Period.Berlin ist in diesem Sinne also nicht nur eine soziale, sondern auch eine umweltfreundliche Menstruationstasse. Ein Release-Datum gibt es noch nicht, der erste Termin musste verschoben werben. Denn ein bisschen ruhiger muss Milena es nun doch angehen lassen – immerhin startet nun bald das Projekt Mama. Wir können uns gut vorstellen, dass die quirlige Wahl-Berlinerin nach der Babypause gleich wieder mit einer neuen Idee zurückkommt, die unser Leben verbessert.

 

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